Billigflieger Wizz Air gibt in Wien kräftig Gas

2. März 2018, 13:23
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Der aggressiv wachsende Low-Cost-Carrier baut sein Angebot am Flughafen Schwechat aus und fliegt auch in den Norden

Wien – "Wenn wir uns entscheiden, sind wir schnell": George Michalopoulos, Vorstand bei Wizz Air, macht in Wien klar, dass der ungarische Billigflieger keine Zeit zu verlieren gedenkt. Ab 2019 sollen zu den drei Maschinen, die derzeit am Flughafen Schwechat stationiert sind, zwei dazukommen.

Der Zeitpunkt für eine Expansion in Wien ist günstig. Einerseits hat der Flughafen für dieses Jahr ein neues Rabattprogramm für Fluglinien aufgelegt, andererseits überstieg im Vorjahr laut Flughafenvorstand Julian Jäger die Nachfrage das Angebot. Dazu kommt, dass sich der Österreich-Start von Laudamotion verzögert, eine Lücke, die Wizz Air rasch zu schließen gedenkt.

Aggressives Wachstum

Konzernchef und Airline-Gründer József Váradi macht kein Geheimnis daraus, dass er aggressiv wachsen will. In den kommenden neun Jahren will der 52-Jährige die Flotte der 2003 in London als Limited gegründete Airline auf rund 300 Maschinen verdreifachen und jährlich 100 Millionen Passagiere transportieren. Im aktuellen Geschäftsjahr peilen die hochprofitablen Ungarn 30 Millionen an. Eine selbstbewusste Kampfansage an Europas Billigplatzhirsch Ryanair. Mit den Iren flogen zuletzt 129 Millionen Passagiere. Nach Wien wollen sie nach wie vor, aber zu noch besseren Bedingungen, als sie derzeit geboten und von Wizz Air auch gern angenommen werden.

Neben dem Süden auch der Norden

Anders als Niki in der Vergangenheit fliegt Wizz Air aber ab 2019 nicht nur touristische Destinationen im Süden an – etwa Lissabon (ab Februar um 39,99 Euro) und Madrid (um 29,99 Euro) –, sondern hat neben dem Osten (Charkiw in der Ukraine ab März um 29,99 Euro) künftig auch den Norden im Portfolio. Stockholm (Skavsta) und Malmö etwa werden ab März um 19,99 Euro angeboten, die Tickets in die isländische Hauptstadt Reykjavík sind um 49,99 Euro zu haben. Auch Mailand-Malpensa (ab Februar um 19,99 Euro) und Nizza (um 29,99 Euro) werden angeflogen. Tickets können jetzt schon gebucht werden. Insgesamt sollen ab dem kommenden Jahr 27 Routen angeboten werden. Günstige Tickets, schlanker Betrieb mit einer jungen Crew, die für ihr Gehalt mehr fliegt als bei den Traditionsairlines üblich – damit niedrige Personalkosten und möglichst hohe Einnahmen durch Zusatzgebühren, so lautet das Geschäftsmodell: Wizz Air zählt zu den Nebeneinkommenskaisern unter Europas Airlines. 2016 verkaufte man etwa 8,9 Millionen Tassen Kaffee.

Mehr Billigflieger in Wien

Mit dem Wachstum der Ungarn soll auch der Anteil der Billigairlines in Wien weiter steigen, wie Flughafenvorstand Jäger sagt. Waren es 2012 noch 4,9 Prozent, liegt er derzeit bei rund einem Fünftel, in Westeuropa kommen Low-Cost-Carrier schon auf rund 40 Prozent. In Wien sind die Lufthansa-Tochter Eurowings mit fünf bis sechs Maschinen, die britische Easyjet und die IAG-Tochter Vueling, die Niki übernehmen wollte, die größten Anbieter. Wobei nicht alle ein Flugzeug stationiert haben – wie etwa Easyjet oder Vueling. Auch Laudamotion wird anfangs nur mit zwei bis drei Fliegern in Wien vertreten sein.

Mitarbeiter gesucht

Für Wien hat die Stationierung der Flugzeuge den Vorteil, dass auch die Crews in Österreich rekrutiert werden. Wizz Air, die insgesamt 3.500 Mitarbeiter beschäftigt, ist etwa derzeit auf der Suche nach Personal. Mit fünf Fliegern soll die in Österreich beschäftigte Crew auf 200 Mitarbeiter anwachsen. Die Frage, zu welchen Bedingungen das geschieht, beantwortet Michalopoulos diplomatisch: "Wir bieten marktkonforme Bedingungen, sonst kommen die Leute auch nicht zu uns." Ob Wizz Air die von Laudamotion den Flugbegleitern gebotenen (und von Niki übernommenen) Einstiegsgrundgehälter von 959,20 Euro brutto im Monat überbieten wird, kann und will er mangels Detailwissen nicht kommentieren. (rebu, 2.3.2018)

  • Wizz Air hat große Pläne. Auch in Wien.
    foto: reuters/bernadett szabo

    Wizz Air hat große Pläne. Auch in Wien.

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