Picasso ist Umsatzkaiser der internationalen Auktionsbranche

    2. März 2018, 17:17
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    Allein in Auktionen wechselten voriges Jahr 2.813 Exponate Pablo Picassos den Besitzer und setzten 342 Millionen Euro um

    London/New York – Eine der stets dem obersten Qualitätssegment gewidmeten Abendauktionen der Moderne ohne ein Werk Pablo Picassos im Angebot? Ein auch in Hinkunft eher unrealistisches Szenario, gehört der gebürtige Spanier doch seit Jahrzehnten zu den Bestsellern auf dem internationalen Markt.

    Vergangenes Jahr wechselten etwa nur über Auktionen 2.813 Exponate, darunter auch Druckgrafiken und Keramiken, den Besitzer und generierten einen Gesamtumsatz von 342 Millionen Euro. Das bescherte dem Künstler im weltweiten Umsatzranking posthum Platz zwei – ohne den spektakulären Verkauf von Leonardo da Vincis Salvator Mundi (381 Millionen Euro) wäre ihm Platz eins sicher gewesen. So weit das Zahlenfutter der Kunstpreisdatenbank "Artprice", die nicht weniger als 60.474 Einträge zu Picasso (seit 1983) listet.

    115 Millionen innert 24 Stunden

    Auch im Zuge der diese Woche in London anberaumten Auktionen der Sparte Impressionist & Modern Art setzten die Marktführer Christie's und Sotheby's auf den Umsatzkaiser. Allein bei den Abendauktionen (27. und 28. Februar) schlugen zwölf Picasso-Verkäufe innert 24 Stunden mit umgerechnet etwas mehr als 115 Millionen Euro zu Buche. Davon profitieren auch die Erben des Künstlers in der Höhe von 155.700 Euro über die gesetzlich festgelegte Folgerechtsgebühr.

    foto: sotheby’s
    Picassos "Femme au béret et à la robe quadrillée (Marie Thérèse Walter)" aus dem Jahr 1937 war dem Kunstberatungsunternehmen Gurr Johns umgerechnet 56,66 Millionen Euro wert. Das Auktionshaus Sotheby's hatte im Vorfeld "nur" 41 Millionen Euro erwartet.

    Den Topzuschlag verzeichnete diese Woche Sotheby's: für Femme au béret et à la robe quadrillée (Marie Thérèse Walter) bei umgerechnet 56,66 Millionen Euro (49,82 Millionen Pfund, 69,2 Millionen Dollar, inklusive Aufgeld). Das Gemälde aus dem Jahr 1937 liegt damit im Ranking der zehn höchsten Auktionszuschläge für Werke Picassos auf Platz fünf (Berechnungsbasis Dollar, siehe Tabelle).

    Dokument eines Treuebruchs

    Im Vorfeld der Auktion hatte Sotheby's die Erwartungen mit etwa 41 Millionen Euro beziffert. Ein Wert, der vor allem aufgrund des Motivs beziehungsweise der im Detail verborgenen Pikanterie deutlich übertroffen wurde. Vordergründig handelt es sich um ein Porträt seiner langjährigen Geliebten Marie-Thérèse Walter, in deren Schattensilhouette jedoch eine andere, konkret Dora Maar, auftaucht.

    Die Liaison mit Maar – die bis 1943 währte, als Françoise Gilot in Picassos Leben trat – hatte zu diesem Zeitpunkt längst begonnen. "Es muss schmerzhaft sein für ein Mädchen, aus einem Gemälde zu erfahren, dass sie gerade abserviert wird", soll der Künstler der Überlieferung nach gesagt haben.

    Als Käufer machte Sotheby's Gurr Johns öffentlich, ein in den USA, Großbritannien und Indien tätiges Kunstberatungsunternehmen, das bereits am Vorabend bei Konkurrent Christie's nicht weniger als fünf Picasso-Gemälde ersteigert hatte, darunter sein Mousquetaire et nu assis für umgerechnet 15,53 Millionen Euro (13,73 Millione Pfund, 19,17 Millionen Dollar). Das Gemälde aus dem Jahr 1967 war zuletzt im Juni 2007 bei Christie's um 6,7 Millionen Pfund versteigert worden und bescherte dem europäischen Privatverkäufer demnach eine stattliche Rendite.

    Rockefeller-Picasso aus "rosa Periode"

    Der Höhepunkt der angelaufenen Saison dürfte sich im Falle Picassos jedoch mit Fillette à la corbeille fleurie (1905) anbahnen, das im Mai bei Christie's in New York zur Auktion kommt. Dieses Gemälde war zuletzt in der umfangreichen Sammlung des 2017 verstorbenen US-amerikanischen Bankiers David Rockefeller beheimatet und soll zwischen 90 und 120 Millionen Dollar einspielen.

    foto: christie’s
    Rekord ante portas: "Fillette à la corbeille fleurie" (1905) zierte zuletzt die Bibliothek in Peggy und David Rockefellers New Yorker Townhouse. Das Gemälde aus der "rosa Periode" könnte 120 Millionen Dollar (oder auch mehr) einspielen.

    Es stammt – wie auch Garçon à la pipe, das 2004 bei Sotheby's stattliche 104,16 Millionen Dollar erzielte – aus Picassos "rosa Periode" (1904–1906), in der das zuvor dominierende Blau von rosa- und orangefarbenen Tönen abgelöst wurde.

    Die erste Besitzerin war niemand Geringerer als Gertrude Stein, die das Bild (zusammen mit ihrem Bruder Leo) einst um 30 Dollar erwarb. Zuletzt schmückte dieses Meisterwerk, das sich derzeit auf Welttournee befindet (Hongkong, London, Los Angeles et cetera) die Bibliothek in Peggy und David Rockefellers New Yorker Townhouse. (Olga Kronsteiner, 2.3.2018)

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