"Slay the Spire" im Test: Kartenspiel-Hit und Early-Access-Erfolg

    2. März 2018, 10:43
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    Die motivierende Mischung aus Rogue-like und Deckbuilding-Game entwickelt sich zu Recht zum Early-Access-Bestseller

    Digitale taktische Sammelkartenspiele gibt es nicht erst seit dem Erfolg von "Hearthstone" wie Sand am Meer, und in den meisten ist der Kampf gegen andere menschliche Spielerinnen und Spieler ebenso zentral wie das Herz auch jedes analogen Sammelkartenspiels: Der Kauf neuer Karten in mehr oder weniger zufällig bestückten Packs ist nicht nur ein zusätzlicher Nervenkitzel, sondern Basis des kommerziellen Erfolgs. Wer kompetitiv mithalten will, tut sich ganz ohne Zusatzkauf bedeutend schwerer – das ist vielleicht nicht gerade Pay-2-Win, aber lässt das Einkaufen doch zum recht zentralen Element dieser Spiele werden.

    Dass taktische Kartenspiele auch ganz anders Spaß machen können, beweist zurzeit "Slay the Spire" (Windows, Mac, Linux, Early Access, 15,99 Euro). Das kleine Kartenspiel eines US-amerikanischen Indie-Teams hat sich seit seinem Start auf Steam vor wenigen Wochen schon beachtliche 600.000 Mal verkauft und gehört aktuell zu den am besten bewerteten Early-Access-Titeln auf der Spieleplattform. Zu Recht.

    Mit Karten gegen Monster kämpfen

    "Slay the Spire" ist im Gegensatz zu den meisten digitalen Kartenspielen zuallererst ein Single-Player-Spiel, in dem Spielerinnen und Spieler mit einem von – aktuell – zwei verschiedenen Charakteren in einer jedes Mal aufs Neue zufallsgenerierten Spielwelt losziehen, um drei sich in Sachen Schwierigkeit steigernde Akte siegreich zu beenden. Sowohl der Weg, der sich durch diese Spielwelt ergibt, als auch die einzelnen Begegnungen mit Monstern, Händlern oder kleinen Zufallsereignissen im Choose-Your-Own-Adventure-Stil sind dabei in jeder Partie unterschiedlich; allen gemeinsam ist jedenfalls, dass wir beim Tod im Kampf gegen die recht unterschiedlichen Fantasy-Monster ganz an den Anfang zurückgeworfen werden.

    Aufmerksame Leserinnen und Leser kenn das Spielprinzip aus unzähligen Spielen der letzten Jahre: Von "FTL" über "Spelunky" bis hin zu "The Binding of Isaac" bedienen sich viele (Indie-)Spiele derselben zeitlosen Rogue-like-Struktur. Auch "Slay the Spire" verknüpft diese abwechslungsreiche Grundstruktur mit seiner ganz speziellen Spielmechanik – und die ist erfreulich komplex, aber zugänglich und motivierend geraten. In den zahllosen Kämpfen tritt man mit unterschiedlichen Karten gegen die jeweiligen Gegner an und feilt erst im Verlauf der – meist maximal etwa eine Stunde dauernden – Runs an einem möglichst effektiven Kartendeck.

    Karten rein, Karten raus

    Die Pflege des Decks, also der eigenen Kartenmischung, ist dabei ebenso wichtig wie die Spezialisierung und trickreiche Synergieeffekte: Wer seine Kartenauswahl ohne nachzudenken mit immer neuen Karten vergrößert, läuft Gefahr, beim Kampf gegen die recht unterschiedlich agierenden Gegner nie die richtigen Karten aus seinem Stapel auch in die Hand zu bekommen. Effektive Decks in "Slay the Spire" können auch sehr klein sein – sind alle Karten in einem der rundenweise ablaufenden Duelle ausgespielt, werden sie einfach neu gemischt und wieder ausgegeben. Wer sich also auf wenige, dafür perfekt harmonierende Karten beschränkt, bekommt diese auch bedeutend häufiger tatsächlich auf die Hand.

    Dass "Slay the Spire" von seinen Spielerinnen und Spielern mit so viel positivem Feedback gefeiert wird, hat auch mit seiner Zugänglichkeit zu tun: Sowohl das Interface als auch die grafischen Effekte sind vorbildlich auf Nachvollziehbarkeit und Einsteigerfreundlichkeit getrimmt. Kaum kommt jemals Unsicherheit auf, was eine bestimmt Karte bewirkt, und auch die Visualisierung der zu erwartenden Karteneffekte schon vor dem Ausspielen führt dazu, dass man sich eher über Strategie statt über spielmechanische Unklarheiten den Kopf zerbrechen muss.

    mega crit
    Trailer zu "Slay the Spire".

    Fazit

    "Slay the Spire" mag unscheinbar aussehen, doch seine originelle Mischung aus Rogue-like-Struktur und zugänglichem, aber spielerisch herausfordernden Kartenspiel-Gameplay macht es zum für lange Zeit motivierenden Geheimtipp, der sich dank großem Abwechslungsreichtum und sympathisch humorvollem Setting sogar ein wenig nach "echtem" Rollenspiel anfühlt: im Hinblick darauf, wie man mit seinem ganz spezifischen Kartenmix auf die sich jedes Mal neu stellenden Herausforderungen reagiert, die jeweilige Strategie seines Decks anlegt und jedes Mal aufs Neue aus unzähligen Toden lernt.

    "Slay the Spire" bietet trotz Early-Access-Status schon jetzt mehr als soliden Spielspaß und verspricht, diesen in seiner finalen Version noch bedeutend zu erhöhen – durch einen weiteren spielbaren Charakter, zusätzliche Karten und größeren Umfang. Schon in wenigen Monaten soll dieser finale Release erfolgen, wenn es nach den rührigen Entwicklern geht. Wer Freude an taktischen Kartenspielen hat, aber weder gegen echte Menschen antreten noch Geld in Zusatzkäufe investieren will, bekommt mit diesem Spiel ein erstaunlich motivierendes Hybrid aus Rogue-like und Deckbuilder, das zudem durch große Zugänglichkeit und Einsteigerfreundlichkeit überzeugt. (Rainer Sigl, 02.03.2018)

    "Slay the Spire" ist ein Early-Access-Titel für PC, Mac und Linux. UVP: 15,99 Euro.

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Richtlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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    "Slay the Spire"

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