Neues Messgerät soll aus 75 Kilometern Höhe zur Erde trudeln

    5. März 2018, 15:53
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    Ähnlich wie Ahornsamen sollen die von der TU Wien und der Universität Würzburg entwickelten Instrumente zur Erde trudeln. Der erste Test findet noch im März statt

    Wien/Würzburg – Mit einer ungewöhnlichen Idee wollen Studierende der Technischen Universität (TU) Wien und der Universität Würzburg die Erdatmosphäre in bis zu 75 Kilometern Höhe erforschen. Aus einer Rakete sollen Messgeräte abgeworfen werden, die mit Hilfe ausklappbarer Flügel – ähnlich einem Ahorn-Samen – in Rotation versetzt werden und langsam zur Erde zurückkehren. Gestartet werden soll das Projekt in Schweden, frühestens am 12. März, teilte die TU mit.

    foto: tu wien
    Dieses Messgerät soll demnächst durch die Erdatmosphäre sinken.

    Günstige Datensammlung

    Das Projekt Daedalus wird im Rahmen des internationalen Rexus/Bexus-Programms zur Förderung studentischer Weltraum-Initiativen realisiert. Dabei werden jedes Jahr zwei Raketen mit von Studierenden entwickelten Instrumenten und Experimenten von Schweden aus gestartet.

    "Das Ziel war, ein Gerät zu entwickeln, mit dem man günstig und einfach meteorologische Daten sammeln kann", sagte Sebastian Seisl vom TU-Space Team. Besonders interessant sei die Höhe von etwa 75 Kilometern, die mit den Rexus-Raketen erreicht wird. Denn Wetterballons könnten höchstens bis zu 40 Kilometer aufsteigen, mit Satelliten lasse sich dieser Bereich der Atmosphäre nur schlecht erfassen.

    foto: tu wien
    Der Erstversuch soll noch im März erfolgen.

    Vorbild Natur

    Für die Grundidee des Messgeräts haben sich die Studenten Ahornsamen zum Vorbild genommen. Fallen diese vom Baum, trudeln sie wie kleine Propeller langsam zu Boden. Auch die drei röhrenförmigen, 40 Zentimeter langen Sonden sollen, nachdem sie abgeworfen wurden, ihre Flügel ausklappen und möglichst langsam und unbeschadet zur Erde zurückkehren.

    Während des Falls sollen Daten wie Beschleunigung, Temperatur und Luftdruck gemessen werden. "Unser Hauptaugenmerk liegt aber diesmal darin, zu zeigen, dass die Methode grundsätzlich funktioniert. Mit welchen zusätzlichen Messsensoren man die Geräte ausstattet, spielt technisch eigentlich keine so große Rolle", sagte Christoph Fröhlich von der TU Wien. Das Wiener Space Team war für den Auswurfmechanismus und die Entwicklung des Computers der Sonden zuständig.

    foto: tu wien
    Wenn alles klappt, sollen künftig weitere Sensoren installiert werden.

    Die Messdaten können über kurze Entfernungen an die Rexus-Rakete gesendet werden, die gleichzeitig mit den Sonden wieder zur Erde zurückfällt, sie werden aber auch von den Messgeräten selbst gespeichert. Mittels an Satelliten übermitteltem GPS-Signal sollen sie dann wiedergefunden werden. Mit einem Gewicht von jeweils 1,6 Kilogramm sollen die Sonden den Berechnungen zufolge mit etwa 50 Kilometer pro Stunde auf der Erde auftreffen.

    Eine Delegation des Space Teams ist bereits zum Startplatz in Kiruna in Nordschweden aufgebrochen. Frühestmöglicher Start der Rakete ist am 12. März.

    Das Rexus/Bexus-Programm ist eine Initiative des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, des Swedish National Space Board und der Europäischen Weltraumorganisation Esa. Der österreichische Anteil an dem Projekt wird von privaten Sponsoren, dem Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik der TU Wien und der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt. (APA, red, 5.3.2018)

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