Pistenmeister Johnston: Hauptsache, es schneit nicht

    11. Februar 2018, 20:36
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    Mit Kunstschnee kennt sich der Farmer aus Wyoming aus wie kaum ein zweiter. Aber Naturschnee kann er nicht leiden

    Pyeongchang – "Ich kann Schnee nicht leiden." Das sagt Tom Johnston, ein Mann, der Schneemagier genannt wird. "Denn ich kann Naturschnee nicht kontrollieren." Eigentlich ist Tom Johnston ein Farmer aus Wyoming mit erheblichem Landbesitz. Seine Leidenschaft ist das Heu. Doch im Winter, auch derzeit in Pyeongchang, ist er der Guru der Pisten. "Du musst immer ein stabiles Produkt garantieren", sagt er. Fällt der Schnee zusammen, "dann hassen sie dich. Ist es eisig, hassen sie dich weniger."

    Als Pistenmeister der alpinen Rennen tüftelt Johnston am perfekten Kristall. "Wie ist die Struktur? Wie kann ich sie verändern? Brauche ich den Pistenbully? Sind die Nächte kalt? Und wie hoch ist die Luftfeuchtigkeit?" Schwierige Fragen. Kaum jemand kann sie so gut beantworten wie er. Der US-Skiläufer Steven Nyman sagt über ihn: "Tommy ist ein Magier des Schnees." Genauer gesagt: des Kunstschnees. Kontrollierbar, veränderlich, nicht spontan vom Himmel fallend. So liebt Johnston es. Er lässt die Pisten gerne beschneien, danach formt er Sprünge, Buckel und Gleitstücke.

    Johnston ist nur einer der Tüftler und Experten, ohne die nichts geht in Korea. Wachser, Eismeister, Wissenschafter gehören dazu. Auch Albert Zehetner, österreichischer Erbauer der Halfpipe. "Das Ziel ist, dass wir bei Olympia Runs sehen, die vorher noch nie zu sehen waren", sagt er. Francesco Friedrich hingegen hat eine kostspielige Rolle rückwärts hinter sich. Der mehrfache Weltmeister verzichtet im deutschen Zweierbob auf den Schlitten des Herstellers Wallner – er kehrte zum Stammhersteller FES zurück. Nach der Olympiaschmach von Sotschi 2014 mit schwachen FES-Schlitten hatte der deutsche Verband für eine sechsstellige Summe die Wallner-Geräte angeschafft. Nun vertraut Friedrich wieder auf das Material der staatlich finanzierten deutschen Medaillenschmiede FES. Es muss eben nicht nur das Material stimmen, sondern auch das Gefühl.

    Auch im Skispringen. Mittels eines 30-Gramm-Chips hinter der Bindung werden im deutschen Team Daten wie Geschwindigkeit, Flughöhe, Winkel der Skier oder Aufkantwinkel erhoben – in Kooperation mit dem Institut für angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig. Jeder Zentimeter, jedes Grad Neigung, jede Zehntelsekunde kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

    15.000 Kaffeekapseln

    Manchmal sind es die ganz abseitigen Dinge, die den Unterschied ausmachen. Für Susanne Böhlen, Logistikchefin des Schweizer Teams, war die Suche nach einer Küche vor Ort "nicht so einfach. Denn die Südkoreaner haben nicht das gleiche Verständnis von einer Küchenausstattung wie wir." Häufig ist kein Backofen eingeplant. Neben der Sportausrüstung ließ Böhlen auch 200 Kilogramm Müsli, 15.000 Kaffeekapseln und 1000 Liter Rivella-Limonade verschiffen.

    So ist für die meisten Athleten in Pyeongchang alles bestens vorbereitet. Es sei denn, wird Tom Johnston sagen, es schneit. Das wäre natürlich eine Katastrophe. (sid; red, 11.2.2018)

    • Tom Johnston fährt kaum noch selbst Ski, die Hüften schmerzen.
      foto: ap/dampf

      Tom Johnston fährt kaum noch selbst Ski, die Hüften schmerzen.

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