Charlotte Fedders: Eine Frau gegen zwei US-Regierungen

3. März 2018, 08:00
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Die Regierung Trump wird von Skandalen rund um häusliche Gewalt ihrer Mitarbeiter heimgesucht – wie schon die von Reagan 30 Jahre zuvor. Charlotte Fedders hatte mit beiden zu tun

"Dieses Jahr werden wir unsere Anstrengungen gegen diese und andere furchtbaren Verbrechen wie zum Beispiel sexuellen Missbrauch und Gewalt in der Familie intensivieren." Es war Ronald Reagans letzte Ansprache vor dem Kongress vor seiner Wiederwahl 1984, als er dieses Versprechen in seiner State-of-the-Union-Rede machte.

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Reagans Rede, die Charlotte Fedders dazu gebracht hat, einen Brief ans Weiße Haus zu schreiben (relevante Passage ab Minute 28:55).

Als Charlotte Fedders diese Worte des US-Präsidenten hörte, wurde sie hellhörig. Wegen dieses einen Satzes von Reagan entschied sie sich, einen Brief ans Weiße Haus zu schreiben, und sie wusste, dass er gelesen wird.

"Ich bin ein Opfer von häuslicher Gewalt. Seit mehr als 16 Jahren meiner Ehe prügelt mich mein Ehemann gelegentlich. Ich hatte ein geplatztes Trommelfell, eine Nackenzerrung, mehrere blaue Augen und viele, viele Prellungen", stand in dem Brief.

Mächtiger Ehemann

Warum Fedders wusste, dass ihr Brief im Weißen Haus Beachtung findet: Ihr Ehemann, John Fedders, war ein hochrangiger Mitarbeiter Reagans – er war Vollzugsdirektor der US-Finanz- und Börsenaufsicht SEC.

foto: gift of the gang family fund, 2003/copyright: icp.org - published under fair use as stated
Porträt von Charlotte Fedders in ihrem Buch "Shattered Dreams", in dem sie über den Missbrauch und die Gewalt in der eigenen Ehe berichtet.

Und tatsächlich landete ihr Brief auf dem Schreibtisch des Rechtsberaters des Präsidenten. Dieser entschied jedoch, nichts zu tun, John Fedders behielt seinen Job.

Erst als die Geschichte ein Jahr später an die Öffentlichkeit kam, handelte die Regierung Reagan. Am 25. Februar 1985 veröffentlichte das "Wall Street Journal" eine Geschichte über die Vorwürfe gegen Fedders.

Abwehrend

Zunächst jedoch reagierte das Weiße Haus abwehrend: John Fedders sei nicht gefragt worden zurückzutreten, er mache einen herausragenden Job bei der Finanz- und Börsenaufsicht, war Regierungsstatements zu entnehmen.

Am nächsten Tag musste er zurücktreten. Es war nicht das letzte Mal, dass der Name Fedders in den Medien fallen sollte.

foto: screenshot new york times
Artikel der "New York Times" über den Rücktritt von Fedders Ende Februar 1985.

Mehr als 30 Jahre später nominiert der frischgewählte Präsident Donald Trump – ebenfalls Republikaner – Andrew Puzder als seinen Arbeitsminister, doch über dessen Nominierung hing ein Schatten. Noch bevor Puzder sein Amt antreten konnte, wurde in einem Artikel in "Politico" behauptet, dass seine Exfrau ihn der häuslichen Gewalt bezichtigte.

Verschwundene Videoaufnahme

Damit nicht genug: Die 1987 von ihm geschiedene Lisa Fierstein Henning soll in den 90er-Jahren in einer Folge der Oprah-Winfrey-Show aufgetreten sein und über den Missbrauch während der gemeinsamen Ehe berichtet haben. Das Thema der Sendung war häusliche Gewalt in Familien der Oberschicht.

foto: ap photo/carolyn kaster, file
Puzder (rechts) und Trump im November 2016.

Die Geschichte hatte allerdings einen Haken. Die Aufzeichnung dieser Sendung war verschwunden, die Produktionsfirma der Sendung konnte die Bänder nicht mehr finden, und auch niemand anderer hatte zunächst eine Aufzeichnung dieser Folge der Oprah-Winfrey-Show. Das Weiße Haus reagierte wie schon die Reagan-Regierung mehr als 30 Jahre zuvor abwehrend: Puzder war auf dem Weg, nächster Arbeitsminister zu werden.

Rückkehr

Das Weiße Haus hatte die Rechnung aber ohne Charlotte Fedders und ihre Schwester gemacht. Die beiden hatten eine private VHS-Aufnahme der Sendung bei sich zu Hause. Einen Monat nach dem ersten "Politico"-Bericht wurde ihre Kopie der Aufzeichnung der Sendung veröffentlicht, Puzder zog seine Bewerbung um das Amt des Arbeitsministers zurück.

Aufzeichnung der Oprah-Winfrey-Show, in der sowohl Fedders als auch die Exfrau von Andy Puzder aufgetreten sind.

Im Jänner 2018 tauchte Puzder erneut in den Medien auf. Für den geschassten Fast-Arbeitsminister werde trotz der Vorwürfe erneut eine Rolle in der Regierung Trump gesucht, berichtete "Politico".

Immer mehr Vorwürfe

Im selben Monat beginnen Journalisten der Boulevardzeitung "Daily Mail" und der Investigativplattform "The Intercept" über Missbrauchsvorwürfe gegen Mitarbeiter im Weißen Haus zu recherchieren und stoßen auf einen weiteren Namen: Rob Porter, Stabssekretär im Weißen Haus und einer der engsten Mitarbeiter von Donald Trump.

foto: reuters/jonathan ernst/file photo
Von links nach rechts: Noch-US-Präsident Trump, Exmitarbeiter Rob Porter und Exstabschef Reince Priebus im Oval Office.

Er wurde ebenfalls der häuslichen Gewalt bezichtigt, dieses Mal von seinen zwei Exfrauen. Wie schon 30 Jahren zuvor wusste das Weiße Haus auch dieses Mal über die Vorwürfe gegen Porter vorab Bescheid. Deswegen hatte er – so wie viele Mitarbeiter im Weißen Haus – über ein ganzes Jahr hinweg nur eine temporäre Sicherheitsfreigabe (siehe: "Mehr als 100 Mitarbeiter im Weißen Haus ohne Dauersicherheitsfreigabe").

Mit einem Sturm der Entrüstung konfrontiert, zog das Weiße Haus die Reißleine: Alle Mitarbeiter, die keine permanente Sicherheitsfreigabe hätten, würden in kürzester Zeit entweder eine dauerhafte Freigabe haben oder diese verlieren, kündigte Trump an. (red, 3.3.2018)

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