Kontroverse Diskussion über Moscheen und ihren Einfluss auf Integration

    20. Februar 2018, 08:08
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    Im Wiener Architekturzentrum wurde über die Rolle von islamischen Gotteshäusern in Österreich debattiert

    Wien – Eine kontroverse Diskussion zum Thema Moscheen hat es Montagabend im Wiener Architekturzentrum im Museumsquartier gegeben. Während die eine Seite islamische Gotteshäuser als Rückzugsorte für Muslime ansah, sprach die andere Seite von Parallelräumen, wo teilweise desintegrativ gearbeitet wird.

    Eingeladen vom Österreichischen Integrationsfonds diskutierten am Podium Heiko Heinisch, Esad Memic, Constantin Schreiber und Susanne Schröter.

    Professorin: Moscheen als Parallelräume

    Schröter forderte von der Politik ein, Probleme zu thematisieren, weil das Wegschauen oder falsche politische Korrektheit lediglich den Rechtspopulisten in die Hände spielten. Die Professorin am Institut für Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt plädierte dafür, dass sich Moscheen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft öffnen sollten, weil nur so Integration möglich sei.

    Viele Moscheen seien desintegrative Parallelräume der Gesellschaft, die oft ethnisch organisiert seien und in denen es stark um Identitätspolitik und Abgrenzung zur Mehrheitsgesellschaft gehe. Die Gebetshäuser sollten demnach Sicherheit in einer fremden Gesellschaft bieten und die Muslime vor dem Verlust ihrer Religion bewahren. Laut Schröter wird stark in den Kategorien "halal" (erlaubt) und "haram" (verboten) gedacht. "Nur wer an den Islam glaubt, kommt in Paradies. Wer aber vom rechten Weg abkommt, den bestraft Gott und schickt ihn in die Hölle", skizzierte Schröter aus ihrer Forschungsarbeit mit den Schwerpunkten politischer Islam und islamischer Extremismus sowie Multikulturalität, Frauenbewegungen und feministischer Islam.

    In Moscheen häufig Politik als Thema

    Heinisch, der zum Themenkomplex Europa, Menschenrechte und Islam forscht, urgierte, dass in Moscheen häufig die Politik der Herkunftsländer der Muslime Thema sei und es weniger um Spiritualität gehe. Türkischen Gläubigen werde zum Teil vermittelt, dass sie der Westen nicht wolle und sie sich daher zusammenschließen und keinen Kontakt mit der Mehrheitsgesellschaft haben sollten. Heinisch ortete zudem nationalistische Tendenzen, weil es auch innerhalb der Muslime zu ethnischer Segregation komme.

    ARD-Moderator Schreiber, der 2017 den Bestseller "Inside Islam – Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird" publizierte, stellte bei seinen Rerchechen fest, dass Gläubigen in deutschen Moscheen unter anderem vermittelt werde, sie befänden sich in der Diaspora – und dass westliche Normen nur dann akzeptiert werden sollten, wenn sie nicht religiösen Werten widersprächen. Schreiber forderte daher, dass beim Islam dieselben Kriterien wie bei anderen Religionen gelten sollten und dieser nicht vor einer kritischen Auseinandersetzung gefeit sein dürfe.

    Memic, der Vizepräsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), betonte die Diversität innerhalb des Islam. Moscheen sah er als Rückzugsorte für Muslime, die aber auch Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften offenstehen sollten. Memic plädierte dafür, dass die Predigten in Deutsch gehalten werden und dass sich Muslime klar zu Österreich und zum liberalen Rechtsstaat bekennen sollten – was keinen Widerspruch zum Islam darstelle. (APA, 20.2.2018)

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      foto: apa/herbert neubauer
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