Penz/Fischler holen Silber im Doppelsitzer

    14. Februar 2018, 14:26
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    Die Olympia-Debütanten Steu/Koller landen auf Platz vier, Gold und Bronze gehen an Deutschland

    Alpensia/Pyeongchang – Ausgerechnet auf jener Bahn, die ihm nach eigenen Worten gar nicht so gut liegt, hat Peter Penz mit seinem Partner Georg Fischler Silber gewonnen. Die Tiroler mussten am Mittwoch in Pyeongchang nur den Deutschen Tobias Wendl und Tobias Arlt um 0,088 Sekunden den Vortritt lassen, die sich wie zuvor die Brüder Andreas und Wolfgang Linger zu Zweifach-Olympiasiegern kürten. Für die deutschen Weltmeister Toni Eggert/Sascha Benecken blieb nur Rang drei. Diese Reihung war schon nach dem ersten Lauf gegeben, der zweite hat natürlich trotzdem stattgefunden.

    Das Vertrauen in das neue Material, das die ÖRV-Techniker unter Leitung von Tobias Schiegl erarbeitet hatten, erwies sich wie beim vergoldeten David Gleirscher auch für die Doppelsitzer als Erfolgsgarant. Dank der Entwicklungen der letzten Jahre wurde sogar die mit ungleich größeren Mitteln arbeitende deutsche Technik-Schmiede FES annähernd eingeholt.

    Ein Genuss

    "Wir haben probiert, dass wir die gleiche Qualität haben, Tobias war da sehr dahinter", sagte Penz. Das habe sich bei ihnen erst etwas später ausgewirkt als im Einsitzer. "Darum haben wir uns voriges Jahr noch schwergetan. Aber diese Saison haben wir die Sicherheit gefunden. Das Material läuft zu hundert Prozent. Wir haben viel Spaß, dass wir vorne mitfahren können. Denn das ist nicht selbstverständlich, besonders nach der schweren Herzmuskelentzündung von Georg im Vorjahr. Deshalb genießen wir es", sagte der 33-jährige Penz. Die Tiroler waren in ihrer Karriere lange im Schatten der Brüder Linger gestanden. Im Weltcup gelangen bisher vier Siege gegen die deutsche Übermacht, doch zehn Medaillen bei Großereignissen zeugen von Beständigkeit. Den einzigen Titel gab es bei der EM 2012.

    Der Gewinn von Silber im Eiskanal in Pyeongchang war für die Väter von je zwei Kindern eine Belohnung und auch eine Genugtuung. "Wir hatten mit Olympia noch eine Rechnung offen. Aber die ist nicht einfach zu begleichen", sagte Penz. Aus der Niederlage von 2014 – damals gab es nach dem dritten Halbzeitrang den Rückfall auf den stockletzten Platz – hätten sie auch menschlich viel gelernt. Der 32-jährige Fischler sagte vier Jahre später in Südkorea: "Es ist auf jeden Fall der bisher schönste Erfolg. So richtig haben wir es beide noch nicht realisiert. Es ist einfach was Besonderes, man hat einfach so lange darauf gewartet, und es ist auch schon einmal schief gegangen, einmal waren wir nicht qualifiziert davor. Es war ein extrem langer, harter Weg für uns. Diese Medaille tut richtig, richtig gut. "

    Sehr guter Vierter

    Thomas Steu und Lorenz Koller, sie sind U23-Weltmeister, tat der sehr gute, aber unbedankte vierte Platze eher weh, sie werden weiter arbeiten. Steu sagte: "Mit der Platzierung bin ich schon sehr zufrieden, aber es ist halt leider nur der Vierte. Wir wussten, dass wir Vierter werden können, wenn wir unsere Leistung in beiden Läufen bringen können. Es hätte schon ein anderer verhauen müssen, damit wir weiter nach vorne kommen, aber es passt so. Das haben sie sich verdient."

    Sportdirektor Markus Prock, von der sensationellen Goldmedaille des David Gleirscher immer noch hellauf begeistert, strahlte wie ein Reaktor: "Ich bin wirklich sehr zufrieden, zweiter, vierter Platz, was will man mehr! Die zweite Medaille für den österreichischen Rodel-Verband, ein Traum. Wir haben morgen noch Großes vor, eine Teammedaille, die ist in Reichweite, wenn alles passt. Gleirscher, Penz/Fischler und Madeleine Egle werden deshalb früh schlafen gehen."

    Morgen ist bereits heute, gestartet wird die Staffel um 13.30 Uhr. Gold dürfte für Deutschland reserviert sein, dahinter ist aber ausreichend Platz vorhanden. Penz und Fischler sowie Gleirscher gehen ganz entspannt und selbstbewusst in den Wettkampf, sie wollen Frau Egle den Druck nehmen, Prock: "Schließlich sind sie früh schlafen gegangen." (red, APA, 14.2.2018)

    Reaktionen (via ORF):

    Peter Penz (AUT/Olympia-Zweiter): "Das war ein eindeutig perfekter Tag. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen für uns zwei. Wir sind überwältigt. Wir sind heute super gestartet, oben runter richtig in den Rhythmus gekommen. Ich muss ganz ehrlich sein, ich bin nicht voll gefahren. Wenn wir im Zweiten voll angegriffen hätten, dann wäre sogar mehr möglich gewesen."

