Medikament gegen Prostatakrebs: Zwei Jahre länger leben

    1. März 2018, 11:04
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    Apalutamide verzögert Metastasierung und verlängert das Leben um rund zwei Jahre. Das sind die Ergebnisse einer Studie unter Beteiligung der Med-Uni Wien

    Wien – Apalutamide ist ein neues Therapeutikum zur Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakrebs. Der Wirkstoff verlängert das Überleben um mehr als zwei Jahre, lautet das Ergebnis einer internationalen Studie unter Beteiligung der Med-Uni Wien, die jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden.

    Bei Apalutamide handelt es sich um einen nicht-steroidalen Hemmer der nächsten Generation, der das durch das männliche Sexualhormon Testosteron angeregte Prostatatumorwachstum bremst. "Apalutamide wird eingesetzt, wenn Prostatakarzinomzellen in anderen Teilen des Körpers zwar noch nicht entdeckt wurden, aber eine Hormontherapie bzw. eine chirurgische Behandlung nicht ausreicht, um die weitere Tumorentwicklung zu verhindern", erklärt Michael Krainer von der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien.

    Es ist das erste und bis jetzt einzige von der US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigte Medikament zur Behandlung von Männern mit nicht metastasiertem Prostatakarzinom, das auf üblichen Hormonentzug (medikamentöse oder chirurgische Kastration) nicht mehr anspricht.

    Mediziner spricht von einem "neuen Meilenstein"

    An der sogenannten Spartan-Studie nahmen insgesamt 1.207 Männer teil. Weltweit wurde Spartan in Nordamerika, Australien, Russland, Asien und europäischen Ländern durchgeführt. Patienten erhielten im Verhältnis 2:1 entweder Apalutamide in Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) oder Placebo in Kombination mit einer ADT. Die Studie zeigte, dass gegenüber der Placebogruppe das Tumorwachstums- und Todesrisiko der Betroffenen um 72 Prozent gesenkt und die Metastasierung um 24,3 Monate verzögert werden konnte.

    In der EU wurden 2015 bei 365.000 Männern Prostatakrebs diagnostiziert. Es ist weltweit die zweithäufigste Krebsart unter Männern. Patienten mit hormon-resistentem Prostatakrebs benötigen zusätzliche Behandlungsoptionen. US-amerikanischen Schätzungen zufolge gelten innerhalb von fünf Jahren zehn bis 20 Prozent aller Prostatakarzinome als kastrationsresistent.

    Seit dem Jahr 2002 begleiten Michael Krainer und sein Team an der MedUni Wien die Entwicklung eines breiten Spektrums an Prostatakrebstherapien, von Chemo- über Hormon- bis zur Immuntherapie. Anlässlich der Zulassung von Apalutamide betonte Krainer, man habe "einen neuen Meilenstein gesetzt". In weiteren Projekten wird die Arbeitsgruppe zusätzlich Prostatakrebs mittels moderner molekular genetischer Verfahren klassifizieren, um den Betroffenen weitere Therapiemöglichkeiten anzubieten. (APA, red, 1.3.32018)

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