Olympia 2018: Guckt wieder kein Schwein

    13. Februar 2018, 17:58
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    In den Eishallen an der Küste wird schon zugeschaut. Oben aber, in den saukalten und schneidend böigen Bergen, sieht das deutlich anders aus. Nur jene Athleten und Athletinnen, die das eh gewohnt sind aus ihrem Wettkampfalltag, sprechen nicht von Geisterspielen

    Pyeongchang – Der begnadete Zeichendichter beziehungsweise Dichterzeichner Friedrich K. Waechter hat einst eine Graugans in einem fest zugeschnürten Schuh kopfstehen lassen und ihr die Denkblase "Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein" hingezeichnet. Tatsächlich aber stand, recht weit hinten, ja, eine erstaunte Sau, der die Sprechblase entfuhr: "Toll!" Ungefähr so was spielt sich zurzeit bei den olympischen Outdoorbewerben ab.

    "Ich möchte jetzt nicht das Wort Trauerspiel in den Mund nehmen", nahm etwa der deutsche Biathlon-Bundestrainer Gerald Hönig das Wort Trauerspiel in den Mund. Um aber umgehend Verständnis zu zeigen: "Was hat Korea mit Wintersport zu tun?"

    Hallenpräferenz

    Na ja: Die Hallen sind durchaus gefüllt. Die Eissportarten haben in Korea Tradition. Unten, im sogenannten Coastal Cluster Gangneung bei den Eisstadien, sieht es also besser aus. Bei den Shorttrackern etwa peitschen die Koreaner ihre Helden und Heldinnen vorwärts. Beim Eisschnelllauf heizt die niederländische Brassband Kleintje Pils ein.

    Eishockey ist auch ganz ordentlich besucht, allerdings nicht so, wie das lokale Organisationskomitee POCOG es zu verkaufen versucht. Dessen Sprecher Sung Baik-you vermeldete beispielsweise das erste Spiel des vereinten koreanischen Fraueneishockeyteams als ausverkauft.

    Tatsächlich waren trotz des historischen Ereignisses nur 3600 der 6000 Plätze besetzt. Sungs Begründung: Viele Zuschauer seien wohl in den Gängen gewesen. Das ist beim Opernball nicht viel anders, und dort wird nicht einmal eisgelaufen.

    Oben in den Bergen, wo Österreichs goldene Rodler rodeln oder stürzen, Österreichs goldene Kombinierer kombinieren, Österreichs Nordische performen, ist die Zuschauerfrequenz ganz besonders übersichtlich. Allerdings ist es dort auch so kalt und windig, dass es bis in die heimatlichen Fernsehzimmer noch zu fühlen ist. Minus 18 Grad, böig schneidender Wind, endlose Springbewerbe – viele Athleten wissen, auch Koreaner sind nur Menschen, denen es kalt ist, wenn es kalt ist.

    Leere Siegerehrungen

    Offiziell waren am Montag an allen Wettkampfstätten insgesamt 57.000 Zuschauer zugegen, die Gesamtauslastung der Spiele liege bei 85 Prozent (von insgesamt 1,1 Millionen Tickets). Dies verträgt sich nur unter allerlei Verrenkungen mit dem subjektiven Eindruck: Im Jeongseon Alpine Center sollen die Tribünen angeblich 6000 Menschen fassen, mehr als ein paar hundert waren bisher nie da. Im Phoenix Snow Park bei den Snowboardern sind die Plätze höchstens zur Hälfte besetzt.

    Besonders wenige kommen zu den Siegerehrungen. Das Organisationskomitee hat darauf reagiert. Ein Sprecher kündigte an, dass für Besuche nach 17 Uhr (9 Uhr hierzulande) im olympischen Park von Pyeongchang kein Eintrittsgeld mehr genommen werde. Bislang kostete das diesbezügliche Adabeisein 1,50 Euro. Saukalt ist es allerdings weiterhin.

    Besser haben es die, die ansonsten eh weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihr Werk vollbringen. Die Skisprung-Damen etwa. Die silberne Deutsche Katharina Althaus "fand die Stimmung echt gut. Im Weltcup sind es viel weniger Zuschauer." Vielleicht 1000 Versprengte waren an der Schanze, auf der die Österreicherinnen von den Medaillenrängen eher weiter entfernt gewesen sind.

    Ab Donnerstag soll es sich zumindest meteorologisch verbessern, wenigstens der Wind nachlassen. Kann sein, dass dann mehr kommen. Kann aber auch sein, dass wieder kein Schwein guckt. (sid, wei, 13.2.2018)

    • Ein Publikumsmagnet ist Olympia bisher nicht. Kälte, Wind oder anderweitige Interessen füllen die Tribünen nur spärlich.
      foto: reuters/mike segar

      Ein Publikumsmagnet ist Olympia bisher nicht. Kälte, Wind oder anderweitige Interessen füllen die Tribünen nur spärlich.

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