AMS-Mitarbeiterinnen verzichten auf Kopftuch, AMS dementiert Bann

3. März 2018, 13:42
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AMS-Wien-Chefin Petra Draxl dementiert einen Profil-Bericht: "Es gibt diesbezüglich weder Verbote noch Anweisungen"

Wien – Das Nachrichtenmagazin Profil berichtet in einer Vorabmeldung auf die am Montag erscheinende Ausgabe, das Arbeitsmarktservice Wien habe "bisher bewusst keine Frauen mit Kopftuch aufgenommen". Stimmt nicht, kontert das AMS Wien in einer Aussendung. Man habe in jüngerer Zeit zumindest drei Frauen aufgenommen, die ein Kopftuch tragen. Richtig sei allerdings, dass derzeit keine dieser Beraterinnen das Kopftuch im direkten und persönlichen Kontakt mit Kundinnen und Kunden trage. Dazu hätten sich die Kolleginnen allerdings aus freien Stücken entschieden, heißt es. "Unsere Haltung ist sehr klar: Es gibt bei uns diesbezüglich weder Verbote noch Anweisungen", so AMS-Wien-Chefin Petra Draxl.

Bei Vizechef Winfried Göschl klingt das laut Vorausmeldung des Profil so: "Wir sind generell dagegen, dass im direkten Kundenkontakt Religion oder Weltanschauung offen zur Schau gestellt werden." Man wolle "Rollenbilder gerade im Zusammenhang mit der Arbeitssuche nicht tradieren". Laut AMS Österreich trägt demnach in ganz Österreich keine einzige Mitarbeiterin mit Kundenkontakt Kopftuch.

Wenig Chance mit Kopftuch

Göschl sieht das Kopftuch im Arbeitsleben nicht nur in der Beratung als problematisch. "Unsere Erfahrung zeigt klar: Das Kopftuch verringert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich. Das sagen wir Frauen, die wir beraten, auch. So ehrlich müssen wir schon sein." Dass Frauen mit Kopftuch und Migrationshintergrund – der etwa auch dem Namen zu entnehmen ist – schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt haben, belegen auch Studien (siehe etwa diese Studie).

Offen sei indes der Umgang mit vollverschleierten Frauen, sollten diese in einer AMS-Stelle um Arbeitslosengeld oder Mindestsicherung ansuchen, heißt es in dem Bericht. Das "Burka-Verbot" gilt seit Herbst 2017. Das AMS bat laut Profil den Verfassungsdienst im Bundeskanzleramt um Klärung, dieser verwies an das Innenministerium, und dieses wiederum sieht die Zuständigkeit beim Sozialministerium. Eine Antwort gibt es noch nicht. (red, 3.3.2018)

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