Wilhelm Brauneder, Professor für Rechtsgeschichte und rechte Geschichte

13. Februar 2018, 17:37
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In der Person Wilhelm Brauneders holen sich die Freiheitlichen einen Gesinnungsfreund, der sich immer wieder als unabhängiger Denker und Kritiker erwiesen hat

Wien – Sein Geschichtsbild, sein Österreich-Bild, sein Europabild und sein Weltbild haben durchaus eine schwarz-rot-goldene Färbung – und für sein Selbstverständnis braucht Wilhelm Brauneder auch keine Burschenschaft. Er gehört zu jener Generation von Freiheitlichen, die sich dem dritten Lager zugehörig fühlen, ohne sich allzu eng an die FPÖ und ihre (oft opportunistisch wechselnden) Positionen zu binden. Und seine Sympathien für das Deutsche an sich sind, anders als bei vielen anderen Freiheitlichen, wohlfundiert: Brauneders berufliche Kernkompetenz ist die deutsche Rechtsgeschichte.

Die Burschenschafterfarben Schwarz-Rot-Gold zieren auch das Titelbild eines Buches, das Brauneder im Jahr 2000 veröffentlichte. Als Coverillustration für "Deutsch-Österreich 1918, Die Republik entsteht" (Amalthea) wählte Brauneder ein vom ebenfalls deutschnational geprägten Republikgründer und Sozialdemokraten Karl Renner in Auftrag gegebenes Gemälde, das die Demonstrationen in der Herrengasse im Oktober 1918 mit ihren schwarz-rot-goldenen Fahnen zeigt – drinnen im Landhaus hatten sich die deutschsprachigen Abgeordneten versammelt, um den Übergang von der Monarchie zur Republik zu organisieren.

Deutschtümelei abgelehnt

Als Jörg Haider in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre versuchte, den Einfluss der Burschenschafter in der FPÖ zurückzudrängen und gegen Deutschtümelei auftrat, sagte Brauneder mit der ihm eigenen professoralen Freundlichkeit, dass auch er von Tümelei nichts halte – "so wie es eben ein Unterschied ist, ob jemand fromm ist oder ob jemand frömmelt".

Zu diesem Zeitpunkt war Brauneder auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere: 1943 in eine bürgerliche Familie in Mödling hineingeboren, studierte er Jus, wurde Assistent beim Rechtshistoriker Werner Ogris und habilitierte sich 1972 mit einer Arbeit zur Entwicklung des Ehegüterrechts in Österreich.

Im liberalen Atterseekreis

In jenen Jahren gehörte der junge Jurist zeitweise dem Atterseekreis an, einer losen Verbindung junger Liberaler rund um den späteren FPÖ-Chef und Vizekanzler Norbert Steger, den später zum Liberalen Forum gewechselten Friedhelm Frischenschlager und den späteren FPÖ-Klubobmann und Haider-Gegenspieler Norbert Gugerbauer. In die FPÖ trat er allerdings erst zwei Jahrzehnte später ein – da hatte ihn Gugerbauer schon in einen außenpolitischen Arbeitskreis und die Badener FPÖ-Stadtpartei in den Stadtrat geholt.

Seine Kritiker warfen ihm schon damals vor, nicht nur Rechtsgeschichte zu erforschen und zu lehren (Brauneder hat die "Österreichische Verfassungsgeschichte" geschrieben, die seit 1976 als Standardwerk gilt), sondern auch rechte Umtriebe zu dulden, wenn nicht gar zu fördern.

Rechtsextreme Umtriebe an der Uni

Ein Anlass dafür war eine vom Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) organisierte Veranstaltung auf dem Boden der Uni Wien, bei der der deutsche Rechtsextremist Reinhold Oberlercher im November 1987 seine Herrenmenschenthesen verbreiten durfte. Im Publikum war damals unter anderem Gottfried Küssel. Im Dekanat der juridischen Fakultät: Wilhelm Brauneder, dem vorgeworfen wurde, den Auftritt nicht unterbunden zu haben. Sehr wohl aber hat sich Brauneder von der Veranstaltung und ihren Inhalten distanziert.

Ähnlich hielt er es mit den Texten aus seiner Feder, die in der rechtslastigen "Aula" publiziert worden sind: Keiner dieser Beiträge sei original für die "Aula" verfasst worden – vielmehr seien es Nachdrucke von Fachbeiträgen in Fachpublikationen. Und zu deren Inhalten könne er vorbehaltlos stehen.

Mitteleuropa mit Deutschland

Dazu gehört auch, dass Brauneders Mitteleuropabegriff (anders als etwa jener von Erhard Busek, der sich ebenfalls seit den frühen 1980er-Jahren des Themas angenommen hat) weit über die Grenzen der ehemaligen österreich-ungarischen Monarchie hinausreicht: Für ihn gehört da auch ganz Deutschland dazu, was seinerzeit sowohl DDR als auch BRD umfasst hat.

Das hörte man in manchen freiheitlichen Kreisen gern, Brauneder wurde 1994 von Jörg Haider eine Nationalratskandidatur angeboten. Und als nach der nächsten, schon 1995 angesetzten Wahl der bisherige Dritte Präsident Herbert Haupt (wegen seines Auftritts beim SS-Veteranentreffen auf dem Ulrichsberg) durchgefallen war, nominierte Haider den renommierten Rechtsprofessor. Er fand für seine Vorsitzführung und seine Gesprächsbereitschaft mit Andersdenkenden breite Anerkennung. Außer in der FPÖ, die ihn seit 1999 nicht mehr an wählbare Stelle gereiht hat.

Kritik an Amtsnachfolger Martin Graf

Seine Partei hat er weiterhin kritisch begleitet. Als einer seiner Amtsnachfolger, der Dritte Präsident Martin Graf, wegen einer umstrittenen Stiftungskonstruktion in die Schlagzeilen geriet, reihte sich Brauneder in die Reihen der Kritiker ein. Im ORF sagte er: "Grundsätzlich finde ich, ist das einer dieser negativen Meilensteine auf dem Weg, dass die Politiker, manche Politiker, immer geringere Hemmschwelle haben was so, sagen wir mal, Nebentätigkeiten betrifft. Und das finde ich gerade bei freiheitlichen Politikern bedauerlich, denn die stehen in einer, kann man sagen, besonderen Weise unter Beobachtung." (Conrad Seidl, 13.2.2018)

  • Freiheitlicher Freigeist, nicht immer auf FPÖ-Linie: Wilhelm Brauneder vor einer Mozart-Statue im Palais Palffy.
    foto: apa/herbert neubauer

    Freiheitlicher Freigeist, nicht immer auf FPÖ-Linie: Wilhelm Brauneder vor einer Mozart-Statue im Palais Palffy.

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