    Georg Fischler (AUT/Olympia-Zweiter): "Es waren auf jeden Fall teilweise harte Jahre für uns dabei, dieser Erfolg tut nun richtig, richtig gut. Nach unserem Sturz in Winterberg sind wir jedes Rennen gut gefahren. Da haben wir uns so ein Selbstvertrauen aufgebaut, das ist uns heute sicher zugutegekommen. Wir schauen schon kurz ins Ö-Haus, auf ein Glaserl zum Anstoßen. Aber das Ziel ist natürlich, morgen noch einmal voll angreifen und dann schauen, was dabei rauskommt."

    Thomas Steu (AUT/4.): "Mit der Platzierung bin ich schon sehr zufrieden, aber es ist halt leider nur der Vierte. Wir wussten, dass wir Vierter werden können, wenn wir unsere Leistung in beiden Läufen bringen können. Es hätte schon ein anderer verhauen müssen, damit wir weiter nach vorne kommen, aber es passt so. Das haben sie sich verdient."

    Lorenz Koller (AUT/4.): "Wir hätten auf einen Patzer hoffen müssen, die anderen drei fahren einfach in einer anderen Liga zurzeit. Wir müssen jetzt einfach weiterarbeiten und schauen, dass wir da auch einmal hinkommen."

    Markus Prock (ÖRV-Sportdirektor): "Ich bin sehr zufrieden, zweiter, vierter Platz, was will man mehr. Die zweite Medaille für den Österreichischen Rodelverband, ein Traum. Wir haben morgen noch Großes vor, eine Teammedaille, die ist in Reichweite, wenn alles passt. David Gleirscher, Penz/Fischler und Madeleine Egle werden deshalb früh schlafen gehen."

    Rodeln, Doppelsitzer (Endstand nach zwei Läufen):

    1. Tobias Wendl/Tobias Arlt (GER) 1:31,697 (45,820 Sekunden/45,877)
    2. Georg Fischler/Peter Penz (AUT) 0,088 Sekunden zurück (45,891/45,894)
    3. Toni Eggert/Sascha Benecken (GER) +0,290 (45,931/46,056)
    4. Thomas Steu/Lorenz Koller (AUT) +0,587 (46,172/46,112)
    5. Tristan Walker/Justin Snith (CAN) +0,672 (46,134/46,235)
    6. Andris Sics/Juris Sics (LAT) +0,745 (46,336/46,106)
    7. Ivan Nagler/Fabian Malleier (ITA) +0,866 (46,320/46,243)
    8. Justin Krewson/Andrew Sherk (USA) +0,955 (46,310/46,342)
    9. Park Jin-Yong/Cho Jung-Myung (KOR) +0,975 (46,396/46,276)
    10. Matthew Mortensen/Jayson Terdiman (USA) +0,990 (46,244/46,443).

    Österreichs Medaillengewinne im Rodeln:

    GOLD (6):

    1964 Innsbruck:
    Josef Feistmantl/Manfred Stengl (Doppelsitzer)

    1968 Grenoble:
    Manfred Schmid (Einsitzer)

    1992 Albertville:
    Doris Neuner (Einsitzer)

    2006 Turin:
    Andreas Linger/Wolfgang Linger (Doppelsitzer)

    2010 Vancouver:
    Andreas Linger/Wolfgang Linger (Doppelsitzer)

    2018:
    Pyeongchang David Gleirscher (Einsitzer)

    SILBER (8):

    1964 Innsbruck:
    Reinhold Senn/Helmut Thaler (Doppelsitzer)

    1968 Grenoble:
    Manfred Schmid/Ewald Walch (Doppelsitzer)

    1992 Albertville:
    Markus Prock (Einsitzer)

    1992 Albertville:
    Angelika Neuner (Einsitzer)

    1994 Lillehammer:
    Markus Prock (Einsitzer)

    2010 Vancouver:
    Nina Reithmayer (Einsitzer)

    2014 Sotschi:
    Andreas Linger/Wolfgang Linger (Doppelsitzer)

    2018 Pyeongchang:
    Peter Penz/Georg Fischler (Doppelsitzer)

    BRONZE (7):

    1964 Innsbruck:
    Helene Thurner (Einsitzer)

    1976 Innsbruck:
    Rudolf Schmid/Franz Schachner (Doppelsitzer)

    1980 Lake Placid:
    Georg Fluckinger/Karl Schrott (Doppelsitzer)

    1992 Albertville:
    Markus Schmidt (Einsitzer)

    1994 Lillehammer:
    Andrea Tagwerker (Einsitzer)

    1998 Nagano:
    Angelika Neuner (Einsitzer)

    2002 Salt Lake City:
    Markus Prock (Einsitzer)

    • Man kennt das Bild: Eine österreichische Rodel-Jubeltraube.
      foto: reuters/edgar su

      Man kennt das Bild: Eine österreichische Rodel-Jubeltraube.

    • Peter Penz verliert die Bodenhaftung.
      foto: apa/ap/wong

      Peter Penz verliert die Bodenhaftung.

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