Svindal triumphiert in Abfahrt der Herren, Österreicher chancenlos

    15. Februar 2018, 04:51
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    Jansrud sorgt für norwegischen Doppelsieg – Kriechmayr als bester ÖSV-Läufer Siebenter

    Jeongseon – Aksel Lund Svindal hat am Donnerstag in Jeongseon einiges für die Ski-Geschichtsbücher getan. Er ist Norwegens erster Olympiasieger in der Abfahrt und zugleich mit 35 Jahren ältester Goldmedaillengewinner in einer Alpindisziplin überhaupt. Außerdem schloss er zur Niederösterreicherin Michaela Dorfmeister auf, die bisher als Einzige in Abfahrt und Super-G Olympiasiege errungen hat (2006).

    Bei all diesen Aufzählungen wiegelte Svindal gleich einmal ab. "Es ist cool, ein Gold zu bekommen. Aber wenn du über die Ziellinie fährst, und du siehst, dass du auf einen Medaillenrang liegst oder auf Gold, dann denkst du nicht viel an die Geschichte, das ist zu emotional", erklärte der Mann aus Kjeller, der auch in Innsbruck eine Wohnung hat. Er verwies darauf, dass es allein darauf angekommen sei, diese eine Chance zu nützen. "Sie kommt nicht wieder. Es gab nur diese eine nach einer Woche des Wartens."

    Norwegischer Doppelsieg

    Svindal fuhr im Mittelteil und unterem Streckenabschnitt ein starkes Rennen, sein Teamkollege Kjetil Jansrud war oben klar voraus. Am Ende kam ein norwegischer Doppelsieg raus. Und damit auch ein Doppelerfolg für den Head-Servicemann, der beide Speed-Stars betreut und für den österreichischen Cheftrainer Christian Mitter. "Es ist bemerkenswert. Wir sind so ein kleines Team und sitzen beide hier. Bei Olympia musst du gut genug für den Fight sein und dann musst du kämpfen", sagte Jansrud, der 2014 in Sotschi Olympia-Gold im Super-G gewann. Svindal hatte 2010 in Vancouver/Whistler den Titel in dieser Disziplin errungen.

    Als ältester Gewinner löste Svindal den Tiroler Mario Matt ab, der 2014 in Sotschi mit 34 zur Slalom-Goldmedaille fuhr. Bei den Damen führt Dorfmeister dieses Ranking mit 32 an, Lindsey Vonn will das in Südkorea toppen. "Ich bin alt, das ist der Anfang vom Ende. Das ist definitiv mein letztes Olympia. Nichts ist hundert Prozent sicher, aber das ist nahe dran", erklärte Svindal, der auch zwei Trophäen für den Gesamtweltcupsieg und fünf WM-Goldmedaillen (zwei in der Abfahrt) daheim hat.

    "Keine Karriere ist jemals komplett"

    Auf die Frage, ob er seine Karriere nun als vervollständigt betrachte, meinte Svindal lachend: "Ich habe nie (die Abfahrt in/Anm.) Kitzbühel gewonnen, deshalb ist es nicht komplett. Keine Karriere ist jemals komplett, du versuchst immer, so viel zu gewinnen, wie du kannst." Er sei einfach sehr glücklich, es sei seit Jahren das erste Mal, dass er im Februar überhaupt noch Ski fahre. "Das ist ein wirklich gutes Timing. Das ist ein spezieller Tag."

    Svindal hat in seiner Karriere bereits viele Verletzungen hinnehmen müssen. 2016 gewann er in Kitzbühel den Super-G, tags darauf stürzte er bei schlechten Sichtverhältnissen in der Abfahrt und zog sich einen Riss des vorderen Kreuzbandes und des Meniskus im rechten Knie zu. 2017 brach er die Saison zwischen Wengen und den Hahnenkammrennen wegen einer neuerlichen und dringend notwendigen Knieoperation ab. "Ich hatte wegen meines Knies ein paar Probleme im Dezember, aber seitdem hat es sehr gut funktioniert", versicherte er in Jeongseon.

    Gratulation von Mayer

    Im Oktober 2014 riss sich Svindal nach dem Skitraining des norwegischen Teams in Sölden bei einem Jux-Fußballspiel die Achillessehne und fiel ein Jahr aus. Im November 2007 war er in Beaver Creek im Abfahrtstraining schwer gestürzt und im Gesicht und am Gesäß operiert worden. Er hatte einen Jochbeinbruch und einen doppelten Nasenbeinbruch sowie eine lange und tiefe Schnittwunde am Gesäß erlitten. Immer wieder kämpfte sich Svindal zurück, immer wieder feierte er große Siege.

    Gratulationen kamen sogleich auch von Matthias Mayer, der als Abfahrts-Olympiasieger abgelöst wurde. "Gratulation an den Olympiasieger, an den Aksel, ich glaube, wenn es wer richtig verdient hat, dann ist es er, wenn man die letzten Jahre so hernimmt. Wirklich großartig", verbeugte sich der Kärntner.

    Da in Jeongseon bereits am Freitag das nächste Rennen für die Herren anstand, war bei Svindal gutes Zeitmanagement gefragt. Am Abend stand ja auch die Medaillenzeremonie auf der eine Stunde entfernten Medal Plaza in der Nähe des Olympiastadions in Hoenggye auf dem Programm.

