Studie: An lernenden Maschinen führt kein Weg vorbei

13. Februar 2018, 13:47
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Bis 2030 soll künstliche Intelligenz das BIP weltweit um 14 Prozent erhöhen. Die größten Auswirkungen erwartet PwC in China und Nordamerika

Wien – Vom persönlichen Assistenten am Smartphone bis zur Analyse großer Datenmengen – bisher hat künstliche Intelligenz, also im Grunde denkende und lernende Maschinen, erst in Teilbereiche des Wirtschaftslebens Einzug gehalten. Das soll sich laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC rasch ändern und diese Technologie bis zum Jahr 2030 zum entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes werden.

Demnach wird künstliche Intelligenz binnen zwölf Jahren die Hälfte aller wirtschaftlichen Zuwächse weltweit einfahren. Anders ausgedrückt soll sich die globale Wirtschaftsleistung dadurch um 14 Prozent erhöhen – das wäre ein Plus von 15,7 Billionen Dollar, was mehr als dem derzeitigen BIP von China und Indien zusammen entspricht.

"Während einige Märkte und einzelne Geschäftsbereiche weiter fortgeschritten sind als andere, befindet sich künstliche Intelligenz derzeit noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase", sagt Gerald Dipplinger, Partner bei PwC Österreich. Allerdings kann sich aus seiner Sicht trotzdem keine Branche deren Einfluss entziehen, denn die Auswirkungen auf die Produktivität können Märkte umkrempeln. "Unternehmen, die künstliche Intelligenz nicht einsetzen, könnten in puncto Durchlaufzeiten, Kosten und Erfahrungen rasch zurückfallen und als Folge daraus wesentliche Marktanteile verlieren", hebt Dipplinger hervor.

Chancen für Schwellenländer

Das mit Abstand größte Potenzial für die Technologie ortet die PwC-Studie in China, wo sich alleine durch künstliche Intelligenz die Wirtschaftsleistung in den nächsten zwölf Jahren um 26 Prozent erhöhen soll. "Aus makroökonomischer Sicht bieten sich daher besonders Chancen für Schwellenländer, besser entwickelte Pendants zu überspringen", folgert Dipplinger aus dieser Prognose und gibt zu bedenken: "Ein heutiges Start-up oder ein noch nicht gegründetes Unternehmen könnte in zehn Jahren bereits Marktführer sein."

In Nordamerika soll der BIP-Zuwachs durch intelligente Maschinen bis 2030 fast 15 Prozent betragen, in den entwickelten Ländern Asiens und in Nordeuropa rund zehn und in Südeuropa knapp zwölf Prozent. Abgeschlagen in der Prognose liegen die Entwicklungsländer in Lateinamerika und Afrika sowie anderen Teilen Asiens. Wegen des zu erwartenden geringeren Einsatzes künstlicher Intelligenz wird der Zuwachs an Wirtschaftsleistung lediglich auf sechs Prozent geschätzt.

Unter den Branchen soll das Gesundheitswesen wegen der Auswirkungen von datenbasierter Diagnoseunterstützung, Erkennung von Pandemien oder Bilddiagnostik am stärksten profitieren. Aber auch Finanzdienstleister und der Einzelhandel sollen überdurchschnittlichen Nutzen aus der Entwicklung ziehen. Allerdings sollten sich grundsätzlich alle Unternehmen mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzen, sagt Dipplinger. Denn mit deren Hilfe könnten sich alle Firmen einen Mehrwert verschaffen. (aha, 13.2.2018)

  • Einer der Vorreiter in Sachen künstliche Intelligenz ist der IBM-Supercomputer Watson, der im Jahr 2011 seinen menschlichen Konkurrenten bei der beliebten US-Quizshow "Jeopardy!" das Fürchten lehrte.
    foto: ap photo/seth wenig

    Einer der Vorreiter in Sachen künstliche Intelligenz ist der IBM-Supercomputer Watson, der im Jahr 2011 seinen menschlichen Konkurrenten bei der beliebten US-Quizshow "Jeopardy!" das Fürchten lehrte.

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