Mnozil Brass: Blödeln mit perfektem Ansatz

13. Februar 2018, 15:43
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Das Programm "Cirque" bietet einen Mix aus Musikstilen zwischen Klassik, Folklore und Pop

Spielen können sie. Es hieße Geigen nach Wien zu tragen, wenn man betonen wollte, wie groß das Können von Mnozil Brass ist – gerade dann, wenn man über einen Abend im Konzerthaus spricht, einen Steinwurf von jenem Lokal in der Seilerstätte entfernt, wo die Blechbläser 1992 zusammenfanden. Längst haben sie alle Karriere gemacht, spielen in erlesenen Ensembles, bekleiden akademische Ämter – und haben sich doch Respektlosigkeit und den Hang zum Blödeln bewahrt. Cirque heißt ihr Programm, denn spielen wollen die sieben noch in anderem Sinne: mit ihrem Mix aus Musikstilen zwischen Klassik, Folklore und Pop, aber auch bei der Performance.

So fein sie zu musizieren vermögen – etwa in den delikaten melancholisch-zarten Passagen –, so sehr greifen sie in die Kiste des Brachialhumors und zeigen sich nicht wählerisch. Frontman Thomas Gansch ist kein musikalischer Gag zu flach, wenn er die aberwitzigsten Instrumente einsetzt. Und wenn Roman Rindberger als Zauberkünstler mit gar offensichtlichen Kunststückchen in Erscheinung tritt, ist das ein Spiel mit dem Anti-Witz. Jeder muss für sich entscheiden, ob er trotzdem oder deshalb (nicht) lacht.

Grell agiert Robert Rother als Pausenclown, konterkariert von Leonhard Paul als Clown. Während Wilfried Brandstötter im Sakko mit Tigerschweif durch nicht vorhandene Ringe springt, mimt Zoltán Kiss den Mechaniker und den Putzmann (einmal, politisch inkorrekt, als seine Reize bei einer Verkehrskontrolle durch "Polizist" Gerhard Füßl hervorkehrendes Frauenklischee). Musikalisch virtuos wie eh und je, ist die Show temporeich und gleichzeitig mitunter so plump wie manche Witze. Die Lacher geben der Band allerdings recht – und das wird wohl auch bei der USA-Tournee so sein. (daen, 13.2.2018)

In Österreich wieder am 12.4. in Linzer Musiktheater.

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