Schwere Kontrolle

Kolumne1. März 2018, 17:09
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Wenn Message-Controlling zu einer zentralen Regierungsaktivität aufsteigt, ist die beabsichtigte Hauptwirkung schon verpufft

Es ist der Pallawatsch um das Rauchverbot, der die Anstrengungen der Regierung, die öffentliche Meinung in ihrem Sinn zu lenken, erst in Erinnerung ruft und dann an ihre Vergeblichkeit erinnert. Es bleibt der Koalition Kurz-Strache vorbehalten, den Wunsch jeder Obrigkeit nach einer Kontrolle der dem Volk zugebilligten Information in die Nähe des Wahns zu rücken, allerdings ohne dessen Früchte bisher so richtig genießen zu können. Wenn Message-Controlling systematisch und offen zelebriert zu einer zentralen Regierungsaktivität aufsteigt, ist die beabsichtigte Hauptwirkung – Glaubwürdigkeit von oben herab sicherzustellen – schon verpufft. Der Journalist, die Journalistin, die Information nicht von Informationsmanagement unterscheiden können, hätten ihren Beruf verfehlt. In der Regel können sie es, merken die Absicht und sind gelangweilt.

Die öffentliche Meinung im Regierungssinn zu lenken, bedürfte es schon mehr als straffer Kontrolle. Eine überzeugende Persönlichkeit an der Spitze wäre da ein Vorteil. Das hat unter Kreisky lange funktioniert, und dessen urbanes Pressefoyer hat sich deutlich vom gegenwärtigen Abklatsch unterschieden. Kurz und Strache halten sich einer solchen Form des Gesprächs offenbar nicht für gewachsen, und ihren Ministern legen sie vorsichtshalber die Kandare an. Sie werden wissen, warum, stellen ihrer Personalauswahl damit aber kein überragendes Zeugnis aus. Gemeinsame Auftritte der beiden, bei denen der Kanzler schönreden muss, was sein Vize schon wieder satirisch verbockt hat, wo er ihn lieber unter Kuratel stellen würde, erlangen allmählich Kabarettreife. Da hilft keine Message-Control.

Und sie hilft auch nicht, wenn dem Informationsmanagement das mitreißende Substrat fehlt. Vom Sessel gerissen hat das Evangelium der Woche, das Nulldefizit im Jahr 2019, niemanden so richtig. Die Assoziation dazu war der ominöse Satz: Ein guter Tag beginnt mit einem sanierten Budget. Ob sie beabsichtigt war, darf bezweifelt werden, dem Finanzminister hat man damit auch deshalb keinen Gefallen getan, weil sein Nulldefizit, wenn überhaupt, unter ähnlich prekären Umständen zustande kommen dürfte wie jenes seines Vorgängers. Wäre es anders, hätte ihn ein gutes Informationsmanagement als Zauberer verkaufen müssen. Dabei konnte es nicht einmal verhindern, dass der Ökonom Strache die Sache wieder ins Lächerliche gezogen hat mit seinem Rat: "Man kann nicht mehr ausgeben, als man hat, das weiß jede Hausfrau."

Der war bisher auch sonst der Sargnagel jeglichen seriösen Informationsmanagements. Nicht nur wegen seines Wandels im blauen Dunst, sondern auch im braunen. Das Regierungsproblem seiner Partei aus der Welt zu schaffen bedürfte etwas mehr als der Aufarbeitung ihrer Geschichte im eigenen Saft und unter Schonung ihrer antisemitischen Relikte. Medienkontrollore der Regierung, die ihr Geld wert sind, sollten diese Arbeit nicht den Burschenschaften überlassen. Man will schließlich an Taten gemessen werden, und das sollte wichtig genug sein, damit nicht so lange zu warten, bis sie den ORF zum Schuhlöffel gemacht haben. (Günter Traxler, 1.3.2018)

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