Nach Journalistenmord: Druck auf slowakische Führung

2. März 2018, 20:52
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Weitere Rücktrittsforderungen nach Journalistenmord

Bratislava/Wien – Der Mord am Enthüllungsjournalisten Ján Kuciak sorgt in der Slowakei weiter für Schockwellen. Nachdem am Mittwoch Kulturminister Marek Madaric seinen Rücktritt angekündigt hat, wächst nun auch der Druck auf Innenminister Robert Kalinák.

Beide gehören der sozialdemokratischen Regierungspartei Smer von Premier Robert Fico an. Rücktrittsforderungen an Kalinák kommen vor allem vom kleinen Regierungspartner, der liberalen Partei Most-Híd. Kalinák war immer wieder mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert gewesen. Seine Kritiker wollen ihn nicht weiter an der Spitze jenes Ministeriums, das für die Polizei und damit für die Aufklärung des Mordes zuständig ist.

Verbindung zur Mafia

Kuciak war in seiner letzten, unvollendeten Reportage einer Affäre nachgegangen, in der es um Verbindungen der italienischen Mafia zu höchsten Regierungskreisen in der Slowakei und um damit verbundenen EU-Subventionsbetrug gehen soll. Sieben Personen wurden verhaftet, darunter ein italienischer Geschäftsmann, der Beziehungen zu Ficos Assistentin hatte. Diese ist inzwischen "vorübergehend" aus dem Amt geschieden – genau wie ein Sekretär des Staatlichen Sicherheitsrats, der Kontakte zu den verdächtigen Italienern hatte.

Der 27-jährige Kuciak und seine Verlobte waren am Sonntag erschossen in ihrem Haus aufgefunden worden. Am Freitagabend fanden in Bratislava und anderen slowakischen Städten Trauermärsche statt, alleine in Bratislava gingen 25.000 Menschen auf die Straße. (Gerald Schubert, 2.3.2018)

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