Snapdragon 845: Grafiktreiber soll zum Teil direkt in den Linux-Kernel wandern

    15. Februar 2018, 12:18
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    Google und Qualcomm wollen mehr Codeteile Upstream einbringen – Soll Wartung und Updates vereinfachen

    An Gründen für die schleppende Update-Politik vieler Android-Anbieter mangelt es nicht gerade. Von fehlender Motivation bis zu konkreten technischen Hürden reicht dabei die Palette. Zumindest was letzteres anbelangt hat Google in den letzten Monaten einige Schritte unternommen, um Updates zu erleichtern – Stichwort: Project Treble. Nun kommt eine weitere Initiative in diese Richtung hinzu.

    Linux Kernel

    Google und Qualcomm arbeiten derzeit daran, große Teiler des Grafiktreiber für den Snapdragon 845 (bzw. dessen integrierte Grafikeinheit Adreno 630) direkt in den Linux-Kernel einzupflegen, wie Golem.de aufgespürt hat. Mit diesem Schritt soll die Wartung vereinfacht werden, was dann infolge wiederum die Erstellung von Software-Updates erleichtern soll.

    In einer Nachricht an die Entwicklungs-Mailing-Liste des Linux Kernels bittet Google-Entwickler Sean Paul um Feedback für einen "Pull Request", mit dem wichtige Komponenten des Grafiktreibers in den Hauptzweig des Kernels aufgenommen werden sollen. Paul betont dabei allerdings, dass man sich schon bewusst sei, dass der Code noch nicht reif für eine Aufnahme ist, man hoffe mit diesem Schritt aber um Feedback, um in den kommenden Monaten die notwendigen Anpassungen vorzunehmen.

    Eine Frage der Pflege

    Bislang werden die Kernel-Komponenten des Grafiktreibers für den Adreno 630 von Google und Qualcomm separat in einem eigenen Codeverzeichnis gepflegt – dies auf Basis des Kernel 4.14, der auf Langzeit-Support ausgelegt ist. Betont sei, dass es sich beim jetzt vorgeschlagenen Code nicht um alle notwendigen Bestandteile für die Grafikausgabe handelt, ein Teil verbleibt weiter im eigentlichen Treiber, der proprietäre Software ist. Die Kernel-Bestandteile sind vor allem für Basisaufgaben wie die Bildausgabe selbst zuständig.

    Einschätzung

    Offen bleibt dabei allerdings, ob es Google bei den Arbeiten überhaupt vornehmlich um Android geht – oder doch eher um eine andere Plattform. Immerhin ist Paul Mitarbeiter des Chromium-Projekts, das auch für Chrome OS zuständig ist, und bei dem Google wesentlich striktere Vorgaben für die Hardwareunterstützung vorgibt. Dazu passt auch, dass es mittlerweile Hinweise darauf gibt, dass ein Chromebook mit Snapdragon 845 in Entwicklung ist. Klar ist aber auch, dass Android von diesen Arbeiten ebenfalls profitieren wird. Zudem gibt es gewisse Hinweise darauf, dass Chrome OS ohnehin die neue Google-Plattform für Tablets werden könnte – auf deren Basis dann wiederum Android-Apps laufen. Damit würden die Grenzen zwischen den beiden Systemen zunehmend verwischen.

    Der Snapdragon 845 ist der aktuellste High-End-Prozessor von Qualcomm. Erste Smartphones damit dürften in Kürze vorgestellt werden. Generell ist davon auszugehen, dass sich die Arbeiten von Qualcomm und Google nicht auf diesen Chip beschränken werden, sondern dies nur einen ersten Schritt zur weiteren Öffnung darstellt. (Andreas Proschofsky, 15.2.2018)

    • Der Snapdragon 845 vereint viele unterschiedliche Komponenten. Nun soll der Upstream-Support im Linux-Kernel verbessert werden.
      grafik: qualcomm

      Der Snapdragon 845 vereint viele unterschiedliche Komponenten. Nun soll der Upstream-Support im Linux-Kernel verbessert werden.

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