Stahlzölle: Trump findet "Handelskriege gut und leicht zu gewinnen"

Video2. März 2018, 16:59
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US-Präsident: "Einfach nicht mehr handeln – und wir gewinnen. Das ist leicht!"

Washington – US-Präsident Donald Trump hat seine vielkritisierte Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte verteidigt. "Wenn ein Land viele Milliarden Dollar verliert durch Handel mit fast jedem Land, mit dem es Geschäfte macht, sind Handelskriege gut und leicht zu gewinnen", twitterte er am Freitag.

Wenn man etwa ein Handelsdefizit von 100 Milliarden Dollar mit einem bestimmten Land habe und dieses dann "aufmüpfig" werde, dann gelte: "Einfach nicht mehr handeln – und wir gewinnen. Das ist leicht!"

Mit seiner Ankündigung von Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte hat der US-Präsident die Angst vor einem weltweiten Handelskrieg geschürt. Die Strafzölle könnten die globalen Handelsbeziehungen beeinträchtigen, erklärte die Ratingagentur Moody's am Freitag. An den Börsen in den USA und Asien gingen die Kurse in die Knie, auch für den Dax wurden fallende Kurse erwartet.

Trump hatte sein Vorhaben am Donnerstag damit begründet, dass er die heimische Industrie wieder aufbauen wolle. Die EU kündigte umgehend eine entschiedene Gegenreaktion an. Australien warnte vor verzerrten Handelsbeziehungen, die letztlich Jobs kosten würden. Südkorea kündigte an, weiter das Gespräch mit Washington zu suchen. "Die Welt steht am Rande eines Handelskriegs", sagte der ING-Aktienexperte Robert Carnell in Singapur. "So fangen Rezessionen an."

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Christoph Varga und Peter Fritz vom ORF über die Auswirkungen der US-Strafzölle auf das internationale Wirtschaftsgefüge ("ZiB 13")

Börsen im Minus

Die Tokioter Börse büßte 2,5 Prozent ein. Sie folgte der Wall Street ins Minus. Der Dax in Frankfurt wurde zur Eröffnung ebenfalls tiefer erwartet. Die Papiere des Stahlherstellers ThyssenKrupp wurden vorbörslich um 1,7 Prozent tiefer gehandelt, Salzgitter verloren rund drei Prozent.

Moody's erklärte, es sei mit negativen Auswirkungen auf die Stahlindustrie in Asien zu rechnen. Doch auch US-Unternehmen, die auf Stahl und Aluminium angewiesen sind, müssten mit höheren Kosten rechnen. Wegen weltweiter Überkapazitäten im Stahlsektor schwelt seit Jahren ein Streit zwischen den USA, der EU und China. Trump hatte angekündigt, für Stahl einen Zoll von 25 Prozent zu erheben, für Aluminium von zehn Prozent.

"Eklatante Einmischung"

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach von einer "eklatanten Einmischung" zum Schutz der US-Industrie. In den nächsten Tagen würden Gegenmaßnahmen erarbeitet, die im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO stünden. "Wir werden nicht untätig dabeisitzen, während unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die tausende europäische Arbeitsplätze gefährden", erklärte Juncker.

Nach Angaben aus Washington und Berlin telefonierte Trump am Donnerstag mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Worum es dabei ging, wurde zunächst aber nicht mitgeteilt.

Der australische Handelsminister Steven Ciobo sagte, Zölle brächten nichts anderes als verzerrte Handelsbeziehungen. "Das führt unserer Meinung nach letztlich zum Verlust von Arbeitsplätzen." Gegenmaßnahmen bei anderen wichtigen Handelspartnern seien zu befürchten. "Das dient niemandem."

Aus dem südkoreanischen Handelsministerium verlautete, zwar sei der schlimmste befürchtete Fall nicht eingetreten – Zölle von 54 Prozent. Aber auch geringere Abgaben würden die südkoreanische Stahlindustrie beeinträchtigen.

Mexikos Stahlindustrie dagegen hatte unmittelbar nach Bekanntgabe der US-Zollpläne sofortige Gegenmaßnahmen gefordert.

Kritik vom WTO-Chef

Auch der Chef der Welthandelsorganisation (WTO) hat die angekündigten Schutzzölle kritisiert. "Ein Handelskrieg ist im Interesse von Niemandem" sagte Generaldirektor Roberto Azevedo am Freitag in Genf.

"Die WTO ist eindeutig besorgt über die Ankündigung der USA von Zöllen auf Stahl und Aluminium. Es gibt echtes Potenzial für eine Eskalation, wie die ersten Reaktionen anderer (Länder) zeigen." Die WTO beobachte die Lage sehr genau. (Reuters, APA, 2.3.2018)

  • US-Präsident Donald Trump bringt die Partner in Europa mit Plänen für neue Handelsbarrieren zum Verzweifeln.
    foto: reuters / philippe wojazer

    US-Präsident Donald Trump bringt die Partner in Europa mit Plänen für neue Handelsbarrieren zum Verzweifeln.

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