Studie: Frauen legen immer mehr auf die hohe Kante

    3. März 2018, 11:00
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    Viele Frauen halten sich finanziell für abhängig von ihren Männern, etwas mehr als die Hälfte der Österreicherinnen plagen Geldsorgen

    Wien – Die abnehmende Einkommensschere in Österreich ermöglicht es Frauen, mehr Geld auf die hohe Kante zu legen. Waren es im Jahr 2014 bloß 174 Euro, die sie im Durchschnitt monatlich sparen konnten, sind es heuer bereits 220 Euro. Allerdings zeigt eine Studie der Erste Bank anlässlich des nahenden Weltfrauentags am 8. März, dass Männer immer noch mehr finanzielle Luft haben, um sich etwas auf die Seite zu legen. Sie kommen auf einen monatlichen Sparbetrag von 269 Euro, das sind um 22 Prozent mehr. Dennoch kommt Karin Kiedler, Leiterin Marktforschung der Erste Bank, zu dem Fazit, dass Frauen tendenziell "immer unabhängiger werden."

    Insgesamt 36.120 Euro verdienen Frauen laut Statistik Austria als Medianwert des Jahresbruttoeinkommens, Männer allerdings immer noch um 19 Prozent mehr. Diesen Unterschied führt Kiedler zum Teil auch darauf zurück, dass 48 Prozent der berufstätigen Frauen nur Teilzeitjobs ausüben. Folglich fühlen sich sieben von zehn Frauen vom Hauptverdiener Mann dahingehend abhängig, dass es ihnen alleine nicht möglich wäre, den Lebensstandard zu halten. "Es ist aber eine Tatsache, dass die meisten Frauen gerne unabhängig wären", gibt Kiedler zu bedenken. Konkret geben 79 Prozent der befragten Frauen an, dass ihnen Eigenständigkeit in Geldfragen wichtig wäre.

    Sparbuch weniger attraktiv

    Auffallend ist beim Anlageverhalten, dass das Sparbuch wegen der andauernden Zinsflaute unabhängig vom Geschlecht deutlich an Attraktivität verloren hat. Gaben vor vier Jahren noch 82 Prozent an, dass sie ein Sparbuch für eine interessante Anlageform halten, sind es aktuell nur noch 67 Prozent. Noch stärker ist übrigens der Rückgang bei Männern ausgefallen, sodass nun bei beiden Geschlechtern Bausparen die beliebteste Anlageform ist. Eher wenig Veränderung gab es bei Lebensversicherungen.

    Deutlich zugenommen hat die Attraktivität von Immobilien, Gold sowie von Wertpapieren wie Aktien, Anleihen oder Fonds. Letztere sind allerdings bei Männern mit einer Zustimmung von 54 Prozent deutlich beliebter als bei Frauen mit 34 Prozent. "Es ist ein Fehler, mittel- und langfristig nicht in Wertpapiere zu veranlagen, um eine höhere Verzinsung zu erzielen", gibt Kiedler in diesem Zusammenhang zu bedenken.

    foto: apa/helmut fohringer
    Einen Notgroschen zu haben, ist für die Österreicher die Stärkste Motivation, etwas Geld zur Seite zu legen.

    Stärkste Antriebsfeder hinter dem Sparverhalten ist für fast drei Viertel der befragten Frauen und Männer, einen Notgroschen zu haben. Sieben von zehn sparen für eine finanzielle Absicherung im Alter und etwas mehr als die Hälfte, um größere Anschaffungen stemmen zu können. Im Gegenzug ist der Verlust von Einkommen die größte Geldsorge, wobei diese bei Frauen mit 42 Prozent stärker als bei Männern mit 36 Prozent ausgeprägt ist. Auch hohe Kreditraten, hohe unerwartete Kosten und Krankheit sorgen bei beiden Geschlechtern für Kopfzerbrechen. Unterm Strich geben 56 Prozent der Frauen an, generell von Geldsorgen geplagt zu werden.

    Haussegen hängt schief

    Und wie ist es um den Haussegen in Zusammenhang mit Geldfragen bestellt? "Da gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten", drückt es Kiedler diplomatisch aus. Konkret fliegen in jedem fünften Haushalt regelmäßig die Fetzen, und ein knappes Drittel streitet deshalb gelegentlich. Für den Rest, also annähernd jedes zweite Paar, stellt dies generell kein Problem dar.

    Wenig überraschend fallen die Träume aus, die im Fall eines unerwarteten Geldsegens erfüllt würden, nämlich bei Frauen ist es der Wunsch, Geld für Reisen, Wohnen sowie Kinder und Enkerln zu haben. Statt des Nachwuchses rückt bei Männern das Auto in die Top drei der Wunschliste auf. (Alexander Hahn, 1.3.2018)

    Was Finanzberater Frauen beim Umgang mit Geld empfehlen

    Im Vorfeld des Weltfrauentags am 8. März will der heimische Verband Financial Planners damit aufräumen, dass Finanzen Männersache sind. Dazu legt er Frauen einige Grundregeln in Sachen Geld und Anlage nahe. Dabei möchte der Verband auf jene Problemstellungen eingehen, die ihm zufolge speziell Frauen in Geldangelegenheiten begegnen.

    · Rollenbilder abwerfen "Frauen können viel besser mit Geld umgehen, als sie vielleicht glauben", erklärt Verbandsvorständin Sonja Ebhart-Pfeiffer. "Sie informieren sich in finanziellen Angelegenheiten besser als Männer und halten an ihren Entscheidungen fest, während Männer ihr Wissen öfter überschätzen und auch höhere Risiken eingehen." So würden Anlegerinnen dadurch das Risiko senken, indem sie in Fonds investieren, während sich Männer durch den Kauf von Aktien ein höheres Risiko aufhalsen würden.

    · Öfter Gehalt verhandeln Frauen verdienen in Österreich im Mittel weniger. Ein Indikator dafür ist der sogenannte Equal Pay Day, der in Österreich heuer auf den 27. Februar gefallen ist. Das bedeutet, dass Männer de facto in zehn Monaten so viel wie Frauen in einem ganzen Jahr verdienen. Dennoch können Arbeitnehmerinnen ihre Einkommenssituation individuell aufbessern, indem sie aktiv nach einer Gehaltserhöhung fragen, wobei Anlässe wie größere Verantwortung oder gelungene Projekte genutzt werden sollten.

    · Teilzeitfalle vermeiden Kinderbetreuung ist in Österreich hauptsächlich Frauensache, und daher wundert es Ebhart-Pfeiffer nicht, dass viele Teilzeitjobs auf Frauen entfallen: "Eine Führungsposition einzunehmen ist bei Teilzeitarbeit nur selten möglich, und vor allem gibt es negative Spätfolgen in der Pension." Daher bringt sie folgende Alternative ins Spiel: Je nach Job kann man die Arbeit teilweise abends von zu Hause aus erledigen, um auf Vollzeit zu kommen.

    · Langfristig planen "Entscheidend ist es, dass Klarheit über die Einnahmen herrscht", betont Ebhart-Pfeiffer. Davon sind Fixkosten und andere Ausgaben abzuziehen, um die mögliche Sparrate festzulegen. Dieses Geld sollte übrigens gleich zu Monatsbeginn auf die hohe Kante gelegt werden, rät die Expertin. (aha, 3.3.2018)


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