Journalist nach Gewahrsam in Russland nach Deutschland ausgereist

    15. Februar 2018, 14:14
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    Nurmatow fürchtete Abschiebung nach Usbekistan

    Moskau – Nach mehr als sechs Monaten in russischem Gewahrsam ist ein aus Usbekistan stammender Journalist nach Deutschland ausgereist. Chudoberdi Nurmatow, der für die unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" unter dem Namen Ali Ferus arbeitete, sei ins Flugzeug nach Deutschland gestiegen, sagte der Chefredakteur des Blattes, Dmitri Muratow, der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag.

    Begleitet wurde er demnach von Mitarbeitern des Roten Kreuzes, Anwälten und Journalisten. Nurmatow war im August in Russland bei einer Identitätskontrolle festgenommen und in Gewahrsam genommen worden. Kurz darauf urteilte ein Moskauer Gericht, er solle in seine Heimat Usbekistan abgeschoben werden. Dort war er nach eigenen Angaben in der Vergangenheit gefoltert worden. Nach dem Urteil unternahm Nurmatow noch im Gerichtssaal einen Suizidversuch.

    Anfang Februar urteilte das Gericht dann, der offen homosexuelle Journalist könne in einen Drittstaat ausreisen. Seine Anwälte gaben anschließend bekannt, Nurmatow habe bereits ein Ticket nach Deutschland gekauft, zudem verfüge er über die nötigen Reiseunterlagen.

    Nurmatow wurde in Russland geboren und lebte ab seinem 17. Lebensjahr in Usbekistan. Nachdem er dort laut der "Nowaja Gaseta" festgenommen und gefoltert wurde, verließ er das Land 2009 fluchtartig. Demnach verlor er 2012 seinen usbekischen Pass. In Russland versuchte er mehrmals, Asyl zu bekommen.

    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte im vergangenen Jahr erklärt, Nurmatow sei "offen homosexuell, ein Aktivist für die Menschenrechte und Korrespondent der unabhängigen Zeitung 'Nowaja Gazeta'". Dies sei eine "fast tödliche Kombination für jemanden, der kurz davor steht, nach Usbekistan abgeschoben zu werden, wo Homosexualität ein Verbrechen und Folter endemisch" seien. (APA, AFP, 15.2.2018)

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