Raumsonde schickt Fotos aus sechs Milliarden Kilometern Entfernung

    12. Februar 2018, 12:37
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    Die Nasa-Sonde New Horizons hat Aufnahmen von zwei Objekten im Kuipergürtel gemacht und über eine Rekorddistanz gesendet

    Washington/Wien – 27 Jahre lang blieb der Rekord der Voyager 1 ungebrochen: Die Raumsonde, die 1977 zur Erforschung des äußeren Planetensystems gestartet war, schickte 1990 eine Aufnahme zur Erde, die unter dem Namen "Pale Blue Dot" (blasser blauer Punkt) Geschichte schrieb. Darauf zu sehen ist die Erde als winziger Punkt aus einer Distanz von 6,06 Milliarden Kilometern oder 40,5 Astronomischen Einheiten. Nie zuvor war aus so großer Entfernung ein Foto von der Erde gemacht worden, mehr noch: Nie zuvor war in einer solchen Distanz mit menschengemachter Technologie überhaupt ein Bild entstanden.

    foto: nasa/jpl
    Die Erde als winziger Punkt (Bildmitte rechts): Voyager-1-Aufnahme aus dem Jahr 1990.

    Schnappschuss im Kuipergürtel

    Nun wurde der langjährige Entfernungsrekord übertroffen, wenn auch nicht mit unserem Planeten im Bild: Wie die US-Weltraumbehörde Nasa berichtet, sendete die Sonde New Horizons im Dezember 2017 Aufnahmen von zwei Objekten des Kuipergürtels aus einer Distanz von mehr als 6,12 Milliarden Kilometern oder 40,9 Astronomischen Einheiten zur Erde. Die Objekte, die auf den Rekordbildern als Farbpunkte erscheinen, tragen die Namen 2012 HZ84 und 2012 HE85. Sie sind als Kuipergürtelobjekte klassifiziert, da sie sich in dieser ringförmigen Region außerhalb der Neptunbahn befinden. Benannt ist der Kuipergürtel nach dem US-Astronomen Gerard Peter Kuiper, der seine Existenz bereits in den 1950er-Jahren theoretisch vorausgesagt hatte.

    foto: nasa/jhuapl/swri
    Aufnahmen der beiden Kuipergürtelobjekte 2012 HZ84 und 2012 HE85.

    New Horizons dürfte noch einige Rekorde aufstellen. Nach ihrem spektakulären Vorbeiflug an Pluto war die sogenannte Kuiper Belt Extended Mission (KEM) genehmigt worden, die unter anderem vorsieht, dass die Sonde am 1. Jänner 2019 das Kuipergürtelobjekt 2014 MU69 in nur 3.000 Kilometern Abstand passieren und untersuchen soll. Zudem soll die Sonde rund 20 weitere Objekte im Kuipergürtel aus größerer Distanz genauer in den Blick nehmen.

    illustration: nasa
    New Horizons soll im kommenden Jahr auf Tuchfühlung mit einem Kuipergürtelobjekt gehen.

    Einsame Pionierin

    Von Voyager 1 sind indes keine weiteren Rekordbilder zu erwarten. Um Energie zu sparen, hat die Sonde ihr Kamerasystem abgeschaltet. Geschichte schreibt sie aber weiterhin: 2012 trat sie als erstes menschengemachtes Objekt in den interstellaren Raum ein, derzeit befindet sie sich etwa 21,11 Milliarden Kilometer (141,13 Astronomische Einheiten) von unserer Sonne entfernt – und hält nach wie vor Kontakt zur Erde.

    Im Dezember 2017 – also genau zu der Zeit, als New Horizons die Aufnahmen im Kuipergürtel schoss – sorgte auch Voyager 1 für Schlagzeilen: Wissenschafter aktivierten nach 37 Jahren erstmals wieder vier Antriebsdüsen zur Kurskorrektur, um die Antenne der Raumfahrtpionierin neu auszurichten. (dare, 12.2.2018)

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