90. Oscar-Verleihung: Fantasyromanze und penislose Oscar-Statue

    Video5. März 2018, 11:04
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    Guillermo del Toros "Shape of Water" triumphiert in den Königskategorien bester Film und beste Regie. Die #MeToo-Debatte wirkte als roter Faden, aber nicht dominant

    Hollywood – Am Ende wurde es dann doch der prognostizierte Erfolg für Guillermo del Toros "Shape of Water" bei den 90. Oscars: Auch wenn die Fantasyromanze nur vier ihrer 13 Nominierungen in Preise ummünzen konnte, fanden sich darunter doch die Königskategorien bester Film und beste Regie. Ansonsten verteilte sich der Preisregen bei der Gala in der Nacht auf Montag in Los Angeles recht gleichmäßig.

    Während sich "Shape of Water" in den beiden Spitzenkategorien behauptete, brachte der nicht zuletzt durch großartige schauspielerische Leistungen beeindruckende, politische Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" seinen Darstellern Glück.

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    Dankesrede von Guillermo del Toro für den Oscar für den besten Film "The Shape of Water".
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    13 Nominierungen, vier Oscars für "Shape of Water": Favoritensieg bei den 90. Academy Awards.

    Die als selbsternannte Rachegöttin brillierende Hauptdarstellerin Frances McDormand (60) holte sich ihren zweiten Oscar nach "Fargo", Sam Rockwell (49) für seine Rolle als rassistischer Kleinstadtpolizist bei seiner ersten Nominierung gleich die Trophäe bei den Nebendarstellern. Nichts wurde es in diesen Kategorien mit dem vierten Oscar für Meryl Streep, nichts mit dem zweiten Oscar für den 88-jährigen Altmeister Christopher Plummer.

    Eindringliche Performance

    Auch der Engländer Gary Oldman (59) hatte bei den Buchmachern die Nase vorn gehabt und lieferte wie erwartet. Seine wortgewandte und eindringliche Performance als britischer Premierminister Winston Churchill in Joe Wrights Historiendrama "Die dunkelste Stunde" gefiel auch der Academy am besten. Jungstar Timothee Chalamet hatte ebenso das Nachsehen wie Daniel Day-Lewis und Denzel Washington.

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    Dankesrede von Gary Oldman.

    Bei den Nebendarstellerinnen gewann Allison Janney (58). In dem auf der Lebensgeschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding basierenden Film "I, Tonya" spielt sie eine ehrgeizige Eislaufmutter, ihre als Hauptdarstellerin nominierte Filmtochter Margot Robbie ging dagegen leer aus.

    Erster Oscar mit 89 Jahren

    Altmeister James Ivory konnte sich mit 89 Jahren über seinen ersten Oscar freuen. Für sein Coming-of-Age-Drama "Call Me by Your Name" gewann er in der Sparte bestes adaptiertes Drehbuch und ist damit der bisher älteste Oscar-Gewinner überhaupt. "Coco", das farbenfrohe Abenteuer der Pixar-Studios, holt sich wie erwartet die Krone bei den Animationsfilmen.

    Etwas überraschend spielte die in den vergangenen Monaten unter den Stichworten #MeToo und Time's Up gebündelte Thematisierung von Missbrauch und Diskriminierung von Frauen in Hollywood in der Mehrheit der Dankesreden keine zentrale Rolle, dennoch wurden die Probleme immer wieder erwähnt.

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    In ihrer Dankesrede fordert Frances McDormand Frauen im Saal auf, als Zeichen der Solidarität aufzustehen.

    Frances McDormand machte die Ungleichheit von Frauen in Hollywood zum Thema ihrer Rede. Sie eröffnete mit den Worten: "Ich hyperventiliere – wenn ich zusammenbreche, richtet mich wieder auf, denn ich habe einige Dinge zu sagen." Sie brachte anschließend die Frauen im Saal dazu, als Zeichen der Solidarität gesammelt aufzustehen, und forderte die Produzenten auf, weibliches Filmschaffen zu finanzieren.

    Oscar-Statue: "Er hat keinen Penis"

    Auch wenn viele Stars in ihren Ansprachen das Thema nicht in den Mittelpunkt stellten, zog sich die Frage der Diversität als roter Faden durch die Gestaltung des Abends. Bereits in seiner Eröffnungsnummer hatte Moderator Jimmy Kimmel, der zum zweiten Mal in Folge durch die Gala führte, direkt auf die beherrschende Diskussion der jüngsten Zeit angespielt. Dass die Oscar-Statue heute der respektierteste Mann in Hollywood sei, sei schnell geklärt: "Er hat seine Hände, wo man sie sieht, er sagt nichts Anrüchiges – und hat keinen Penis. Wir brauchen mehr von seiner Sorte."

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    Eröffnungsrede von Jimmy Kimmel.

