Chinesische Turbulenzen in Wirtschafts-Deutschland

1. März 2018, 18:52
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Deutschland überlegt Maßnahmen gegen Übernahmen aus dem Fernen Osten

Wien – Deutsche Unternehmen stehen auf der Einkaufsliste chinesischer Investoren nach wie vor ganz oben. Vor allem Maschinen- und Anlagenbau, Autozulieferer und Umwelttechnik erfreuen sich großer Beliebtheit. Denn in diesen Branchen gilt Deutschland weltweit als führend. Bei zwei Aushängeschildern der größten Volkswirtschaft Europas stammt der jeweils größte Einzelaktionär aus dem Fernen Osten: Autobauer Daimler und die Deutsche Bank.

Multimilliardär und Gründer des chinesischen Autokonzerns Geely Li Shufu stieg kürzlich mit knapp zehn Prozent beim Mercedes-Hersteller ein. Daimler-Chinavorstand Hubertus Troska hat den Einstieg des neuen chinesischen Großaktionärs begrüßt.

Ganz so glücklich zeigt man sich von politischer Seite in Deutschland nicht. Der Ausverkauf deutscher Technologien bereitet der Bundesregierung Sorgen. Sowohl der Wirtschafts- als auch der Finanzausschuss des Bundestages diskutierten, ob die geltenden Transparenzauflagen noch ausreichen. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hatte die Sorge geäußert, dass mit einem Geely-Vertreter im Aufsichtsrat ein Konkurrent von Daimler Einblick in die Strategie des Unternehmens bekommen könnte.

Verschärftes Vetorecht

Außerdem wird seit Sommer eine Verordnung diskutiert, die der Bundesregierung verschärfte Vetorechte beim Verkauf deutscher Firmen an nicht-europäische Erwerber einräumt. Auslöser für diese industriepolitische Wende Deutschlands war der Verkauf des Roboterherstellers Kuka an den Haushaltsgerätehersteller Midea. Ex-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) war zwar kategorisch dagegen, für ein Veto gab es aber keine Grundlage. In den USA hat eine derartige Regelung bereits mehrere Übernahmen US-amerikanischer Firmen durch Chinesen verhindert.

Auch bei der Deutschen Bank spielt China keine unwesentliche Rolle. 2017 kaufte der chinesische Mischkonzern HNA die österreichische Vermögensverwaltungsfirma C-Quadrat. Über diese ist HNA an der Deutschen Bank beteiligt. Der Großaktionär dürfte aber offenbar in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Erst kürzlich verringerte die HNA den ursprünglichen Anteil von 9,9 Prozent auf 8,8 Prozent. Einen befürchteten Ausverkauf dementierte das Unternehmen allerdings.

Deutschland war 2017 das attraktivste Investitionsziel für die Chinesen. 54 Unternehmen im Gesamtwert von rund 14 Milliarden Euro wurden übernommen. Auch wenn der Trend etwas nachließ, denn 2016 waren es noch 68 Transaktionen. (and, 2.3.2018)

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