    Svindal erklärte, Kraft aus diesen Erlebnissen zu gewinnen, das sei die beste Vorbereitung auf den kommenden Tag. "An Tagen wie diesen ist die letzte Sache, dass du auf dem Podium stehst und die Medaille bekommst. Und wenn sie dann die Hymne spielen, ist es getan, ist es perfekt. Und das ist dann das Zeichen, und du beginnst schon während der Hymne an den nächsten Tag zu denken. (APA, 15.2.2018)

    Reaktionen:

    Aksel Lund Svindal (Olympiasieger): "Das ist richtig cool. Es gibt Sachen, die man im Kopf hat, die richtig cool wären. Die sind mehr ein Traum als ein Ziel. Heute ist so ein Tag. Ich habe Riesenrespekt vor dem der den Gesamtweltcup gewinnt, aber für den Augenblick ist das wunderschön. Ich bin richtig glücklich. Diese Olympiade ist noch nicht fertig. Ein bisschen genießen, aber dann muss man sich schon auf morgen konzentrieren. Einen Olympiasieg kann man auch nach drei, vier Tagen noch feiern."

    Kjetil Jansrud (Silbermedaille): "Für uns bedeutet das alles. Wir haben viele Jahre hart gearbeitet als Team. Man muss super zufrieden sein. Manchmal geht es mit Fehlern, manchmal ohne. Ein tolles Erlebnis. Eine Fahrt von uns beiden zusammen wäre weiter vorne. Aber so läuft es nicht."

    Beat Feuz (Bronzemedaille): "Ja, ich glaube es gibt beide Seiten. Auf einer Seite sind die 18 Hundertstel ärgerlich. Aber es sind olympische Spiele, da ist ein Podestplatz etwas Wunderbares. Im Mittelteil nach dem zweiten größeren Sprung bin ich fast am Innenski ausgerutscht. Dort habe ich sicher drei Zehntel verloren, die fehlen mir dann am Ende natürlich.

    Vincent Kriechmayr (als Siebenter bester Österreicher): "Ich bin ganz gut gefahren, glaube ich. Bester Österreicher ist mir egal. Ich wollte um Medaillen kämpfen. Schade, dass es mir und den Kollegen nicht gelungen ist. Gratulation an Aksel. Die letzten Rennen, wo ich meine Leistung abrufen habe können, war ich trotz Fehlern dabei. Ich habe mich im Ziel fast erschrocken. Natürlich ist das bitter, aber morgen ist eine neue Chance. Im Super G waren wir diese Saison stark. Darauf müssen wir aufbauen."

    Matthias Mayer (9.) "Es zipft mich brutal an. Das muss man jetzt abhaken. Im Training hat es gut gepasst. 1,2 Sekunden hinten war ich die ganze Saison nicht, ich muss mir das anschauen, speziell im Mittelteil haben wir sehr viel Zeit verloren. Natürlich habe ich die Verletzung gespürt, ich habe versucht, es so gut wie möglich auszublenden."

    Max Franz (11.): "Ich hab ein bisschen viel Bewegung gehabt. Der Ski hat gezogen. Es ist ein bisschen viel Rückstand. Das zipft mich schon etwas an. Sie (die Medaillengewinner, Anm.) sind sehr gute Teilzeiten gefahren. Jansrud zum Beispiel war im oberen Teil sehr schnell. Aber auch jeder von uns (Österreichern) hat gute Teilzeiten gehabt. Mothl war oben gut dabei, Vincent und ich haben im Mittelteil gut mitgehalten. Es ist auf jeden Fall schade, dass wir heute nicht mitkämpfen haben können. Morgen ist die nächste Chance. Da geht es uns allen gleich: Da wollen wir was mitnehmen."

    Hannes Reichelt (12.): "Ich habe alles gemacht, was ich konnte. Mit so einer Fahrt bei den Klassikern in Wengen oder Kitzbühel bin ich sicher in den Top fünf. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich habe alles getan. Heute kann ich nicht mehr machen. An so einem Tag muss alles zusammen passen. Der Platz ist natürlich nicht zufriedenstellend. Wenn es Passagen gibt, wie die Steilhangausfahrt in Kitzbühel, trennt sich die Spreu vom Weizen, die gibt es hier nicht. Ich mag den Hang aber und gehe mit einem guten Gefühl in den Super G. Neuer Tag, neues Glück."

    Herren-Abfahrt, Donnerstag

    1. Aksel Lund Svindal (NOR) 1:40,25
    2. Kjetil Jansrud (NOR) 1:40,37 +0,12
    3. Beat Feuz (SUI) 1:40,43 +0,18
    4. Dominik Paris (ITA) 1:40,79 +0,54
    5. Thomas Dreßen (GER) 1:41,03 +0,78
    6. Peter Fill (ITA) 1:41,08 +0,83
    7. Vincent Kriechmayr (AUT) 1:41,19 +0,94
    8. Brice Roger (FRA) 1:41,39 +1,14
    9. Matthias Mayer (AUT) 1:41,46 +1,21

    10. Andreas Sander (GER) 1:41,62 +1,37
    11. Max Franz (AUT) 1:41,75 +1,50
    12. Hannes Reichelt (AUT) 1:41,76 +1,51

    • Ein historischer Moment: Aksel Lund Svindal vollendet sein Rennen, das Norwegens erstes Olympiagold in der Abfahrt bringt.
      foto: reuters/kai pfaffenbach

      Ein historischer Moment: Aksel Lund Svindal vollendet sein Rennen, das Norwegens erstes Olympiagold in der Abfahrt bringt.

    • Die drei Besten: Kjetil Jansrud, Aksel Lund Svind und Beat Feuz.
      foto: reuters/leonhard foeger

      Die drei Besten: Kjetil Jansrud, Aksel Lund Svind und Beat Feuz.

    • Svindal am Ziel, Svindal ganz oben.
      foto: apa/ap/luca bruno

      Svindal am Ziel, Svindal ganz oben.

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