Eine "grüne Weisheit" zum Fall Glawischnig

    Userkommentar3. März 2018, 13:48
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    "Unerwünschte gesellschaftliche Erscheinungen" könne man "nicht wegverbieten" – das erklärt nun ausgerechnet die Initiatorin grüner Verbotspolitik

    Die wohlverdiente Quittung der Wählerschaft für ihre Politik wollte sie bei den letzten Nationalratswahlen nicht mehr persönlich entgegennehmen. Und so suchte Eva Glawischnig unmittelbar vor dem großen Scherbengericht über die Grünen überstürzt das Weite. Ich dachte, das wenigstens wäre ausgestanden und die Grünen hätten nach jahrelangen Abwegen eine Chance zu einem Neubeginn.

    Ich habe mich getäuscht. Glawischnig hat doch noch eine Möglichkeit gefunden, den Grünen, nachdem sie diese an den politischen Abgrund geführt hat, noch einen letzten gewaltigen Tritt zu versetzen. Sie heuerte beim Glücksspielkonzern Novomatic an, gegen dessen Machenschaften und politische Verstrickungen einige grüne Abgeordnete jahrelang gekämpft haben.

    Unsägliche Rechtfertigung

    Doch damit nicht genug. In ihrer unsäglichen Rechtfertigung erklärt Glawischnig allen Ernstes, sie werde sich vor allem "um die Nachhaltigkeit" im Glücksspielkonzern kümmern und zeigte sich besonders von "seiner Internationalität fasziniert". Die einzige Nachhaltigkeit eines Glücksspielkonzerns besteht in der Spielsucht zahlloser seiner "Kunden". Die ist allerdings "international" und sie ist der Treibstoff für unbegrenztes Wachstum.

    Grüne Weisheit

    Ausgerechnet die Initiatorin einer langjährigen allumfassenden Verbotspolitik der Grünen, die sie selbst an die Stelle einer mühsamen Aufklärungs- und leidenschaftlichen Überzeugungsarbeit in der Gesellschaft gesetzt hat, erklärt nun: "Man könne unerwünschte gesellschaftliche Erscheinungen nicht wegverbieten."

    Nein, "wegverbieten" kann man die Spielsucht nicht. Aber gut leben kann man davon. Skrupellosigkeit vorausgesetzt. Doch dazu möchte ich Frau Glawischnig ein allerletztes Mal an an eine "grüne Weisheit" erinnern: "Gut leben" meint etwas gänzlich anderes, als sich an den Schwächen Anderer zu bereichern und dafür jede politische und moralische Integrität zu opfern – auch nicht in der zynischen Maskerade einer "Verantwortungsmanagerin". (Johannes Voggenhuber, 3.3.2018)

    • Eva Glawischnig heuerte beim Glücksspielkonzern Novomatic an.
      foto: apa/barbara gindl

      Eva Glawischnig heuerte beim Glücksspielkonzern Novomatic an.

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