Rapid bei Admira: Pleite am Feld, Homophobie auf der Tribüne

11. Februar 2018, 18:44
1207 Postings

Nach vielen Ausfällen stark verjüngte Admiraner setzten sich 2:1 durch. Die Entscheidung fiel in der Nachspielzeit durch ein Eigentor, der Rapid-Anhang fiel durch ein widerliches Transparent auf

Südstadt – Rapid ließ am Sonntag in der Südstadt alles liegen. Vor allem sich selber. Ohne Spirit verlor man. Nicht nur das Spiel. Die erste Halbzeit verlief, wie von den Trainern zuvor umschrieben. Goran Djuricin beklagte die schwerwiegenden Rapid-Ausfälle; Stefan Schwab, Louis Schaub, Boli Bolingoli.

Ernst Baumeister dagegen lobte sein neu zusammengewürfeltes Jungeherren-Komitee. Die fünf Neuen seien schließlich dafür da, zu tun, was sie dann zu G'standenen machen werde. Er sei jedenfalls gespannt. Und siehe: So war es. Rapid kam zu überhaupt keiner Chance, die Admira über hauptsächlich den Ex-Rapidler Lukas Grozurek doch (7., 10, 16., vor allem 43. Minute) zu halbwegs Aussichtsreichem.

Schauplatz war in der Südstadt vorerst freilich da wie dort eher das Mittelfeld. Und dort sah man allerlei Ballfehler, Herumschubserei und -schieberei. Andreas Heiß, der Schiedsrichter, hatte dennoch kaum Schwierigkeiten, die Gemächlichen in ihrer ostentativen Gemächlichkeit im Zaum zu halten. Erst in der 45. Minute rutschte Mario Pavelic dem Grozurek gelbgeahndet rein. So ging man dann auch in die Pause.

Und kam aus dieser nämlich zurück. Rapid deutlich vorwärtsorientierter, Admira dadurch etwas herausgeforderter. In der 69. Minute sind die Trainerworte dennoch Fleisch geworden. Aus einem Strafraumgestocher schob Sasa Kalajdzic rechts zum 18-jährigen Ligadebütanten Marco Hausjell. Und der traf so abgebrüht zum 1:0, wie Ernst Baumeister es angekündigt und Djuricin von, sagen wir, Joelinton erträumt hatte.

Philipp Schobesberger war es dann in der 86. Minute, der mit einem schönen Weitschuss-Heber ausglich. Rapid drängte, Joelinton vergab und vergab. Dafür traf Mario Pavelic nach einem Freistoß per Kopf unhaltbar ins eigene Tor zum 2:1 für Admira (92.). Djuricin: "So was habe ich noch nie gesehen."

Derby-Nachspiel und neuer Vorfall

Ans Eingemachte geht es für Rapid aber sowieso erst am Montag. Da tagt der Senat eins der Bundesliga, um über das vergangene Derby zu beratschlagen und zu urteilen. Im dortigen Strafraum stehen Variationen von Tribünensperren. Und auch pekuniär Ordentliches bis zu 150.000 Euro. Da Rapid angekündigt hat, sich an den Verursachern möglichst schadlos halten zu wollen, wird das für Werfer noch einiges Kopfzerbrechen nach sich ziehen.

Der organisierte Rapid-Anhang selbst rekurrierte in der Südstadt auch noch einmal auf das Derby. Man schoss sich erneut auf Austrias Raphael Holzhauser ein, der vor einer Woche von einem aufs Feld geworfenen Gegenstand verletzt worden war. Auf einem Spruchband hieß es nun: "Dem Woamen platzt a Wimmerl auf und ihr machts an Skandal daraus". Das homophobe und einen tätlichen Angriff verharmlosende Statement garnierte man noch mit den Rufen "schwuler, schwuler FAK".

Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek verurteilte auf kurier.at die Sache. "Wir lehnen so eine Wortwahl eindeutig ab, der Verein bedauert das Transparent. Jegliche homophobe Anspielungen sind mit dem Leitbild des SK Rapid nicht vereinbar", hieß es dort.

Bickel: "Einfach mal so belassen"

Sportchef Fredy Bickel sah das offenbar lockerer: "Wir haben heute endlich mal nichts zu diskutieren, was die Fans ansonsten betrifft. Ich glaube, man würde gut daran tun, es einfach mal so zu belassen. Wir sind dankbar, dass heute sonst nichts weiter geschehen ist, dass wir die Unterstützung hatten. Ich glaube, wir müssen nicht wieder eine Diskussion anfangen, das tut uns allen nicht gut", sagte der Schweizer bei Sky Sport Austria. (wei, red, 11.2.2018)

Bundesliga, 22. Runde, Sonntag

FC Admira – SK Rapid Wien 2:1 (0:0)
BSFZ-Arena, 3.200 Zuschauer, SR Heiß

Torfolge:
1:0 (69.) Hausjell
1:1 (86.) Schobesberger
2:1 (92.) Pavelic (Eigentor)

Admira: Kuttin – Zwierschitz, Lackner, Petlach, Scherzer – Vorsager (62. Maier), Ebner – Hausjell (72. Merkel), Kalajdzic, Grozurek – Jakolis (87. L. Malicsek)

Rapid: Strebinger – Pavelic, M. Hofmann, Galvao, Auer – Petsos (82. Kvilitaia), Ljubicic – Ve. Berisha (66. Szanto), Murg, Schobesberger – Joelinton

Gelbe Karte: Pavelic

Weiterlesen:

Bundesliga live: Admira vs. Rapid 2:1

Stimmen:

Ernst Baumeister (Admira-Trainer): "In der ersten Hälfte waren wir überrascht, wie wenig Probleme uns Rapid bereitet hat. In der zweiten Hälfte war Rapid besser, hatte auch einige Chancen. Wir haben doch mit etlichen jungen Spielern und Debütanten gespielt, da ist uns nach einer Stunde etwas die Kraft ausgegangen. Es ist ein etwas glücklicher Sieg, aber natürlich sind wir hochzufrieden."

Goran Djuricin (Rapid-Trainer): "Für die erste Hälfte müssen wir uns entschuldigen, da waren wir zu zaghaft, zu passiv, haben nicht mutig nach vorne gespielt. Es waren auch viele Fehlpässe dabei. Zur Pause habe ich probiert, die Mannschaft aufzurütteln. Ich habe die Spieler gefragt, wo meine Mannschaft ist, weil ich sie nicht gesehen habe. In der zweiten Hälfte haben wir dann unser wahres Gesicht gezeigt, hatten fünf hundertprozentige Chancen, da hätten wir auf jeden Fall drei oder vier Tore machen müssen."

  • Der 18-jährige Marco Hausjell (rechts) schoss die Admira bei seinem Bundesliga-Debüt in Führung und bedankte sich hernach bei Trainer Ernst Baumeister für die Chance dafür.
    foto: apa/hochmuth

    Der 18-jährige Marco Hausjell (rechts) schoss die Admira bei seinem Bundesliga-Debüt in Führung und bedankte sich hernach bei Trainer Ernst Baumeister für die Chance dafür.

Share if you care.