Iran ringt mit sich: Rücktritt als Fortschritt

Kommentar1. März 2018, 17:16
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Die Frage ist, wen Rasoul Khadem Azghadi mit seinem Rücktritt beeindrucken will und kann

Rasoul Khadem Azghadi hat ein Zeichen gesetzt. Der legendäre iranische Ringer, der 1996 der erste Olympiasieger der Islamischen Republik und später erfolgreicher Trainer war, erklärte seinen Rücktritt als Verbandspräsident. Auch weitere hochrangige Funktionäre legten ihre Funktionen zurück. Es ist nicht ganz klar, gegen wen oder wogegen sie protestieren. Der Funktionär Khadem gilt als konservativ. Doch der Sportsmann Khadem findet sich nicht mehr damit ab, dass iranische Ringer – und Trainer – immer wieder gesperrt werden, wenn sie Kämpfen mit israelischen Ringern aus dem Weg gehen, sei es durch absichtliche Niederlagen in der Runde davor, sei es durch Ausreden auf angebliche Verletzungen.

Alireza Karimi hatte bei der U23-WM 2017 auf Geheiß seiner Betreuer als Titelfavorit verloren und so ein Duell mit einem Israeli vermieden. Kürzlich wurde er für sechs Monate gesperrt. Das war der Schwall, der für Khadem das Fass zum Überlaufen brachte. Er beklagt natürlich zu Recht, dass Sportler, die sich "jahrelang vorbereiten", zum Handkuss kommen und um Prämien umfallen.

Die Frage ist, wen Khadem beeindrucken will und kann. Zu glauben, dass die maßgeblichen Kräfte im Iran sich des Sports wegen zu einer völlig neuen Haltung gegenüber Israel entschließen, wäre naiv. Doch die Hoffnung, dass dem mit sich ringenden Land im Sport eine Stütze erwächst, mag nicht zu weit hergeholt sein. (Fritz Neumann, 1.3.2018)

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