Schere geht auseinander: Wohnkosten steigen viel stärker als Einkommen

28. Februar 2018, 08:10
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Wohnen – ohne Neben- und Betriebskosten – verschlang 2017 im Schnitt 35 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens

Wien – Im Vergleich zum Nettoeinkommen wird Wohnen immer teurer. 2017 mussten die Österreicher 35 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für ein Dach über dem Kopf – Eigentum oder Miete – budgetieren, 2014 waren es noch 31 Prozent, wie aus dem aktuellen "Erschwinglichkeitsindex" des Onlineportals Immobilienscout 24 hervorgeht. Darin noch nicht enthalten sind die Neben- und Betriebskosten für die Immobilie.

Im abgelaufenen Jahr wurde also um vier Prozentpunkte mehr für das Wohnen ausgegeben als drei Jahre davor; im selben Zeitraum sank in Österreich das durchschnittliche Jahresnettoeinkommen pro Haushalt um 2,2 Prozent auf rund 41.400 Euro, wie das Immobilienportal unter Verweis auf Einkommensdaten von checkmyplace.com angab. Eine gebrauchte Wohnung kostete 2017 im österreichweiten Schnitt rund 3.590 Euro pro Quadratmeter, eine neue rund 4.660 Euro.

Große Unterschiede

Überdurchschnittlich kostspielig ist Wohnen in den Bundesländern Tirol und Salzburg, wo 42 beziehungsweise 36 Prozent des Nettoeinkommens pro Haushalt dafür aufgebraucht werden. Am günstigsten wohnt man – nach Bundesländern betrachtet – in der Steiermark (mit einem Kostenanteil von 23 Prozent), im Burgenland (24 Prozent) sowie in Oberösterreich (27 Prozent) und Kärnten (28 Prozent).

In entlegeneren Gegenden wie etwa in Gmünd, Waidhofen/Ybbs oder Zwettl in Niederösterreich, in Freistadt oder Rohrbach in Oberösterreich und im steirischen Murtal liegt der Wohnkostenanteil mit 12 bis 15 Prozent freilich noch deutlich unter diesen Durchschnittswerten. Ein gebrauchtes Haus in Gmünd ist beispielsweise bereits um 820 Euro pro Quadratmeter zu haben, während der Österreich-Schnitt bei 2.370 Euro liegt.

Teure Skigebiete

Extrem hoch ist der Wohnkostenanteil hingegen in einigen Tiroler Skigebieten wie etwa Kitzbühel (73 Prozent). Eine neue Eigentumswohnung kostet dort rund 7.050 Euro pro Quadratmeter – das ist mehr als im Wiener Nobelbezirk Döbling (rund 6.590 Euro), obwohl das Haushaltsnettoeinkommen bei Letzterem um 16 Prozent höher ist. In Zell am See erreicht der Wohnkostenanteil 42 Prozent – eine neu errichtete Wohnung kommt in dem Salzburger Urlaubsort auf 4.250 Euro pro Quadratmeter. Auch Salzburg-Stadt und Umgebung sind bekannt teuer – 37 beziehungsweise 38 Prozent des Einkommens sind dort für das Wohnen zu zahlen.

In Wien fällt auf, dass die Preise auch in den bisher günstigeren Bezirken spürbar in die Höhe gehen. In den Bezirken Hernals, Ottakring und Brigittenau weitete sich der Wohnkostenanteil zwischen 2014 und 2017 über dem Wien-Schnitt um 4 Prozentpunkte aus, in Simmering sogar um fünf Prozentpunkte. In Simmering kostet eine neue Eigentumswohnung nun durchschnittlich rund 3.500 Euro pro Quadratmeter, in Brigittenau 3.890 Euro, in Ottakring und Hernals 4.350 bis 4.400 Euro. Extrem hoch ist der Wohnkostenanteil in den traditionell teuren Bezirken Innere Stadt (65 Prozent), Döbling (48 Prozent) und Währing (42 Prozent). Aber auch Wohnen in Mariahilf (38 Prozent) sowie Donaustadt, Alsergrund und Hietzing (alle 37 Prozent) kommt teuer.

Nicht nur Immobilienpreis gibt Ausschlag

"Die Reallöhne in Österreich sind seit längerem kaum gestiegen", betonte der Österreich-Chef von Immobilienscout 24, Christian Nowak. Ob Wohnen günstig oder teuer sei, sei nicht nur eine Frage der Immobilienpreise, sondern auch des Anteils am Einkommen, den man fürs Wohnen ausgeben muss.

Die Immobilienpreise legten 2017 nicht mehr so stark zu wie in den Jahren davor. Die Angebotspreise für Mietwohnungen (ohne Betriebskosten) erhöhten sich gegenüber dem Jahr davor laut dem Onlineimmobilienvermittler im bundesweiten Schnitt um 1,6 Prozent, die Preise für Eigentumswohnungen und Häuser um rund zwei Prozent. Am stärksten stiegen die Grundstückspreise – mit einem Plus von knapp drei Prozent. Massiv über diesem Schnitt verteuerten sich Grundstücke in Niederösterreich (plus sechs Prozent), Tirol (plus vier Prozent) sowie Wien-Simmering (plus vier Prozent) zu. (APA, 28.2.2018)

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