Italiens Banken atmen nach Krisenzeit auf

12. Februar 2018, 11:00
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Die Institute profitieren von einer staatlichen Finanzspritze und machen Milliardengewinne

Italiens Banken schreiben mehr Gewinn und erhöhen ihre Dividenden. Nur bei der weltweit ältesten Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist der Verlust im Vorjahr noch weiter angestiegen, und zwar auf 3,5 Milliarden Euro. MPS-Chef Marco Morelli vertröstet: Mit einem von der EU-Kommission abgesegneten Restrukturierungsplan will die 2017 auch mit staatlichen Milliardenbeträgen vor der Pleite gerettete Bank ab 2019 wieder Gewinne schreiben. Die in staatlicher Kontrolle geratene Problembank begründet ihren Riesenverlust mit milliardenschweren Rückstellungen für faule Kredite. Diese beliefen sich Ende 2017 auf rund 45 Milliarden Euro.

Allgemein lagen die kürzlich präsentierten Bilanzergebnisse der zehn größten italienischen Banken über den Analystenerwartungen. Gemeinsam schafften sie einen Gewinn von 6,1 Milliarden Euro. Ohne das "Loch" von MPS und Verluste der beiden Regionalbanken Carige und Creval hätte der Gewinn über zehn Milliarden ausgemacht. Spitzenreiter war die Banca Intesa Sanpaolo mit 5,4 Milliarden Gewinn.

Höhere Dividenden und Entwicklung in Bankensektor

Abgesehen von der guten Performance im Wealth-Management und im Corporate-Banking haben die Mailänder auch von der 3,5-Milliarden-Finanzspritze profitiert, die der Staat für die Übernahme der beiden Krisenbanken (Veneto Banca, Banca Popolare di Vicenza) gewährt hatte. Der neue von Intesa Sanpaolo präsentierte Geschäftsplan sieht nicht nur Dividenden auf hohem Niveau vor. "Wir wollen in den nächsten Jahren die Führungsrolle im europäischen Banksektor übernehmen", meinte Intesa-Chef Carlo Messina selbstbewusst. Die Eckdaten des Instituts: Ende 2017 wurde ein Überschusskapital von 13 Milliarden Euro, eine Marktkapitalisierung von 52 Milliarden und ein Kosten-Aufwand-Verhältnis von unter 50 Prozent gemeldet.

Unicredit hält Optionen offen

Während Intesa Sanpaolo in Zukunft keine Cross-Border-Fusion plant, hat die Bank-Austria-Mutter Unicredit andere Pläne. Gemäß 2019 zu Ende gehendem Geschäftsplan, der laut Bankenchef Jean Pierre Mustier "bereits in allen Details termingerecht erfüllt wurde", stehen alle Optionen offen. Ein grenzüberschreitender Deal sei nicht auszuschließen. Jüngst verdichteten sich Gerüchte, wonach Unicredit ein Zusammengehen mit der französischen Société Générale plane. "Wir wollen unsere Position als eine der führenden paneuropäischen Banken ausbauen", so Mustier.

Nicht nur die Mailänder Großbanken, auch mehrere kleinere Banken wie UBI Banca, Mediobanca und Banco BPM sind im Vorjahr mit dem Abbau ihrer faulen Kredite vorangekommen und überraschten mit hohen Gewinnen. Trotz der positiven Trendwende im Kreditsektor sei die Bilanzsäuberung, Rationalisierung und Konsolidierung am italienischen Bankenmarkt aber noch nicht abgeschlossen, ist Finanzexperte Stefano Caselli überzeugt. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 12.2.2018)

  • Monte dei Paschi ist und bleibt ein Sorgenkind.
    foto: imago / reiner zensen

    Monte dei Paschi ist und bleibt ein Sorgenkind.

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