Berlusconi und Grillo: Fernduell der unwählbaren Vorbestraften

1. März 2018, 06:03
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Silvio Berlusconi und Beppe Grillo können wegen juristischer Kalamitäten ihre Parteien nur ideell unterstützen

Bei allem, was sie trennt: Was Beppe Grillo und Silvio Berlusconi vereint, ist eine zutiefst empfundene Abneigung füreinander – und die Tatsache, dass sie beide zwar die Fahnenträger ihrer Parteien in diesem italienischen Wahlkampf sind, aber selber nicht zur Wahl stehen – weil sie es gar nicht dürfen.

Berlusconi, der Mailänder, der in den 1970er-Jahren zunächst als Bauunternehmer mit dubiosem Startkapital Karriere machte, ist seit seiner Verurteilung wegen Steuervergehen mit dem Verbot belegt, ein öffentliches Amt zu bekleiden. Dieses gilt bis Ende 2019.

Der ehemalige Ministerpräsident (1994 bis 1995, 2001 bis 2005, 2005 bis 2006 und 2008 bis 2011) war 2013 wegen Steuerbetrugs letztinstanzlich zu vier Jahren Haft und sechs Jahren Ämterverbot verurteilt worden. Folgerichtig wurde er auch als Senator ausgeschlossen.

Doch Berlusconi werkte unverdrossen weiter an seiner politischen Karriere. Er präsentierte eine um fünf Jahrzehnte jüngere Frau als neue Lebenspartnerin und ließ sich als batzweicher Tierfreund mit einem schneeweißen Lämmchen fotografieren. Und er ließ die Zeit für sich arbeiten, auf dass Italien die "Bunga Bunga"-Partys vergessen – oder zumindest verzeihen – möge.

Konsequente PR-Arbeit

Es scheint zu funktionieren: Der bis zum Exzess geliftete 82-Jährige, der sich für sein Leben gern als "Cavaliere" (Ritter) ansprechen lässt, liegt im italienischen Politikerranking wieder im guten Mittelfeld. Im Wahlkampf drehte sich bei seiner Partei Forza Italia alles nur um ihn. "Berlusconi Presidente" wurde allüberall promotet. Und der tatsächliche Spitzenkandidat der konservativen Partei? Welcher Spitzenkandidat?

Geradezu verschmolzen mit seiner Fünf-Sterne-Bewegung ist auch der ehemalige Starkomiker Beppe Grillo. Auch er steht nicht zur Wahl, dennoch ist er das Zugpferd der Protestpartei schlechthin. Ohne den 69-jährigen Genueser hätten die "Grillini" nicht einmal ihren niedlichen Namen.

1981 verschuldete Grillo einen Autounfall, bei dem drei mitfahrende Freunde starben: Auf einer vereisten Bergstraße kam sein Geländewagen ins Rutschen. Er konnte sich noch retten, während die Freunde in die Tiefe stürzten. Als Vorbestrafter – das erklärte Grillo schon vor Jahren – werde er nie zu Wahlen antreten. Was ihn aber nicht hindert, alle seine Gegner als Kriminelle zu titulieren und Stimmen zu sammeln. (Gianluca Wallisch, 1.3.2018)

Bericht in der Tageszeitung "La Stampa" vom 9. April 1988 über die rechtsgültige Verurteilung Beppe Grillos wegen fahrlässiger Tötung: PDF oben rechts

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