Klage: Googles "Macho-Kultur" führt zu sexueller Belästigung

    9. März 2018, 16:53
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    Eine ehemalige Mitarbeiterin gibt an, Opfer von "lüsternen Kommentaren, Streichen und physischer Gewalt" gewesen zu sein und klagt.

    Die ehemalige Software-Entwicklerin von Google, Loretta Lee, klagt den Konzern wegen sexueller Belästigung, Geschlechterdiskriminierung und unrechtmäßiger Beendigung der Arbeitsverhältnisse. Seit dem sexistischen Memo von James Damore soll es einen Umschwung bei Google in der Handhabung mit Diskriminierungsproblemen geben und im Moment eher weiße Männer schützen.

    Ohrfeige vom Kollegen

    Der Techblog Gizmodo berichtete zuerst über den Fall. Demnach arbeitete Loretta Lee von 2008 bis 2016 als Softwareentwicklerin für Google und war mit "lüsternen Kommentaren, Streichen und physischer Gewalt" beim Arbeitsplatz konfrontiert. Des Weiteren sollen ihre männlichen Kollegen Nerf-Bälle auf sie geschmissen haben und sie bekam bei einer Party eine Ohrfeige von einem Kollegen unter Alkoholeinfluss.

    Der größte Schock für Lee war jedoch der Kollege unter ihrem Tisch, als sie von einer Mittagspause zurückkehrte. Bis heute vermutet sie, dass dieser eine Kamera oder Ähnliches dort installierte.

    Beschuldigung führt zur Ausgrenzung

    Dem Gerichtsverfahren zufolge habe die Personalabteilung Lee dazu gedrängt, eine formelle Beschwerde abzugeben. Diese zögerte mit dem Schritt, aus Angst, ihre Kollegen würden sie aufgrund dessen ausgrenzen. Eine Befürchtung, die sich bewahrheitete, nachdem die Beschwerde einging.

    Kündigung wegen mangelhafter Leistung

    In der letzten Zeit bei Google wurden ihre Codes von den Kollegen nicht mehr genehmigt. Projekte von Lee wurden zurückgehalten und schlussendlich folgte eine Kündigung wegen mangelhafter Leistung. Ein Phänomen, auf das die Technologie-Investorin Ellen K. Pao in einem Tweet hinwies:

    Pao selbst verlor 2015 ein hochrangiges Gerichtsverfahren gegen sexuelle Diskriminierung.

    Ein Google-Pressesprecher soll in Bezug auf die Klage gesagt haben, dass der Konzern Beschwerden sehr ernst nehme und auch nicht vor Kündigungen zurückschrecke. Bei Lee scheint es aber zu keiner Untersuchung gekommen zu sein und damit ist sie kein Einzelfall.

    Memo schafft Umdenken

    Laut Gizmodo gab es bei Google ein Umdenken in der Handhabe von Beschwerden, als der damalige Angestellte James Damore in einem Memo behauptete, dass Frauen aus biologischen Gründen weniger erfolgreich in technischen Arbeiten wären als Männer und Google eine falsche Herangehensweise bei Diversität habe.

    Damore wurde gekündigt und startete gleichzeitig eine Diskussion bei seinem Ex-Arbeitgeber. Mitarbeiter berichten von negativen Konsequenzen, wenn sie sich für Diversität aussprechen. Gleichzeitig sollen jedoch konservative Beschwerden mehr an Aufmerksamkeit gewinnen.

    Weiße Männer werden unterstützt

    Der Software-Entwickler Tim Chevalier wurde im November 2017 bei Google gefeuert, nachdem er sich intern gegen Rassismus und Sexismus aussprach und dies in diversen Memes darstellte. Bei einer Untersuchung des Konzerns kam man zum Ergebnis, dass diese diskriminierend gegenüber weißen Männern seien. Auch Chevalier klagt nun den Konzern.

    Laut Gizmodo reagierte ein Pressesprecher von Google auf Chevaliers Gerichtsverfahren mit einem allgemeinen Statement. Demnach werden "alle Diskriminierungen" begutachtet, egal in welche Richtung. (sem, 8.03.2018)

    • Die ehemalige Software-Entwicklerin Loretta Lee klagt Google wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und behauptet, der Konzern würde dies durch seine "Macho-Kultur" forcieren.
      foto: apa/afp/pau barrena

      Die ehemalige Software-Entwicklerin Loretta Lee klagt Google wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und behauptet, der Konzern würde dies durch seine "Macho-Kultur" forcieren.

    • James Damore wurde von Google gefeuert, nachdem er ein sexistisches Memo schrieb. Seitdem soll der Konzern die Rechte von weißen Männern mehr beachten.
      foto: ap

      James Damore wurde von Google gefeuert, nachdem er ein sexistisches Memo schrieb. Seitdem soll der Konzern die Rechte von weißen Männern mehr beachten.

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