Festspiele Erl klagen Blogger als Reaktion auf anonyme Vorwürfe

    14. Februar 2018, 18:10
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    In Markus Wilhelms Blog ist von Lohndumping, Korruption und "modernem Sklaventum" die Rede. Tirol sieht die Arbeitsverträge "innerhalb des kollektivvertraglichen Rahmens"

    Wien/Erl – Es ist eine üppige Ansammlung anonymer Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele Erl, die auf der Homepage dietiwag.org von Blogger Markus Wilhelm zu finden sind: In deftigen Worten werden unter anderem geringe Entlohnung von Musikern aus dem Osten, ausufernde Probenphasen und ein eher autoritäres Verhalten seitens des Festivalchefs und Dirigenten Gustav Kuhn angeprangert.

    Blogger Wilhelm schreibt: "Was so im Raum steht, im Bühnenraum und im Probenraum: Verdacht auf Lohndumping, Lohnwucher, Scheinselbstständigkeit, Abgabenhinterziehung, Verstoß gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz, Arbeitsverfassungsgesetz, Arbeitszeitgesetz, Arbeitsruhezeitgesetz, Urlaubsgesetz, auf Umgehung des Dienstvertrages, Aushebelung des Urheberrechtsgesetzes, Verdacht auf Korruption und Parteienfinanzierung."

    Genau dieser finale Verdacht, so Erl-Sprecherin Angelika Ruge, veranlasst die Festspiele nun zu reagieren: "Wir werden wegen dieser Vorwürfe rechtliche Schritte gegen Herrn Wilhelm in die Wege leiten", meint sie zum STANDARD. Darüber hinaus würde man "zu Herrn Wilhelm nicht Stellung nehmen", so Ruge bezogen auf die anderen Vorwürfe.

    "Nicht relevant"

    In Erl ist man der Meinung, der Blogeintrag diskreditiere sich selbst. Er basiere ausschließlich auf anonymen Kommentaren und Quellen und sei "nicht relevant". In Erl gebe es ja auch Recherchemöglichkeiten: Jeder, der wolle, sei "herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild etwa vom Probengeschehen bei den Festspielen zu machen", so die Sprecherin.

    Kulturlandesrätin Beate Palfrader erklärte in einer ersten Reaktion gegenüber der APA, sie kenne die Vorwürfe noch nicht, da sie den Wilhelm-Blog grundsätzlich nicht lese. Das Land Tirol habe etwa auch keinen Einblick in die Arbeitsverträge bei den Festspielen Erl, so Palfrader. Sie verwies darauf, dass das Land seit vergangenem Jahr nicht mehr Gesellschafter, sondern Stifter sei.

    Laut einer späteren Reaktion Palfraders gegenüber der APA sieht das Land Tirol die Arbeitsverträge in Erl "innerhalb des kollektivvertraglichen Rahmens". Nach einem anonymen Hinweis habe es schon einmal eine Prüfung durch Tiroler Gebietskrankenkasse und Finanzpolizei gegeben. Dabei seien "alle Vorwürfe entkräftet" worden. Zu den weiteren veröffentlichten Anschuldigungen, etwa gegen den Künstlerischen Leiter Gustav Kuhn, wollte sich Palfrader nicht äußern. Dies sei Sache der Geschäftsführung der Festspiele.

    Land Tirol nicht mehr Gesellschafter

    Im Vorjahr war die Tiroler Festspiele Erl Gemeinnützige Privatstiftung gegründet worden. Dabei handelt es sich um eine Private-Public-Partnerschaft zwischen der Republik Österreich, dem Land Tirol, der Strabag, dem Verein der Tiroler Festspiele Erl und der Haselsteiner Privatstiftung. Die Privatstiftung des Industriellen Hans Peter Haselsteiner ist alleiniger Gesellschafter. Zuvor hatte das Land 51 und der Verein Tiroler Festspiele Erl 49 Prozent gehalten.

    Wilhelm ließ den STANDARD wissen: "Auf diese Auseinandersetzung freue ich mich. Das bisher Berichtete ist nämlich erst die Spitze des Eisbergs." (toš, 14.2.2018)

    • Es gibt anonyme Kritik an Gustav Kuhn und seinen Festspielen Erl.
      foto: apa

      Es gibt anonyme Kritik an Gustav Kuhn und seinen Festspielen Erl.

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