Schüttere Kulissen, Favoritensiege und eine Zitterpartie

    1. März 2018, 15:09
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    Frostige Temperaturen sorgten für Zuschauermangel und Negativrekorde im ÖFB-Cup – Favoriten allesamt im Semifinale, nur Rapid benötigte eine Portion Glück und die Mithilfe von Schiri Hameter

    Wien – Die aktuell vorherrschenden frostigen Temperaturen in Österreich haben im ÖFB-Fußball-Cup für leere Ränge gesorgt. Die Dienstag und Mittwoch ausgespielten Viertelfinal-Partien fanden durchwegs vor schütteren Kulissen statt. Negativrekorde standen bei Titelverteidiger Salzburg und Rapid zu Buche. In Summe kamen zu den vier Spielen nur etwas mehr als 12.000 Besucher.

    Minusrekorde

    Mit 7.200 Zuschauern war Rapid gegen Ried die bestbesuchte Partie. Für die Hütteldorfer bedeutete dies dennoch den schlechtesten Besuch im 2016 eröffneten Allianz Stadion. In Wals-Siezenheim kamen bei Salzburgs Auftritt gegen Austria Klagenfurt nur 1.536 und damit ebenfalls so wenige wie noch nie bei einem Heimspiel des Serienchampions in der Red-Bull-Ära.

    2.811 in Liebenau weilende Fans vermeldete Sturm im Heimspiel gegen Wimpassing, nur rund 500 waren es am Dienstag bei Mattersburg gegen Hartberg. In der Bundesliga-Historie der Burgenländer hatten sich noch nie so wenige Zuschauer im Pappelstadion eingefunden.

    Nichtsdestotrotz haben die Favoriten allesamt den Einzug ins Semifinale geschafft. Nach Mattersburg am Dienstag gegen Hartberg gelang am Mittwoch auch Sturm gegen Wimpassing und Red Bull Salzburg gegen Austria Klagenfurt der problemlose Aufstieg, nur Rapid hatte gegen Ried eine Zitterpartie zu absolvieren.

    Das Glück als Vogerl

    Bei Temperaturen um minus zehn Grad lagen die Hütteldorfer im Allianz Stadion zur Pause 0:1 zurück und hatten bei drei Topchancen der Innviertler Glück, nicht das zweite Gegentor zu kassieren. Erst im Finish drehten Joelinton per Elfmeter und Giorgi Kvilitaia binnen 87 Sekunden die Partie. "Der Glücklichere hat gewonnen", resümierte Rapid-Trainer Goran Djuricin und meinte außerdem: "Heute ist das Glück zurückgekommen, das wir davor nicht gehabt haben."

    Der 43-Jährige war mit der Leistung seiner Mannschaft in der ersten Hälfte unzufrieden, sah aber nach dem Seitenwechsel eine Steigerung. "Spielerisch war die zweite Hälfte voll in Ordnung." Die drei hochkarätigen Chancen des Tabellenführers der Erste Liga begründete Djuricin mit dem verstärkten Offensivdrang von Rapid. "Dass man da in zwei, drei Konter läuft, ist fast normal."

    Da die Rieder ihre Gelegenheiten teilweise stümperhaft vergaben, verpassten die Oberösterreicher den vierten Sieg im vierten Cup-Duell mit den Grün-Weißen. So gab es ein aus der Bundesliga gewohntes Resultat: Die Innviertler haben in 40 Meisterschafts-Auswärtsspielen gegen Rapid nämlich nie gewonnen.

    Hadernder Ried-Coach Chabbi

    Auch diesmal gab es für Ried im Westen Wiens nichts zu holen – sehr zum Ärger von Coach Lassaad Chabbi. "Wir hätten 3:0 oder 4:0 führen können", klagte der 56-Jährige und beschwerte sich über den Hand-Elfmeter für Rapid. "Den hat nur der Schiri gesehen." Diese Entscheidung leitete das Ende aller Rieder Aufstiegsträume ein.

    Der Zweitligist hatte Rapid zumindest bis zu diesem Zeitpunkt voll gefordert, was laut Djuricin auch an einem zusätzlichen Regenerationstag für die Gäste lag. Zudem ortete der Wiener bei manchen Spielern zusätzlichen Druck aufgrund der Favoritenrolle. Am Ende aber zähle nur der Sieg. "Ich möchte nichts schönreden, doch im Cup ist das einzig Wichtige, zu gewinnen." Seine Mannschaft sei "körperlich und mental top" gewesen, beteuerte der Hütteldorfer Trainer.

