Innenministerpläne: Kickls Steckenpferd

Kommentar11. Februar 2018, 19:17
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Was soll eine Reiterstaffel, die erst aufgestellt und trainiert werden muss, besser erledigen können als normale Streifen?

Ob das Glück der Erde tatsächlich auf dem Rücken von Unpaarhufern liegt, ist Ansichtssache. Für Innenminister Herbert Kickl scheint es ein Faktum zu sein – anders ist die Vehemenz, mit der er sich für den Probebetrieb einer berittenen Polizei in Wien starkmacht, kaum zu erklären. Denn der Vergleich mit der bayrischen Landeshauptstadt München, wo rund drei Dutzend Tiere im Exekutivdienst sind, lahmt ziemlich.

Dafür reicht ein Blick auf die Selbstdarstellung der Münchner Reiterstaffel im Internet. Ein wesentlicher Teil der Einsätze – 50 bis 60 pro Jahr – spielt sich nämlich im Umfeld von Fußballspielen ab. Nun kann man den FC Bayern München sympathisch finden oder nicht, ein Publikumsmagnet ist er. Am Samstag kamen 75.000 Menschen in die Allianz-Arena zum Match gegen Schalke 04. Auch Austria Wien hat am Samstag gekickt – die Zuseherkulisse im Ernst-Happel-Stadion war spärlicher. Exakt 5575 Zuseher fanden sich ein. Als Mittel der "Crowd-Control" ist der Pferdeeinsatz mangels Crowd also wenig geeignet.

Bleiben Prater und Donauinsel, die sich laut Kickl anbieten würden. Nur: Was soll eine Reiterstaffel, die erst aufgestellt und trainiert werden muss, dort besser erledigen können als normale Streifen? Brennpunkte der Kriminalität sind beide Örtlichkeiten nicht. Dass der Steuergeldeinsatz für ein blaues Steckenpferd gerechtfertigt ist, kann also bezweifelt werden. (Michael Möseneder, 12.2.2018)

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