Schiffslärm hält Schweinswale von der Nahrungssuche ab

2. März 2018, 21:00
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Meeresbiologen untersuchten, wie sich die Meeressäuger bei steigendem Lärmpegel verhalten. Das Ergebnis: Sie tauchen ab und unterbrechen die Jagd

Hannover/Wien – Schiffslärm, militärische Aktivitäten oder Bauarbeiten in Offshore-Windparks: Meerestiere sind durch den Menschen einer Vielzahl an Lärmquellen ausgesetzt, an die sie sich noch nicht angepasst haben – insbesondere für Wale gilt dies als potenziell gefährlicher Faktor. Ein internationales Forscherteam hat nun untersucht, wie der Unterwasserlärm Schweinswale beeinflusst.

Für ihre Studie in den "Proceedings of the Royal Society B" statteten die Biologen sieben Schweinswale in dänischen Gewässern mit akustischen Datenloggern aus. Die kleinen Geräte, die unter anderem registrierten wo und in welcher Meerestiefe sich die Tiere befanden, welchem Lärm sie ausgesetzt waren, welche Signale sie an Artgenossen aussendeten und wann sie aktiv waren oder ruhten, wurden mittels Saugnäpfen an den Tieren angebracht.

foto: universität aarhus
Schweinswal mit Datenlogger.

Ausweichverhalten

Die Messungen dauerten zwischen 12 und 24 Stunden an – und brachten ein besorgniserregendes Ergebnis: Demnach waren die Meeressäuger zwischen 17 und 89 Prozent der gemessenen Zeit dem Lärm von Schiffen ausgesetzt. Das hatte für die Wale, die zur Orientierung und Nahrungssuche Echoortung einsetzen, dramatische Folgen: Wie die Forscher berichten, ging die Anzahl der Jagdversuche bei zunehmendem Schiffsverkehr deutlich zurück.

Schweinswale senden Klickgeräusche aus, um aus dem reflektierenden Echo Rückschlüsse auf ihre Umgebung ziehen zu können. Um dabei Beutetiere aufzuspüren, steigern sie die Klickrate auf bis zu 500 Signale pro Sekunde. Stieg jedoch in den Versuchen der Lärmpegel durch Schiffsverkehr, unterbrachen die Wale die Nahrungssuche und tauchten in tiefere Gewässer ab.

foto: universität aarhus
Die Ergebnisse zeigten, wie sehr der Lärm die Tiere beeinträchtigt.

Langfristig gefährliche Unterbrechungen

"Als Säugetiere müssen Schweinswale im Wasser ihre Körpertemperatur aufrecht erhalten, darum haben sie einen vergleichsweise aktiven, also energieintensiven, Stoffwechsel", sagte Ursula Siebert von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Koautorin der Studie. "Sie benötigen regelmäßig Futter, um diese Energie zuzuführen. Werden sie während der Jagd immer wieder gestört, kann auf lange Sicht die körperliche Fitness der Tiere leiden."

Nach Angaben der Biologen ließe sich der Schutz der Meeressäuger aber auch bei laufendem Verkehr durchaus verbessern. "Es wäre möglich, leisere Schiffsantriebe einzusetzen und in Gebieten mit vielen Schweinswalen die Geschwindigkeit zu drosseln", sagte Jonas Teilmann von der Universität Aarhus Universität. Und Regionen, die besonders wichtig für die Tiere sind, sollte man schlicht meiden – und die Schweinswale in Ruhe lassen, so der Forscher. (red, 2.3.2018)

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