"Horchposten" in der Alten Schmiede: Sprache ist auch zum Hören da

    3. März 2018, 10:00
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    Am Montag startet die dritte Ausgabe des Hörspielfestivals. Ein Fokus liegt auf Elfriede Jelinek

    Wien – Wie subversiv dürfen Hörspiele sein, um dennoch noch von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gesendet zu werden? Diese Frage kreist über der dritten Ausgabe des Hörspielfestivals Horchposten in der Alten Schmiede. Motto: "Der Zustand. Die Welt. Das Narrativ". Michaela Falkner (Künstlername: Falkner in großen Lettern) hat die Werke und Werkausschnitte kuratiert und moderiert die Zusammenkünfte von Hörspielschaffenden und -experten.

    Mit Krieg der Welten hat Orson Welles 1938 die amerikanischen Hörer jedenfalls vor den Kopf gestoßen, als er dem auf H._G. Wells’ Science-Fiction-Roman basierenden Hörspiel über eine Invasion von Mars bewohnern den Anschein einer realen Reportage gab. Dreißig Jahre später wurden von einer Radiostation Hörspiele auf Basis von O-Tönen gar verboten. Der Hörspielkritiker und -blogger Jochen Meißner wird in diesem Zusammenhang über "Subversionen im Radio" sprechen (21. und 22. 3.). Zugleich stellt Regisseurin Iris Drögekamp Ausschnitte ihrer Hörspielarbeiten vor, und Renate Pittroff gibt über die Produktionsbedingungen im öffentlich-rechtlichen Bereich Auskunft.

    Jelinek zu Donald Trump

    Am Beginn aber steht Elfriede Jelinek, deren subversive Techniken der Sprache von zwei namhaften Fachleuten kontextualisiert werden: Herbert Kapfer, Leiter der Hörspielabteilung des Bayerischen Rundfunks, hat in den letzten zwanzig Jahren alle Hörspiele von Elfriede Jelinek realisiert. Er spricht am Beispiel des jüngsten Stücks Am Königsweg (2017) über den von Jelinek praktizierten Galgenhumor.

    Rita Thiele, die als Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin des Deutschen Schauspielhauses Hamburg die Uraufführung von Am Königsweg betreut hat, setzt auseinander, wie sehr Jelineks Sprache zum Hören gedacht ist bzw. wie deren Verschleierungs- und Aufdeckungsmechanismen beim Zuhören wirken. Gerhard Scheit stellt weitere Jelinek-Hörspieltexte vor.

    Fünf Einblicke

    Sind also Hörspiele, die sich gängigen Narrativen verweigern, in der Distribution benachteiligt? Schwer zu sagen, aber vielleicht können freie Hörspielmacher ihre Erfahrungen einbringen. Zum ersten Mal gab es heuer den Aufruf, Hörstücke zum Jahrgangsthema einzureichen.

    Fünf ausgewählte Arbeiten geben einen Einblick in die freie Hörspielproduktion: Radio Radio von Felicitas Braun und Anatol Vitouch, Fantasiereise #3-A/k von Anna Haslehner, Maria Huber und Asja Maghgoub, Der Thunfisch unter den Lebensformen von Mieze Medusa, Philipp Diesenreiter und David Scheid, Triggerwarnung von Jörg Piringer und Einen guten Pinienapfel, bitte von Bruno Pisek. (Margarete Affenzeller, 3.3.2018)

    Horchposten III, Alte Schmiede, 1010 Wien, 5./6. und 21./22. 3., jeweils ab 19.00

    Horchposten

    • In den 1920er-Jahren brauchte es zum Radiohören noch meterhohe Apparaturen.
      foto: museum waalsdorp

      In den 1920er-Jahren brauchte es zum Radiohören noch meterhohe Apparaturen.

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