Zeckenimpfung: Kein Konnex zu Zika

    12. Februar 2018, 11:06
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    Krankheitserreger aus der Gruppe der Flaviviren fordern das Immunsystem – Grazer Wissenschafter werten mögliche Querverbindungen aus

    Von Krankheitserregern aus der Gruppe der Flaviviren ist bekannt, dass eine vorherige Infektion weitere Erkrankungen mit ähnlichen Viren verstärken kann. Ob das auch passiert, wenn jemand eine Zeckenimpfung erhalten hat und sich dann eine Infektion mit dem Zika-Virus einfängt, hat ein Team um österreichische Forscher analysiert. Laut ihrer Studie ist das aber unwahrscheinlich.

    Das Vorhandensein von Antikörpern gegen Flaviviren, die sich nach einer überstandenen Infektion – etwa gegen Dengue-Virus-Stämme oder das West-Nil-Virus – entwickeln, kann negative Effekte auf folgende Erkrankungen mit anderen Vertretern der Viren-Gruppe haben. Vor allem im Zusammenhang mit Dengue-Virus-Stämmen kann es leichter zum hämorrhagischen Dengue-Fieber kommen, wenn etwa einer Infektion mit Serotyp 1 eine mit einem anderen Serotyp folgt.

    Den Erreger erforschen

    Auch bei dem größeren Ausbruch des Zika-Virus in Amerika in den vergangenen Jahren könnten vorherige Erfahrungen des Immunsystems mit dem Dengue-Virus vor allem die Situation in Südamerika verschärft haben. Die drohenden schweren Komplikationen bei einer Erkrankung während der Schwangerschaft wurden in Ländern wie Brasilien zum Problem. Diesem Phänomenen der Verstärkung zwischen den Erregern ist der aus Österreich stammende Virologe Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York auf der Spur.

    Da auch der durch Zecken verbreitete FSME-Erreger zur Gruppe der Flaviviren gehört und in manchen Gegenden Europas sehr viele Menschen durch die Impfung mit Antikörpern dagegen ausgestattet sind, hat sich der Wissenschafter nun zusammen mit Kollegen aus Österreich und den USA angesehen, ob die Impfung indirekt die Gefahr bei einer Zika-Infektion erhöhen kann. In Österreich ist das besonders relevant, da hier Schätzungen von einer Durchimpfungsrate von rund 88 Prozent ausgehen, wie die Forscher schreiben.

    Stamm "Neudörfl"

    Für ihre im Fachjournal "mSphere – Therapeutics and Prevention" präsentierte Untersuchung griffen sie unterstützt durch Christian Gabriel vom Ludwig Boltzmann Institut für experimentelle und klinische Traumatologie in Graz auf 50 Blutproben von Personen aus Österreich zurück, die den Impfstoff gegen den zentraleuropäischen Stamm des FSME-Erregers ("Stamm Neudörfl") erhalten haben. Im Labor wie auch im Maus-Modell zeigte sich allerdings keine erhöhte Anfälligkeit für das Zika-Virus in Anwesenheit von Antikörpern gegen diesen FSME-Erreger. "Das Ergebnis ist negativ – was gut ist", so Krammer gegenüber der APA. Es gebe also keinen Anlass, sich aufgrund der hohen Durchimpfungsraten speziell hierzulande größere Sorgen um das Zika-Virus zu machen. (APA, 12.2.2018)

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