Laut Anzeige sechs Personen an der Spitze der Bitcoin-Pyramide

2. März 2018, 20:48
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Anlegervertreter zeigen sechs Personen an, die eine Rolle im Optioment-Skandal gespielt haben sollen

Zwei Betrüger, deren Existenz nicht gesichert ist, und das war's. Diesen Eindruck konnte man gewinnen, wenn man bisherige Darstellungen über das mutmaßliche Abzockersystem Optioment wahrnahm. Zwar liefen die einem Pyramidenspiel nachgebildeten Bitcoin-"Investitionen" über zahlreiche Vertriebsleute in Österreich, doch diese wollen kein Geld entgegengenommen haben. Zudem sehen sie sich selbst als Opfer der beiden angeblichen Hintermänner Alex P. und Lucas M.

Neue Recherchen von Anlegervertretern kommen nun zu einem anderen Bild. Demnach sind drei im Optioment-Vertrieb federführende Österreicher "nicht Opfer, sondern ganz klar Täter der strafbaren Handlungen gegenüber den geschädigten Anlegern", heißt es in einer Sachverhaltsdarstellung der Kanzlei Lansky, Ganzger & Partner an die Staatsanwaltschaft Wien. Es geht dabei um die im System als drei Musketiere bezeichneten Personen, die alle Vorwürfe bestreiten und selbst Anzeige gegen Alex P. und Lucas M. eingebracht haben.

Österreichischer Unternehmer angezeigt

Neben den Musketieren wird auch ein österreichischer Bitcoin-Unternehmer angezeigt. Er hat bisher ebenfalls alle Vorwürfe von sich gewiesen und gemeint, die Vertriebsleute mit Optioment nur zusammengebracht zu haben. In der Sachverhaltsdarstellung wird er als "die zentrale Schnittstelle im Optioment-System" bezeichnet.

foto: as
Anwalt Ronald Frankl vertritt knapp 70 Geschädigte.

Er sei an der Entwicklung des Geschäftsmodells wesentlich beteiligt gewesen und habe für den Aufbau des Vertriebs gesorgt, erklärt Ronald Frankl, Anlegeranwalt bei Lansky, Ganzger & Partner. Laut dieser Darstellung sei es "bezeichnend", dass der Tiroler Unternehmer wenige Tage nach Einstellung der Zahlungen durch Optioment seine eigene Firma an eine Gesellschaft in Hongkong übertragen habe. Für den Unternehmer gilt ebenso wie für die anderen beschuldigten Personen die Unschuldsvermutung.

Insgesamt zeichnet die Anzeige anhand von Chatprotokollen und Videokonferenzen ein Bild eines vorsätzlichen Anlegerbetrugs. Hohe Renditen wurden versprochen, die mit einer eigenen Trading-Software im Bitcoin-Handel erzielt wurden. De facto waren die Gewinne lediglich das Geld neuer Kunden, die geködert wurden. Als die Schwierigkeiten virulent wurden, erhöhte Optioment die Renditeversprechen auf vier Prozent – pro Woche. Im November wurden die Zahlungen ganz eingestellt. Rund 10.000 geprellte Investoren stehen vor einem Totalverlust, der auf 100 Millionen Euro geschätzt wird. (as, 2.3.2018)

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    foto: ap/gillian flaccus
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