Angst vor Gewalt zwischen Rechts- und Linksextremisten in Athen

    2. März 2018, 08:09
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    Die rechtsextreme Goldene Morgenröte macht "Jagd auf Linke, Andersdenkende, Flüchtlinge und Anarchisten"

    Athen – Nach neuen Übergriffen von Mitgliedern der rechtsextremen griechischen Partei Goldene Morgenröte auf Anarchisten ist die Sorge über Vergeltungsaktionen groß. Die Situation droht angesichts mehrerer gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Linksautonomen und Rechtsextremen auf diversen Demonstrationen außer Kontrolle zu geraten.

    Die Goldene Morgenröte mache "Jagd auf Linke, Andersdenkende, Flüchtlinge und Anarchisten", sagt der Journalist Dimitris Psarras, der sich seit 27 Jahren mit der rechtsextremen Partei beschäftigt. Ohne Gewalt könne die Goldene Morgenröte gar nicht politisch agieren, so Psarras, der mehrere Bücher über die umstrittene Bewegung verfasst hat.

    Schuld sind die Regierungen

    Die neonazistische Partei sei nicht nur wegen der griechischen Wirtschaftskrise zur zeitweise drittstärksten (derzeit vierstärksten) politischen Kraft aufgestiegen. Schuld daran seien auch die Regierungen der vergangenen Jahre – sowohl Sozialisten als auch Konservative – und die Justiz, die bei der wachsenden Gewalt durch ihre Anhänger weggeschaut habe. Erst der Mord an dem antifaschistischen Rapper und Dichter Pavlos Fyssas vor mehr als vier Jahren habe die Behörden gezwungen, endlich gegen die Partei vorzugehen.

    Die Fortsetzung von Unruhen und Ausschreitungen vor allem im Zusammenhang mit Linksautonomen würden den Zielen und der Ideologie der Goldenen Morgenröte entsprechen, meint Psarras. Das bestätigt auch das Ergebnis einer Untersuchung des stellvertretenden Staatsanwalts des Obersten Gerichts, Haralambos Vourliotis. Demnach ist die Bewegung in zwei Flügel gespalten: einen politischen, der die "rechtliche Fassade" der Partei wahren soll, und einen "operativen" zum "Ausführen der Angriffe auf jene, die als Feinde der Partei gesehen werden".

    Holocaust geleugnet

    Die Mitglieder der Goldenen Morgenröte glaubten, dass jene, die "nicht der Volksgemeinschaft angehören, 'Untermenschen' sind", betont Vourliotis. Der Begriff "Untermensch" wurde maßgeblich von den Nazis im Zweiten Weltkrieg geprägt. Für die Partei würde unter diese Kategorie Ausländer, Roma, und alle, die den Ideen der Partei nicht zustimmen bzw. der Partei feindlich gesinnt sind, wie eben Linke, Anarchisten und Linksautonome, fallen, ergänzte der Jurist.

    Politiker der Goldenen Morgenröte haben wiederholt den Holocaust geleugnet. "Es gab keine Krematorien, das ist eine Lüge. Oder auch Gaskammern", sagte Parteichef Nikolaos Michaloliakos 2012 in einem national ausgestrahlten TV-Interview.

    Seit Jahresbeginn gab es bereits mehrere Ausschreitungen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den Rechtsradikalen und Linksautonomen in Griechenland. Ihren Ausgang nahmen sie bei einer nationalistischen Kundgebung in der nordgriechischen Stadt Thessaloniki zum griechisch-mazedonischen Namensstreit. Rechtsextreme Demonstrationsteilnehmer brannten dabei das historische Gebäude "Libertatia", das für mehrere Jahrzehnte leer gestanden und von Linksautonomen besetzt gehalten wurde, nieder.

    Tränengas eingesetzt

    Die Aktion löste Ärger und Wut bei den Linksautonomen aus, die umgehend Racheakte ankündigten. So fanden tags darauf Demonstrationen gegen Neonazis in mehreren griechischen Städten statt, die wiederum zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizeikräften geführt hatten. Auch bei einem zweiten Protest zum Namensstreit, bei dem zehntausende Nationalisten gegen einen Kompromiss im Konflikt um den künftigen Namen des Nachbarlands Mazedonien demonstrierten, kam es zu Rangeleien mit Linksextremen, die eine Gegendemonstration organisiert hatten. Die Polizei setzte Tränengas ein.

    Der letzte Vorfall endete blutig: Bei einem Angriff von acht mutmaßlichen Mitgliedern der Neonazi-Partei auf ein Antifa-Zentrum in der Hafenstadt Piräus wurden mindestens fünf Menschen verletzt. Linksautonome reagierten ihrerseits mit Angriffe auf die Bürozentrale der Goldene Morgenröte in Piräus, auch die Büros der Partei in Heraklion auf der Insel Kreta wurden zerstört. (APA, 2.3.2018)

    • Unterstützer der rechtsradikalen Goldenen Morgenröte. Die Partei macht Jagd auf angebliche "Untermenschen".
      foto: apa / afp / angelos tzortzinis

      Unterstützer der rechtsradikalen Goldenen Morgenröte. Die Partei macht Jagd auf angebliche "Untermenschen".

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