Russland will erstes Eishockey-Gold seit 26 Jahren

    12. Februar 2018, 06:09
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    Zwei Clubs bilden Rückgrat der "Sbornaja" – NHL-Absage mischte Karten neu – Kanada mit routinierter Truppe von Europa-Legionären

    Gangneung – Die Absage der National Hockey League (NHL) hat die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang um viele Stars und im olympischen Eishockey-Turnier neue Favoriten gebracht. Ohne Spieler aus der nordamerikanischen NHL, der stärksten Liga der Welt, muss Kanada um seinen Gold-Hattrick bangen. Die unter Olympischer Flagge antretenden Russen gelten als Titelkandidat Nummer eins.

    Ohne NHL-Stars

    Die NHL hat von 1998 bis 2014 fünfmal pausiert, damit die besten Spieler der Welt um Olympia-Gold kämpfen können. Nun fehlen erstmals seit Lillehammer 1994 wieder die Stars – gegen ihren Willen. Denn obwohl sich die Spieler großteils und wie Russlands Superstar Alexander Owetschkin teils lautstark für eine Teilnahme ausgesprochen hatten, entschied die Liga im April dagegen und untersagte den Clubs sogar eine freiwillige Freistellung.

    Am härtesten trifft das die beiden nordamerikanischen Teams, weshalb Russland bei den Experten zum Favoriten aufgestiegen ist. Teamchef Oleg Znarok soll die Russen zum ersten Triumph seit 1992 führen, als ein fast nur von Russen gebildetes Team der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) in Albertville den Titel geholt hatte. Znarok kopiert dabei eine zu Sowjetzeiten erfolgreiche Strategie: Er setzt auf Vereinsblöcke.

    Viele Spieler von St. Petersburg und ZSKA Moskau

    Bei den acht Triumphen zwischen 1956 und 1992 bildeten meist Spieler von ZSKA Moskau das Rückgrat, diesmal baut Znarok fast gänzlich auf Blöcke von den zwei großen Armeeclubs. Znarok hat 15 Spieler von Meister und Tabellenführer SKA St. Petersburg nominiert, dem Club, bei dem er auch Cheftrainer ist, und acht von ZSKA Moskau. Komplettiert wird die "Sbornaja" von zwei Akteuren von Vizemeister Metallurg Magnitogorsk.

    In Abwesenheit der NHL-Profis stellt Russland mit Pawel Dazjuk und Ilja Kowaltschuk auch die zwei größten Stars des Turniers. Der 39-jährige Dazjuk, langjähriger Topspieler der Detroit Red Wings, führt das Team als Kapitän aufs Eis. Der 34-jährige Kowaltschuk ist Topscorer der grenzüberschreitenden russischen Kontinental Hockey League (KHL), die als zweitstärkste Liga nach der NHL gilt.

    Tre-Kronor-Team hoch gehandelt

    Das veränderte Kräfteverhältnis durch die NHL-Absage hat nicht nur das zuletzt zweimal im Viertelfinale gescheiterte Russland in die Favoritenrolle gebracht. Auch die anderen großen europäischen Eishockey-Nationen rechnen sich bessere Medaillenchancen aus. Weltmeister Schweden, der 2006 in Turin die kanadische Dominanz durchbrochen hat, wird ebenfalls hoch gehandelt. Gespannt sein darf man im Tre-Kronor-Team auf den 17-jährigen Rasmus Dahlin, der im kommenden NHL-Draft als Nummer eins gehandelt werden könnte.

    Finnland, bei Olympia noch ohne Gold, und Tschechien, 1998 in Nagano erfolgreich, spekulieren ebenso mit einer Medaille wie die Schweiz, die zuletzt vor 70 Jahren in den Top drei war. Und natürlich darf man auch Kanada nicht abschreiben. Der neunfache Olympiasieger, mit den NHL-Stars 2002 in Salt Lake City, 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi erfolgreich, reist mit einer sehr routinierten Mannschaft aus hauptsächlich in Europa engagierten Spielern an.

    Routinierte Kanadier

    30,44 Jahre ist das Durchschnittsalter der Mannschaft von Chefcoach Willie Desjardins, 5.544 NHL-Spiele hat der kanadische Kader insgesamt absolviert. Die Titelverteidigung soll mit 22 Europa-Legionären, darunter 13 aus der KHL, gelingen. Statt Sidney Crosby oder Connor McDavid heißen die Stars aber nun Derek Roy, langjähriger Sturm-Partner von Thomas Vanek bei den Buffalo Sabres, und Chris Kelly.

    Das vom 39-jährigen Brian Gionta angeführte US-Team hat 17 Spieler aus Europa, einige Routiniers aus der zweitklassigen AHL und vier College-Spieler dabei. Die Ziele sind dennoch hoch. "Wie jedes US-Team in jedem Turnier erwarten wir, dass wir um die Goldmedaille spielen", erklärte Cheftrainer Tony Granato. Ein Triumph wäre wohl ein neues "Miracle on Ice", wie jenes 1980 in Lake Placid, als die USA zum bisher letzten Mal den Olympiasieg geholt haben. (APA, 12.2.2018)

    Gruppen-Einteilung

    Gruppe A: Kanada (1. der Weltrangliste), Tschechien (6), Schweiz (7), Südkorea (21)

    Gruppe B: OA Russland (2), USA (5), Slowakei (11), Slowenien (15)

    Gruppe C: Schweden (3), Finnland (4), Deutschland (8), Norwegen (9)

    Spielplan (alle Zeiten in MEZ):

    Mittwoch, 14. Februar

    13:10 Slowakei – OA Russland (Gruppe B)

    13:10 USA – Slowenien (Gruppe B)

    Donnerstag, 15. Februar

    04:10 Finnland – Deutschland (C)

    08:40 Norwegen – Schweden (C)

    13:10 Tschechien – Südkorea (A)

    13:10 Schweiz – Kanada (A)

    Freitag, 16. Februar

    04:10 USA – Slowakei (B)

    08:40 OA Russland – Slowenien (B)

    13:10 Finnland – Norwegen (C)

    13:10 Schweden – Deutschland (C)

    Samstag, 17. Februar

    04:10 Kanada – Tschechien (A)

    08:40 Südkorea – Schweiz (A)

    13:10 OA Russland – USA (B)

    13:10 Slowenien – Slowakei (B)

    Sonntag, 18. Februar

    04:10 Deutschland – Norwegen (C)

    08:40 Tschechien – Schweiz (A)

    13:10 Kanada – Südkorea (A)

    13:10 Schweden – Finnland (C)

    Dienstag, 20. Februar (04:10, 08:40, 2 x 13:10): Achtelfinale

    Mittwoch, 21. Februar (04:10, 08:40, 2 x 13:10): Viertelfinale

    Freitag, 23. Februar (08:40, 13:10): Halbfinale

    Samstag, 24. Februar (13:10): Spiel um Platz 3

    Sonntag, 25. Februar (05:10): Finale

    Modus: Die drei Gruppensieger und der beste Gruppenzweite qualifizieren sich direkt für das Viertelfinale. Die restlichen acht Teams ermitteln im Achtelfinale die restlichen Viertelfinalisten.

    • Russland-Coach Oleg Znarok beim Plaudern mit KHL-Topscorer Ilja Kowaltschuk von SKA St. Petersburg,
      foto: reuters/david w cerny

      Russland-Coach Oleg Znarok beim Plaudern mit KHL-Topscorer Ilja Kowaltschuk von SKA St. Petersburg,

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