Treibhausgase in Österreich weiter im Aufwind

23. Februar 2018, 07:00
339 Postings

Entgegen dem EU-Trend steigen die Emissionen in Österreich. Eine Klima- und Energiestrategie soll die Wende bringen

Wien – Österreich steht vor einer Herkulesaufgabe. Gegenläufig zum Trend in den meisten Ländern der Europäischen Union steigt hierzulande die Emission klimaschädigender Gase, allen voran von Kohlendioxid (CO2), seit 2014 wieder an.

Damit wackelt nicht nur die für 2020 vereinbarte Zielvorgabe, den CO2-Austoß um 16 Prozent zu senken. Laut Experten werden die 2030er- und 2050er-Ziele nur mit einer Kraftanstrengung zu erreichen sein. Um die in Paris 2015 vereinbarte Begrenzung der Erderwärmung bis 2100 auf 1,5 bis maximal zwei Grad Celsius auch nur halbwegs zu erreichen, seien gerade in Österreich viel ambitioniertere Ziele erforderlich.

Erster Entwurf vor Ostern

Fachleute bedauern, dass die von der Regierung ursprünglich für März 2017 zugesicherte Klima- und Energiestrategie dem Wahlkampf zum Opfer gefallen ist. Nun aber soll es Schlag auf Schlag gehen. Noch vor Ostern will man einen ersten Entwurf vorlegen. Beschlossen werden soll die integrierte Klima- und Energiestrategie, die den Weg zur geplanten Dekarbonisierung bis 2050 weisen soll, vor dem Sommer. Darauf hat sich das Ministerium für Nachhaltigkeit kürzlich erst festgelegt.

Ein vertiefter Blick in die Entwicklung der Emissionen in Österreich liefert interessante Erkenntnisse. Von 2015 auf 2016 sind die Emissionen insgesamt um etwa ein Prozent auf 79,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent gestiegen. Sie lagen damit in etwa auf dem Niveau von 1990 (78,7 Millionen Tonnen). Im EU-Durchschnitt sind die Emissionen von 1990 auf 2016 hingegen um 24 Prozent gesunken.

Konjunkturbelebung

Während in der Industrie und in der Energiegewinnung, die beide Teil des Emissionshandelssystems sind, um 1,7 Prozent weniger klimaschädliche Gase ausgestoßen wurden, zeigt die Österreichbilanz der nicht dem Emissionshandel unterliegenden Bereiche einen Anstieg um rund 2,7 Prozent auf. Ein Grund dafür ist laut Umweltbundesamt die Konjunkturbelebung, was sich nicht zuletzt in einer Zunahme des Güterverkehrs niederschlägt. Vergleichsweise niedrige Preise bei fossilen Kraft- und Brennstoffen haben den Trend beschleunigt. So kam es im Verkehrssektor 2016 zu einem deutlichen Anstieg der Emissionen um 4,2 Prozent. Aufgrund des witterungsbedingt höheren Heizbedarfs stiegen auch die Emissionen im Gebäudesektor, und zwar um 2,7 Prozent.

Für Jürgen Schneider vom Bundesumweltamt ist aufgrund der Entwicklung klar, dass es vor allem im Verkehrs- und Gebäudebereich einschneidender Maßnahmen bedarf. Nötig seien aber auch Maßnahmen zur Verringerung des Energieverbrauchs.

Stromverbrauch gestiegen

Am Donnerstag hat die E-Control neue Zahlen hinsichtlich des Strom- und Gasverbrauch veröffentlicht. Demnach ist der Stromverbrauch im Vorjahr um 1,4 Prozent gestiegen. Dabei gab es im Stromerzeugungsportfolio eine Umschichtung. Während die Stromerzeugung aus Wasserkraft im Gesamtjahr 2017 um 1,9 Prozent auf 38.500 Gigawattstunden (GWh) zurückging, wurden Wärmekraftwerke (mit Stromauskopplung) um 13,6 Prozent oder 2.300 GWh mehr eingesetzt als im Jahr davor. Windkraftwerke produzierten um 24,7 Prozent oder 1300 GWh mehr Strom als 2016.

Weiter gestiegen sind im Berichtszeitraum die Stromimporte nach Österreich, und zwar um 3000 GWh oder 11,4 Prozent auf 29.400 GWh. Noch deutlicher haben sich aber die Exporte erhöht (plus 18,8 Prozent auf 22.800 GWh), sodass unterm Strich im Vorjahr netto um 600 GWh weniger importiert wurden als 2016.

Eine Renaissance gab es 2017 beim Energieträger Gas. Der Verbrauch durch Endkunden ist um 8,3 Prozent auf 95.200 GWh gestiegen, obwohl es 2016 aufgrund des Schaltjahrs einen Tag mehr gegeben hat. Im Mehrverbrauch spiegelten sich einerseits die tieferen Temperaturen im Jänner und Februar des Vorjahrs, andererseits der Konjunkturaufschwung wider. (Günther Strobl, 23.2.2018)

  • Noch kann die Windkraft der Kohle klimaschutztechnisch nicht das Wasser reichen. Ohne Klima- und Energiestrategie wird das so bleiben, denn der Konjunkturaufschwung treibt den Energiebedarf an.
    foto: ap / martin meissner

    Noch kann die Windkraft der Kohle klimaschutztechnisch nicht das Wasser reichen. Ohne Klima- und Energiestrategie wird das so bleiben, denn der Konjunkturaufschwung treibt den Energiebedarf an.

Share if you care.