E-Learning legt noch nicht so richtig los

    23. Februar 2018, 10:20
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    Dank Smartphone kann jederzeit und überall gelernt werden. Google und Youtube profitieren stark. Klassische Bildungsinstitute haben noch Aufholbedarf

    Wer sich als Erwachsener beruflich oder persönlich weiterbilden möchte, kann das nicht nur mittels klassischer Fortbildungen machen. Immer mehr Personen stillen ihren Wissensdurst mit Lernangeboten aus dem Internet. Laut aktuellem "Monitor Digitale Bildung" der Bertelsmann-Stiftung nutzt knapp jeder zweite Erwachsene in Deutschland regelmäßig digitale Medien zur beruflichen oder privaten Weiterbildung.

    Die Vielfalt an Möglichkeiten, sich über das Internet zu bilden, steigt stetig. Doch, so die Diagnose der Bertelsmann-Stiftung, der Umbruch der Lerngewohnheiten steht bei den meisten etablierten Weiterbildungsanbietern noch bevor. Beim Wifi hat man diesen Trend erkannt – im vergangenen Jahr haben rund 365.000 Personen an einer Weiterbildung am Wifi teilgenommen, rund 20.000 Personen davon einen Onlinekurs besucht, sagt Christian Faymann, Leiter des Bildungsmanagements am Wifi. Gemessen an der Gesamtzahl der angebotenen Kurse sind das aber – je nach Bundesland – zwischen drei und sieben Prozent. Im letzten Jahr gab es am Wifi rund 120.000 Präsenzkurse.

    Regionale Unterschiede

    Genauso, wie die Anzahl der Angebote große regionale Unterschiede aufweist, zeigen sich auch inhaltliche Besonderheiten. In Salzburg werde beispielsweise der Kurs Marketing im Tourismus zu hundert Prozent online angeboten, das Thema Bauen und Architektur werde im Burgenland und der Steiermark schwerpunktmäßig online angeboten, in Tirol und Vorarlberg wiederum ist die digitale Fertigung Teil des Onlinekursangebots, sagt Faymann. "Bereits um die Jahrtausendwende hat das Wifi sich dem Thema neuen Lernformen gewidmet. Seit drei Jahren werden diese auch stark genutzt", sagt er.

    Mit ein Grund war, so Faymann, dass vor drei Jahren eine neue Lernplattform eingerichtet wurde, die mobiles Lernen ermöglicht. Besonders gute Erfahrungen habe das Wifi auch mit Webinaren gemacht. Für kurze Informationsveranstaltungen wie beispielsweise zur neuen Datenschutzgrundverordnung würde sich dieses Format anbieten, sagt Faymann. Die Angebote werden laufend ausgebaut.

    Auch im "Monitor Digitale Bildung" dominieren im beruflichen Kontext Webinare. Privates Lernen hingegen findet eher auf Youtube und in sozialen Medien wie Facebook oder bei Wikipedia statt. Die umfangreicheren "Massive Open Online Courses" (MOOCs) nutzt nur ein Prozent der Online-Lerner.

    Aufholbedarf an Hochschulen

    Doch nicht nur etablierte Weiterbildungsinstitute, auch die heimischen Hochschulen sollten ihr Online-Bildungsangebot verstärken, empfiehlt der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT). Laut einer Studie verfügen nur wenige Hochschulen über eine Digitalisierungsstrategie, die Akzeptanz von E-Learning-Angeboten sei vor allem an den pädagogischen Hochschulen noch sehr gering, heißt es in einer Aussendung des Forschungsrats. Dafür sollten Hochschulen Strukturen zur Unterstützung von Lifelong Learning und zur Vernetzung von Studierenden, Alumni, Lehrenden sowie Unternehmen, NGOs und dem öffentlichen Sektor aufbauen, heißt es weiter.

    Um Offenheit und Wissen hinsichtlich neuartiger Lehr- und Lernformate bzw. Technologien zu erhöhen, müsse auch das Lehrpersonal didaktisch weitergebildet werden, fordert der Rat.

    Auch der Bildungsmonitor kommt zu der Erkenntnis, dass die Lehrenden das volle didaktische Potenzial des digitalen Lernens nicht ausschöpfen. Es scheitert vor allem am fehlenden Know-how sowie an mangelnden Fortbildungsangeboten für diesen Bereich. Wenn Erwachsenenbildner neue Medien in ihren Kursen einbauen möchten, sind sie wie ihre Kollegen an Schulen und Hochschulen weitgehend auf sich selbst gestellt. Wichtigste Lernquelle bleiben das Selbststudium sowie der Austausch unter Kollegen. (Gudrun Ostermann, 23.2.2018)

    • Immer mehr Personen nutzen digitale Weiterbildungsangebote. Etablierte Weiterbildungseinrichtungen haben laut dem "Monitor Digitale Bildung" der Bertelsmann-Stiftung hier noch ungenützte Möglichkeiten. Auch die Hochschulen sollen mehr digitale Lernformate anbieten.
      foto: istock

      Immer mehr Personen nutzen digitale Weiterbildungsangebote. Etablierte Weiterbildungseinrichtungen haben laut dem "Monitor Digitale Bildung" der Bertelsmann-Stiftung hier noch ungenützte Möglichkeiten. Auch die Hochschulen sollen mehr digitale Lernformate anbieten.

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