Bene-Eigentümer kaufen Büromöbelhersteller Hali, Option für Svoboda

12. Februar 2018, 17:42
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Eine Büromöbelgruppe "europäischen Formats" soll entstehen, Wettbewerbshüter müssen den Kauf noch prüfen

Wien – Sie sind die Nummer eins, zwei, drei und vier am österreichischen Büromöbelmarkt – Hali, Neudoerfler, Bene und Svoboda. Bald schon könnten alle vier denselben Eigentümer haben. Gehen nämlich die Pläne von Investor Gerhard Grossnig und Exwirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) auf, werden die top vier unter einem Dach gebündelt.

Über ihre BGO Beteiligungsverwaltungs GmbH wollen Grossnigg und Bartenstein nicht nur Hali inhalieren, sondern auch eine Option auf die kürzlich in Konkurs gegangene Svoboda Büromöbel GmbH in St. Pölten ziehen. Svoboda war bis vor kurzem Teil von Hali, des Marktführers aus Eferding in Oberösterreich.

Europäisches Format

"Ziel ist es, eine Büromöbelgruppe europäischen Formats entstehen zu lassen", teilte die BGO-Holding am Montag in einer Aussendung mit. Selbigen Tags noch wollte BGO den Deal bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) anmelden.

Der Waidhofner Büromöbelspezialist Bene befindet sich seit 2015 unter dem Dach der BGO-Holding, Neudoerfler Office System schon ein paar Jahre länger. Die BGO-Holding gehört ihrerseits je zur Hälfte der Bartenstein Holding GmbH und der Austro Holding des Linzer Sanierers Grossnigg.

Im Gegensatz zur Übernahme von Hali dürfte jene von Svoboda nicht so einfach sein. Grund sind wettbewerbsrechtliche Bedenken, bliebe neben Bene/Hali doch kein namhafter Mitbewerber mehr übrig. "Wir führen nun eine Marktbefragung durch", sagte Theodor Thanner, Chef der BWB, zum STANDARD. Dann wisse man, welche Konkurrenten es gebe. Dabei würden potenzielle Konkurrenten direkt angeschrieben und um Stellungnahme gebeten.

Marktabgrenzung

Als Problem sieht man in der Möbelbranche allerdings bereits die Abgrenzung der Märkte. Denn auch Einrichtungs- und Möbelhäuser wie Kika/Leiner und Ikea haben sich im Büromöbelmarkt breitgemacht, was das Geschäft für klassische Hersteller wie Bene oder Wiesner-Hager schwieriger gestaltet. Gläubigerschützer wiederum geben zu bedenken, dass eine Übernahme der insolventen Svoboda durch Bene/Hali allein vom Zeitablauf her schwierig werde. Ein Verkauf müsste dann kurzfristig erfolgen können.

Auch Andreas Kreutzer vom Beratungsunternehmen Kreutzer Fischer & Partner glaubt nicht, dass die Übernahme von Hali und Svoboda durch BGO eine g'mahte Wiesn ist. Der Marktanteil der top vier liege bei mehr als 50 Prozent. In Deutschland hingegen kämen die top vier auf gerade einmal 40 Prozent. "Österreich ist, was die Marktkonzentration im Büromöbelmarkt betrifft, schon besonders." Laut den letzten verfügbaren Zahlen kam Hali 2016 auf einen Marktanteil von 16 Prozent. Dahinter folgte Neudoerfler mit knapp 14 Prozent vor Bene (zwölf) und Svoboda (neun Prozent).

Marktvolumen ist rückläufig

Das Marktvolumen von Sitzmöbeln und Tischen für Büroeinrichtungen ist in einer Langfristbetrachtung rückläufig, was laut Insidern mit fehlenden Großprojekten im Büromarkt zu tun hat. 2016 lag der Büromöbelumsatz österreichweit bei 215 Millionen Euro, geht aus dem Branchenradar von Kreutzer, Fischer & Partner hervor. Darin seien auch Umsätze von Ikea enthalten, die anders als Lutz und Kika/Leiner einen professionellen Büromöbelabsatz haben. Der Anteil von Ikea im Büromöbelsegment liegt bei geschätzt sechs bis sieben Prozent.

Höhere Umsätze wurden in Österreich 2015 gemessen. In den 231 Millionen Euro sind laut Kreutzer aber allein 20 Millionen auf die Ausstattung des Erste-Campus in Wien entfallen, den sich das Designunternehmen Vitra aus der Schweiz sichern konnte. 2017 ist der Markt Schätzungen zufolge nur unmerklich gewachsen; harte Zahlen sollten im April vorliegen.

Sollte der geplante Deal tatsächlich durchgehen, wäre Blaha der einzige Büromöbelanbieter in Ostösterreich, der nicht unter dem BGO-Dach stünde. Blaha hat einen Marktanteil von knapp sechs Prozent. Auf Wien entfallen rund 60 Prozent der Büromöbelumsätze in Österreich. (stro, ung, 12.2.2018)

  • Exwirtschaftsminister Martin Bartenstein (im Bild) bastelt mit Sanierer Gerhard Grossnig an einer großen Büromöbellösung. Ausgerechnet der von ihm bestellte Chef der Bundeswettbewerbsbehörde, Theodor Thanner, könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen.
    foto: apa/sebastian cermak

    Exwirtschaftsminister Martin Bartenstein (im Bild) bastelt mit Sanierer Gerhard Grossnig an einer großen Büromöbellösung. Ausgerechnet der von ihm bestellte Chef der Bundeswettbewerbsbehörde, Theodor Thanner, könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

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