Wiens einzige Psychiatrie für Häftlinge wird vorerst nicht geschlossen

    14. Februar 2018, 16:33
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    Die Forensik im Otto-Wagner-Spital hätte Ende 2017 abgesiedelt werden sollen, kurzfristig wurde um ein Jahr verlängert. Die Zukunft der Einrichtung ist unklar

    Wien – Der Aufschrei im vergangenen Jahr war groß: Spätestens Ende 2017 sollte die forensische Akutpsychiatrie im Pavillon 23 des Otto-Wagner-Spitals geschlossen werden. Das ist die einzige spezialisierte Abteilung Wiens für psychiatrisch akut erkrankte Untersuchungshäftlinge sowie Strafgefangene. In dieser Station mit zwölf Betten war unter anderem jener psychisch kranke Mann untergebracht, der im Mai 2016 eine Frau am Brunnenmarkt erschlagen hatte. Kritiker sahen die Versorgung von akutpsychiatrischen Patienten aus dem Maßnahmenvollzug gefährdet: Diese könnten nicht an allgemeinen psychiatrischen Stationen in den Wiener Gemeindespitälern behandelt werden.

    Vertrag kurzfristig um ein Jahr verlängert

    Nach STANDARD-Informationen wurde die Forensik im Pavillon 23 aber nicht geschlossen. Der Versorgungsvertrag zwischen dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) und dem zuständigen Justizministerium, der Ende 2017 ausgelaufen wäre, wurde kurzfristig um ein Jahr verlängert, sagte eine KAV-Sprecherin. Weiterführende Gespräche mit dem Justizministerium sollen "heuer im Sommer fortgesetzt werden". Laut dem städtischen Spitalsträger KAV ist vorgesehen, die Abteilung für Forensische Akutpsychiatrie bis 2023 am Standort Otto-Wagner-Spital zu belassen, wie es in einer Stellungnahme heißt.

    Der gemeinnützige Bauträger Gesiba, der zu 99,97 Prozent im Eigentum der Stadt Wien steht, sieht das freilich anders. Denn eigentlich hätte die Gesiba laut einem bestehenden Vertrag mit dem KAV schon Ende 2017 den leeren Pavillon 23 übergeben bekommen sollen. Der Bauträger will das Gebäude sanieren und für Wohnungen und eine WG für gehandicapte Menschen, die auf Betreuung angewiesen sind, umfunktionieren. "Der KAV ist aber an uns herangetreten, ob man die Gebäudeübergabe noch verschieben kann", sagte Gesiba-Generaldirektor Ewald Kirschner.

    Plan für Wohnungen steht

    Die Gesiba habe dieser Interimslösung zugestimmt, "Ende 2018, Mitte 2019" soll die Übergabe aber stattfinden. Kirschner: "Wir beplanen schon den Pavillon 23 mit Wohnungen."

    Im Justizministerium wird bestätigt, dass die Forensik vorerst bis Ende 2018 am Standort Otto-Wagner-Spital verbleiben wird. Wie es danach weitergeht, sei noch nicht fix. "Wir führen mit dem KAV und anderen Krankenanstaltenträgern laufend Gespräche", sagte Ministeriumssprecherin Britta Tichy-Martin. Man sei bemüht, eine weitere Lösung in Wien zu finden. Falls nicht, sei auch eine Kooperation mit Spitalsträgern in anderen Bundesländern eine Alternative.

    Otto-Wagner-Spital wird komplett abgesiedelt

    Die Unterbringung von akutpsychiatrischen Patienten aus dem Maßnahmenvollzug im Otto-Wagner-Spital ist nur eine temporäre Lösung: Wie berichtet, plant die Stadt, den medizinischen Betrieb in den nächsten Jahren komplett abzusiedeln. Das Spital auf dem Steinhof-Areal in Wien-Penzing ist mehr als 100 Jahre alt, große Teile der Gebäude sind denkmalgeschützt.

    Das Pflegezentrum des Otto-Wagner-Spitals etwa wird bis Mitte dieses Jahres geschlossen. Zudem werden laut KAV ebenfalls noch heuer zwei weitere psychiatrische Abteilungen in das Krankenhaus Hietzing übersiedeln. "Danach erfolgen die Übersiedlungen ins KH Nord", heißt es.

    Die Nachnutzung des weitläufigen Areals durch die Stadt bleibt hingegen weiter unklar. Fix ist nur, dass die Gesiba 160 bis 170 neue Wohnungen errichten wird. 60 bis 80 Wohnungen sollen in fünf alten Pavillons entstehen. (David Krutzler, 14.2.2018)

    • Die Stadt Wien plant, den medizinischen Betrieb des Otto-Wagner-Spitals auf dem Steinhof-Areal in den nächsten Jahren komplett abzusiedeln.
      foto: heribert corn

      Die Stadt Wien plant, den medizinischen Betrieb des Otto-Wagner-Spitals auf dem Steinhof-Areal in den nächsten Jahren komplett abzusiedeln.

    • Vorerst bleibt die Forensik im Pavillon 23 aber bestehen.
      foto: karin berger / berger.wien@outlook.com

      Vorerst bleibt die Forensik im Pavillon 23 aber bestehen.

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