Billiger und schneller da: Komplett-PCs als Rettungsanker für Gamer?

    13. Februar 2018, 09:17
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    Ein Blick auf das Angebot zeigt, dass in manchen Fällen relevante Ersparnis möglich ist

    Wer eine einigermaßen leistungsfähige Gaming-Grafikkarte möchte, darf sich aktuell wochen- bis monatelang anstellen oder muss einen saftigen Aufpreis für lagernde Karten hinblättern. Ärgerlich, wenn man sich dieser Tage einen neuen Spielerechner zusammenbauen möchte. Aufgrund der Preissituation – auch RAM-Riegel sind aktuell nicht gerade günstig – sollte man ohnehin noch zuwarten.

    Wenn es allerdings drängt, weil die aktuelle "Kiste" den Geist aufgegeben hat und man etwas Performance braucht, könnten sich Komplett-PCs dieser Tage als Rettungsanker erweisen. Die Preise der vorkonfigurierten Systeme sind offenbar nicht überall im selben Ausmaß gestiegen, wie folgende Rechenbeispiele zeigen.

    Guter Deal für Radeon/Ryzen-Kombination

    Bei Amazon findet sich etwa ein Desktop-Rechner unter dem Namen "HP Pavilion Power" im Sortiment (Modellnummer 580-151ng), der für 836 Euro verkauft wird. Wer dessen Komponenten einzeln anschafft, steigt im Moment deutlich teurer aus.

    Als CPU kommt hier ein Ryzen 5 1400 zum Einsatz, ein Mittelklassechip von AMDs aktueller Serie. Amazon bietet ihn für 143 Euro an und liegt damit auf dem Niveau der günstigsten Händler. Welches Motherboard zum Einsatz kommt, war nicht genau zu eruieren. Boards mit AM4-Sockel und vergleichbarer Ausstattung kosten jedoch um die 70 Euro. Der größte Kostenpunkt ist freilich die Grafikkarte, eine AMD Radeon RX580. Lagerware gibt es hier um 450 bis 500 Euro.

    Das System bringt auch acht GB DDR4-RAM mit. Der Einzelhandel verlangt dafür momentan wenigstens 75 bis 80 Euro. Als Datenspeicher sind sowohl eine 128 GB SSD sowie eine Festplatte mit 1.000 GB an Bord. Beide werden jeweils um etwa 45 Euro gehandelt, kommen insgesamt also auf 90 Euro.

    Über 100 Euro weniger möglich

    Das verwendete Gehäuse scheint nicht separat käuflich erwerbbar zu sein. Die Pavillon-Reihe liefert üblicherweise aber qualitativ ordentliche "Kisten", womit ein Preis von wenigstens 40 bis 50 Euro realistisch ist. Das Netzteil ist mit 300 Watt ausgeschildert, hier gibt es passable Markenware ab 30 Euro. Ein Extra stellt außerdem der DVD-Brenner dar. Kostenpunkt: 16 Euro.

    Damit kommt die Grundausstattung bei günstigen Markenkomponenten im Einzelkauf auf 919 bis 979 Euro oder ein Plus von 73 bis 133 Euro. Nicht einberechnet sind hier noch die eventuell notwendige Lizenz für Windows 10 Home (145 Euro bei Microsoft oder etwa 25 Euro bei Resellern von Gebrauchtkeys) sowie das im Kaufpreis enthaltene Set von Tastatur und Maus (angenommener Gegenwert: 20 bis 30 Euro).

    Weniger Angebote für Nvidia/Intel

    Während es auf der Radeon-Seite einige Komplettsysteme gibt, die in dieser Hinsicht lohnenswert erscheinen, sieht es auf der Geforce-Seite deutlich dünner aus. Eines der wenigen verfügbaren Angeboten ist eines des Herstellers Ankermann, das als VR-tauglicher "Business-PC" auf Amazon für 890 Euro zu finden ist.

    Hier drin steckt ein Intel Core i5-7500 (170 Euro) nebst Kühler eines Drittherstellers (Deepcool Theta, 20 PWM, rund 15 Euro). Die Komponenten sind bei dem Angebot ausgeschildert, weswegen eine genauere Preisermittlung möglich ist. Die acht GB RAM (Kingston ValueRAM, DDR4-2400) schlagen mit 100 Euro zu Buche. Das Mainboard (MSI H110M Eco) kommt auf 50. Bei der Grafikkarte hat man sich für ein Modell von Zotac (GTX 1060 Mini, 6 GB, 380 Euro) entschieden.

    Geringeres Sparpotenzial

    Als Datenträger ist eine 240 GB SSD (Kingston UV400) mit dabei, sie schlägt mit wenigstens 75 Euro zu Buche. Eine herkömmliche Festplatte gibt es hier nicht, sehr wohl aber einen DVD-Brenner von LG (16 Euro). Die Hardware ist eingepackt in das "White Rabbit"-Gehäuse von Wildrabbit um 60 Euro angenommen wird, da es sich um eine sehr leise Konfiguration handeln soll. Als Netzteil ist ein 600W-Modell von Fortron angegeben, das um circa 50 Euro feilgeboten wird.

    Die Gesamtsumme, auch hier noch ohne Windows-Lizenz, liegt hier im Einzelkauf bei 916 Euro. Der Kostenvorteil beim aktuell herabgesetzten Preis: 26 Euro.

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    Wir zeigen euch, wie man einen PC selber zusammenbaut.

    Fazit

    Wer mit einem neuen Gaming-PC also nicht warten möchte, bis vor allem die Grafikkarten wieder ein vertretbares Preisniveau erreichen, kann sich einen Teil der Preisdifferenz mit etwas Recherche bei einem Komplettsystem sparen, sofern man sich einen Rechner mit einer Radeon-Grafikkarten kaufen will. Bei einer Geforce-Karte ist das Sparpotenzial deutlich niedriger.

    Freilich muss man dafür auch bereit sein, sich den Spaß des Zusammenbauens entgehen zu lassen und einen Rechner hingestellt zu haben, der von vorne bis hinten wirklich eine "eigene" Konfiguration ist. (gpi, 13.02.2018)

    • Beim Intel/Nvidia-Komplettsystem von Ankermann (l.) fällt das Sparpotenzial deutlich kleiner aus, als bei der Radeon/Ryzen-Konfiguration von HP.
      foto: ankermann/hp

      Beim Intel/Nvidia-Komplettsystem von Ankermann (l.) fällt das Sparpotenzial deutlich kleiner aus, als bei der Radeon/Ryzen-Konfiguration von HP.

    • Bei Gaming-PCs selbst Hand anzulegen ist momentan ein langwieriger und kostspieliger Spaß.
      foto: ayham youssef/derstandard.at

      Bei Gaming-PCs selbst Hand anzulegen ist momentan ein langwieriger und kostspieliger Spaß.

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