Trumps desaströse Waffenpolitik: Kalter Krieg im Schulzimmer

Kommentar22. Februar 2018, 18:16
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Solange es für Jugendliche leichter sein wird, ein Sturmgewehr zu kaufen als ein Sixpack Bier, so lange ist die nächste Katastrophe nur eine Frage der Zeit

Um weitere Amokläufe an Schulen wie zuletzt jenen in Florida mit 17 Toten zu verhindern, regt US-Präsident Donald Trump nun allen Ernstes an, alle Schüler ab sofort als potenzielle Massenmörder zu betrachten – und daher die Lehrer zu bewaffnen. In seiner Diktion lautet das betulich-harmlos so: Speziell geschulte Lehrkräfte könnten die Kinder dann im Ernstfall besser "beschützen". Tatsächlich aber – und das blieb in den Ausführungen Trumps natürlich unausgesprochen – wären diese Lehrerinnen und Lehrer dazu angehalten, einen oder mehrere der ihnen anvertrauten Schüler womöglich zu töten.

Tödliches Misstrauen

Geht's noch, Mister President? Ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie damit das unentbehrliche und grundlegende Prinzip einer Gesellschaft – nämlich jenes des tiefen Vertrauens zwischen Eltern, Lehrern und Schülern – über Bord werfen? Wollen Sie das wirklich? Ist Ihnen außerdem klar, dass Sie damit ein anderes Prinzip schaffen würden: nämlich eines des tödlichen Misstrauens, immer und überall, von Kindesbeinen an? Sind Sie tatsächlich bereit, einen kalten Krieg in die Klassenzimmer Ihrer Nation zu tragen? Und stellen Sie sich vor, wie das wäre, wenn einmal ein Lehrer selbst durchdreht – aus welchem Grund auch immer -, zur Dienstwaffe greift und selbst ein Massaker verursacht: Was dann? Noch mehr Waffen?

Nein: Der Vorschlag, den Trump vor Überlebenden und Angehörigen von Opfern des Florida-Massakers ausbreitete, ist bestenfalls naiv. Doch viel wahrscheinlicher ist er bloß zynischer Ausdruck fehlender Empathie für die mehr als 200 Toten, für die fast 300 Verletzten und für ihre tausenden Angehörigen in mehr als 200 "school shootings", die in den USA allein seit der Jahrtausendwende dokumentiert sind. Und die Kurve steigt immer steiler an.

Die nächste Katastrophe als Frage der Zeit

Nein: Die Empathie der US-Politik gilt vielmehr der Waffenlobby. Es ist gleichermaßen erschütternd wie inakzeptabel, dass es in vielen Jahrzehnten keine US-Waffengesetznovellierung mit Augenmaß gegeben hat – ganz egal, ob die Republikaner die Mehrheit im Kongress hatten, wie jetzt unter Donald Trump, oder ob es die Demokraten waren, die diese Chance zuletzt unter Bill Clinton und Barack Obama verstreichen ließen.

Solange es für Jugendliche leichter sein wird, ein Sturmgewehr zu kaufen als ein Sixpack Bier, so lange ist die nächste Katastrophe nur eine Frage der Zeit. Daran werden auch bewaffnete Lehrer nichts ändern können. (Gianluca Wallisch, 22.2.2018)

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