    Auch in weiterer Folge kam Diversität – die auch die Position von Schwarzen, Homosexuellen und anderen Minderheiten in der Hollywood-Industrie umfasst – immer wieder zur Sprache. In einem Einspieler plädierten Stars wie die #MeToo-Proponentinnen Mira Sorvino und Greta Gerwig für einen Wechsel, der bereits im Gange sei, während Kollegin Geena Davis an ihren feministischen Erfolgsfilm "Thelma & Louise" aus dem Jahr 1991 erinnerte, nach dem jeder fälschlicherweise gedacht habe, er werde eine ganze Welle ähnlicher Werke nach sich ziehen.

    Keine feministischen Überraschungserfolge

    Auf Ebene der Preise blieb der feministische Überraschungserfolg allerdings aus. Weder konnte sich Solo-Regiedebütantin Gerwig als Geheimfavoritin in der Regiekategorie gegen die männliche Konkurrenz durchsetzen, noch ging Rachel Morrison ("Mudbound"), als erste Kamerafrau überhaupt im Rennen, mit dem Oscar nach Hause. Immerhin konnte mit Jordan Peele erstmals ein Schwarzer den Oscar für das beste Originaldrehbuch ("Get Out") in Empfang nehmen, während beim Auslandsoscar das chilenische Transgenderdrama "A Fantastic Woman" von Sebastian Lelio gekürt wurde.

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    Dankesrede von Jordan Peele.

    Bei allem gesellschaftspolitischen Engagement blieb die Oscar-Show aber auch heuer wieder launig. So lobte Kimmel einen Jetski im Wert von 17.999 Euro für denjenigen Preisträger aus, der die kürzeste Dankesrede hält – wovon Mark Bridges, Kostümdesigner bei "Der seidene Faden", profitierte. Und nach ihrer legendären Panne vom Vorjahr, als Warren Beatty und Faye Dunaway wegen eines falschen Umschlags zunächst mit "La La Land" den falschen Streifen zum Sieger in der Kategorie bester Film gekürt hatten, wurden die beiden Kinoveteranen erneut als Präsentatoren der Sparte eingeladen. "Beim zweiten Mal ist alles besser", so Dunaway. (APA, red, 5.3.2018)

    • Guillermo del Toro darf mit zwei Oscars nach Hause gehen: bester Film und beste Regie.
      foto: apa/afp/frederic j. brown

      Guillermo del Toro darf mit zwei Oscars nach Hause gehen: bester Film und beste Regie.

    • Beste Hauptdarstellerin: Frances McDormand.
      foto: reuters / mike blake

      Beste Hauptdarstellerin: Frances McDormand.

    • Bester Hauptdarsteller: Gary Oldman.
      foto: apa/afp/getty images/alberto e. rodriguez

      Bester Hauptdarsteller: Gary Oldman.

    • Die Oscar-Gewinner in den 24 Kategorien

      Bester Film: "The Shape of Water", Regie: Guillermo del Toro, Produzent: J. Miles Dale

      Regie: Guillermo del Toro, "The Shape of Water"

      Hauptdarsteller: Gary Oldman, "Darkest Hour"

      Hauptdarstellerin: Frances McDormand, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

      Nebendarstellerin: Allison Janney, "I, Tonya"

      Nebendarsteller: Sam Rockwell, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

      Fremdsprachiger Film: "A Fantastic Woman", Regie: Sebastian Lelio (Chile)

      Kamera: Roger A. Deakins, "Blade Runner 2049"

      Originaldrehbuch: Jordan Peele, "Get Out"

      Adaptiertes Drehbuch: James Ivory, "Call Me by Your Name"

      Schnitt: Lee Smith, "Dunkirk"

      Filmmusik: Alexandre Desplat, "The Shape of Water"

      Filmsong: "Remember Me" aus "Coco", Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez

      Produktionsdesign: Shane Vieau, Paul Denham Austerberry und Jeffrey A. Melvin, "The Shape of Water"

      Tonschnitt: Richard King und Alex Gibson, "Dunkirk"

      Tonmischung: Gregg Landaker, Gary A. Rizzo und Mark Weingarten, "Dunkirk"

      Spezialeffekte: John Nelson, Gerd Nefzer, Paul Lambert und Richard R. Hoover, "Blade Runner 2049"

      Make-up, Frisur: Kazuhiro Tsuji, David Malinowski und Lucy Sibbick, "Darkest Hour"

      Kostümdesign: Mark Bridges, "Phantom Thread"

      Realkurzfilm: "The Silent Child", Regie: Chris Overton und Rachel Shenton

      Animationsfilm: "Coco", Regie: Lee Unkrich und Darla K. Anderson

      Animationskurzfilm: "Dear Basketball", Regie: Glen Keane und Kobe Bryant

      Dokumentarfilm: "Icarus", Regie: Bryan Fogel und Dan Cogan

      Dokumentarkurzfilm: "Heaven Is a Traffic Jam on the 405", Regie: Frank Stiefel.

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