    Mit Erfolgserlebnis zum Schlager nach Salzburg

    An den souveränen Auftritt gegen den LASK vier Tage zuvor vermochten Djuricins Kicker jedoch nicht anzuschließen. "Ried ist für mich eine Bundesliga-Mannschaft. Aber dass wir nicht wie Barcelona gespielt haben, gebe ich zu." Am Sonntag beim Auswärtsmatch gegen Salzburg wird eine Steigerung vonnöten sein. "Jeder Sieg gibt Selbstvertrauen. Wir wissen, wenn wir alles reinhauen, ist viel möglich", zeigte sich Djuricin für den Schlager optimistisch.

    Nimmersatte Bullen

    Die Salzburger präsentierten sich beim Heim-7:0 gegen den Regionalligisten Austria Klagenfurt einmal mehr blendend in Schuss, fuhren ihren 28. Cup-Sieg in Folge ein und sind schon seit 29 Pflichtspielen ungeschlagen. "Letztendlich ist das die Konsequenz der harten Arbeit. Wir haben auch heute gezeigt, dass bei uns schwer etwas zu holen ist", erklärte Coach Marco Rose.

    Der Deutsche setzte wieder auf Rotation. Ein Qualitätsverlust war nicht zu bemerken, auch wenn der Drittligist kein Maßstab mit Blick auf die kommenden Aufgaben sein darf. Nach Rapid wartet in der Europa League der Auftritt bei Borussia Dortmund. "Es war für uns das Beste, wieder zu spielen, um dem Trainer zu beweisen, dass er auf uns bauen kann", sagte Patrick Farkas. Zur Tatsache, dass Salzburg auch gegen Klagenfurt über 90 Minuten Druck aufbaute, meinte der Torschütze: "Das zeigt, dass wir einfach eine hungrige Mannschaft sind."

    Befreiungsschlag und Problem für Sturms Vogel

    Sturm Graz durfte mit dem 3:0 vor eigenem Publikum gegen den burgenländischen Landesligisten Wimpassing den ersten Sieg im fünften Match unter Heiko Vogel bejubeln. "Die Mannschaft hat die Favoritenrolle hervorragend gelöst", meinte der Deutsche. Er habe seine Zuversicht auch nach den Niederlagen in der Liga nicht verloren.

    Nach dem Schlusspfiff entschuldigte sich Vogel dezidiert für seine Wortmeldung, wonach es gegen Wimpassing "um Leben und Tod" gehe. "Ich denke, ich bin ein halbwegs reflektierter Mensch und möchte mit dieser Aussage niemandem, für den es wirklich um Leben und Tod geht, zu nahe treten", hielt der 42-Jährige fest.

    Gegen Wimpassing gelang Sturm durch Philipp Huspek ein Start nach Maß, der Flügelspieler traf schon in der 2. Minute. Die Grazer ersparten sich damit ein Geduldsspiel gegen die auf eine kompakte Abwehr setzenden Gäste. "Wir hätten generell mehr Tore schießen müssen. Wichtig ist das Weiterkommen, und dass wir mit diesem Sieg wieder Sicherheit gewonnen haben", erklärte Torschütze Huspek nach der Partie.

    Sport-Geschäftsführer Günter Kreissl hielt mit Blick auf die frostigen Temperaturen trocken fest: "Wir haben die Pflicht unter schwierigen äußeren Bedingungen erfüllt." Praktisch im selben Atemzug nahm Kreissl die anstehenden Aufgaben ins Visier. In der Liga warten auf Sturm nun Auswärtsantritte beim LASK und der Admira. "Wir sind in den nächsten zwei Spielen in der Pflicht, Resultate zu bringen", forderte der Sportchef.

    Auslosung am Sonntag

    Die Halbfinalisten erfahren ihre Semifinal-Gegner am kommenden Sonntag bei der Auslosung im Rahmen der ORF-Sendung "Sport am Sonntag", Spieltermine sind der 17. und 18. April. Das Finale steigt am 1. Mai im Klagenfurter Wörthersee-Stadion. (APA, red, 1.3.2018)

    • Salzburgs Cheftrainer Marco Rose (li) sowie seinen Assistenten Alexander Zickler (Mitte) und Rene Aufhauser wurde der frostige Abend mit einem Schützenfest versüßt.
      foto: apa/krugfoto

      Salzburgs Cheftrainer Marco Rose (li) sowie seinen Assistenten Alexander Zickler (Mitte) und Rene Aufhauser wurde der frostige Abend mit einem Schützenfest versüßt.

    • Die Grün-Weißen wankten, aber fielen nicht.
      foto: apa/herbert pfarrhofer

      Die Grün-Weißen wankten, aber fielen nicht.

    • Für Sturms Trainer Heiko Vogel gab es endlich ein Erfolgserlebnis aber auch Ärger.
      foto: apa/erwin scheriau

      Für Sturms Trainer Heiko Vogel gab es endlich ein Erfolgserlebnis aber auch Ärger.

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