"Bad Banks": Wenn der Selbstwert in Zahlen gemessen wird

    Ansichtssache5. März 2019, 11:12
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    Mit "Bad Banks" gelingt ZDF und Arte ein großer Wurf, Paula Beer überzeugt als ehrgeizige Investmentbankerin

    Rund ein Jahr nach der Erstausstrahlung auf Arte und im ZDF ist die Serie "Bad Banks" jetzt auch im ORF zu sehen, ORF 1 startet am Mittwoch ab 22.05 Uhr mit einer Doppelfolge, Teil drei und vier werden am 7. März, Teil fünf und sechs am 9. März (jeweils ab ca. 22 Uhr in ORF 1) ausgestrahlt. Aus diesem Grund hieven wir die TV-Kritik von damals aus dem Archiv. Folgender Text zu "Bad Banks" erschien Ende Februar 2018 im STANDARD. Eine zweite Staffel mit sechs Folgen wird derzeit gedreht, wann sie ausgestrahlt wird, ist noch nicht bekannt.

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    Aufruhr in Frankfurt, Menschenschlangen vor Bankomaten, der Geldstrom ist versiegt, die Verunsicherung groß. "Ihr Geld ist sicher, lassen Sie Ihr Geld auf der Bank", appelliert der Finanzminister zu Beginn der sechsteiligen Serie "Bad Banks", zu sehen ab Donnerstag auf Arte (20.15 Uhr) und ab Samstag im ZDF. Klingt nach Kanzlerin Merkel und dem damaligen deutschen Finanzminister Steinbrück, die 2008 verkündeten: "Wir sagen den Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein."

    foto: zdf

    In "Bad Banks" – die Serie feierte kürzlich bei der Berlinale ihre Premiere – ist die Deutsche Global Invest offenbar pleite, die Kunden der Bank fürchten um ihre Einlagen. Schon die Anfangssequenz ist beunruhigend. Und so etwas wie Ruhe kehrt in den sechs Folgen nie ein. Aggressiv und mit schnellen Schnitten erzählt Regisseur Christian Schwochow, wie es zu diesem Absturz kommen konnte. Und lässt dabei Klischees vom bösen Banker weitgehend außen vor.

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    foto: zdf

    Nichts ist schwarz oder weiß, gut oder schlecht. Hier steht nicht der skrupellose Finanzhai nach Vorbild des 80er-Jahre-Wall-Street-Mackers Gordon Gekko, der für Geld über Leichen geht, im Mittelpunkt. Erzählt wird die Entwicklung der jungen, begabten Investmentbankerin Jana Liekam (Paula Beer), die für eine Großbank in Luxemburg arbeitet, dort aber wegen des Fehlers eines anderen rausgeschmissen wird.

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    Täuschen und Tarnen

    "Es ist nur ein Job", sagt ihr Freund. Nicht für Jana Liekam, sie ist ehrgeizig, sie will mehr. Dieses Mehr kann ihr Investmentbankerin Christelle Leblanc (schön kaltblütig: Désirée Nosbusch) bieten, sie verschafft Jana einen Job bei der Deutschen Global Invest, versorgt sie mit Insidertipps, die sie dort bald zu so etwas wie einem Star machen. Freilich nicht aus reiner Nächstenliebe, Leblanc will Gegenleistungen. Geben und Nehmen, Täuschen und Tarnen, so läuft das im Finanzgeschäft.

    Und weil Jana auch nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen ist, durchschaut sie schnell, wer welche Fäden im Hintergrund zieht. Sie lernt, baut sich ihr eigenes Parallelnetzwerk auf – weil ja Loyalität zum Arbeitgeber nicht immer das Beste für das eigene Fortkommen ist. All das zerrt freilich sowohl an Nerven als auch Privatleben und bringt sie auch an ihre körperlichen Grenzen. Was Jana macht, ist moralisch fragwürdig und doch für den Zuschauer nachvollziehbar. Es menschelt in der kühlen Welt der Finanzen.

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    "Keine unserer Figuren ist nur getrieben von Geld oder reiner Gier, das wäre ein kurzsichtiges und schädliches Fazit. Sie sind Kinder eines Systems, das Leistung mit Selbstwert belohnt", sagt Drehbuchautor Oliver Kienle. Und die insgeheim – trotz aller Karrieregeilheit – wie alle nach Liebe, Anerkennung und Respekt suchen. (Astrid Ebenführer, 28.2.2018, Update: 5.3.2019)

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