Zwischen Kaiserschnitt und Hausgeburt: ORF-"Schauplatz" begleitet zwei Geburten

    Ansichtssache1. März 2018, 07:00
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    Die Sendungsmacher Julia Kovarik und Max Hartmann über die Suche nach Müttern, Notlügen für den Wunschkaiserschnitt und warum das Thema Geburt oft so emotional diskutiert wird

    Wien – "Ich möchte einen Kaiserschnitt, denn vor den Schmerzen bei einer normalen Geburt habe ich viel zu viel Angst", erzählt Jessica G. in "Am Schauplatz" am Donnerstag, 21.05 Uhr in ORF 2. Julia Kovarik und Max Hartmann haben für die Sendung zwei Frauen während ihrer Geburt begleitet und waren bei einem Wunschkaiserschnitt und einer Hausgeburt dabei.

    "Es war sehr schwierig, Frauen zu finden, die sich bei ihrer Geburt begleiten lassen wollten. Wir waren monatelang mit Ärzten, Hebammen, Krankenhäusern, Still- und Spielgruppen in Kontakt, bis wir zwei Frauen gefunden haben, die bereit waren, sich in diesem intimen Moment begleiten zu lassen", erzählt Kovarik dem STANDARD.

    foto: orf

    Lügen für Kaiserschnitt

    So offen über einen Wunschkaiserschnitt wie Jessica G. sprechen nur wenige Frauen. "Es gibt einen enormen gesellschaftlichen Druck auf Frauen, vaginal zu entbinden. Deshalb erzählen viele Frauen ihrem Umfeld Notlügen, wenn sie sich einen Kaiserschnitt wünschen", sagt Gynäkologe Peter Husslein. Zum Beispiel, dass das Baby in der Beckenendlage liege und darum standardmäßig ein Kaiserschnitt vorgenommen werden müsse.

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    foto: orf

    Elisabeth R. hat ihr Kind zu Hause in der Badewanne zur Welt gebracht. Es war ihre dritte Hausgeburt. Die älteste Tochter wurde im Spital entbunden, sie hat das bereut. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich das Kind zur Welt bringe, sondern es wurde dort geboren." Sie wünscht sich eine Geburt ohne Eingriffe und Schmerzmittel.

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    "Wir wollten verschiedene Perspektiven nebeneinander stehen lassen", sagt Kovarik zum STANDARD. Ohne zu werten. Jede Seite habe ihre Motive und Berechtigungen, "man versteht beide Frauen, warum sie sich so entschieden haben".

    Jessica, die sich für einen Wunschkaiserschnitt entscheiden hat, ist mittels IVF – also künstlicher Befruchtung – schwanger geworden. Kovarik: "Ihr war es ein Anliegen, mit diesem Tabu zu brechen. Generell ist sie eine Frau, die zu ihren Entscheidungen steht und kein Problem hat, diese mit einer Öffentlichkeit zu teilen."

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    Elisabeth wiederum sehe Gebären als etwas vollkommen Natürliches an. "Insofern hat sie mit Nacktheit und dem Prozess der Geburt kein Problem", so Kovarik. "Ich glaube, sie wollte sogar zeigen, wie unkompliziert man ohne ärztliche Hilfe zu Hause entbinden kann." Die Geburt selbst, bei der Kovarik und Hartmann für "Am Schauplatz" mit der Kamera dabei waren, hat in der Badewanne stattgefunden, im Beisein ihrer drei Kinder.

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    Dass das Thema Geburt oft sehr emotional verhandelt werde, liege "einerseits daran, dass das Kinderkriegen fast jeden betrifft, fast jeder hat Erfahrungen oder eine Meinung dazu", sagen Kovarik und Hartmann.

    Andererseits seien Sexualität und Gebären in einer hochmodernisierten Welt die letzten natürlichen Vorgänge, alles andere sei technisiert, geplant und kontrolliert. Deshalb werde hier oft so ideologisch diskutiert, "quasi Natur versus Fortschritt". (Astrid Ebenführer, 1.3.2018)

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