iPhone X: Angriff der China-Klone

    11. Februar 2018, 16:06
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    Eine Reihe von Herstellern lässt sich deutlich von Apples Flaggschiff inspirieren

    Das Design des iPhone X spaltet ein wenig die Gemüter der Ästhetikfreunde. Die randlose Erscheinung des Gerätes wird von vielen gelobt, doch die Einkerbung am oberen Bildschirmrand, gefällt längst nicht jedem. Der "Notch", der Frontkamera, Näherungssensor und den Face ID-Sensor beherbergt, hat sich aber auch deswegen zu einem Markenzeichen von Apples Smartphone-Topmodell entwickelt.

    Nun passiert freilich, was alsbald passieren musste. Seit je her nehmen sich so manche Hersteller nämlich Apples Smartphones zum Vorbild für eigene Modelle. Äußerlich kommen sie den Geräten dabei ziemlich nah oder probieren sich überhaupt an einem 1:1-Nachbau. Bei den inneren Werten hapert es allerdings gerne. Eine Übersicht über den nahenden Angriff der "Klonkrieger".

    screenshot: goophone store

    Goophone X

    Am schnellsten war das berühmt-berüchtigte Unternehmen Goophone mit einer Kopie des iPhone X am Start. Oder zumindest mit der Ankündigung. Denn bis das im September vorgestellte Gerät tatsächlich verfügbar wurde, sollte es dauern. Mittlerweile kann es bei Onlinehändlern geordert werden, die Spezifikationen haben sich allerdings deutlich geändert.

    Ursprünglich war das Goophone X als Smartphone für umgerechnet 90 Euro angepriesen worden. Mittlerweile hat man sich offenbar entschieden, einen etwas besseren Prozessor (Mediatek MT6582) und ein Display mit Full HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel) zu verbauen – anstelle eines 720p-Panels. Dazu gibt es zwei GB RAM und – je nach Ausführung – acht bis 32 GB Onboardspeicher. Spannenderweise wird "Face ID" als optionales Feature für zehn Euro Aufpreis angeboten. Anstelle einer infrarotbasierten 3D-Erfassung dürfte es sich aber lediglich um die Freischaltung normaler Gesichtserkennung als Firmware-Feature handeln.

    Dass der Klon, wie vom Händler ausgeschildert, wirklich einen Lightning-Anschluss mitbringt, ist ebenso fraglich. Wahrscheinlicher ist ein äußerlich entsprechend ausgestalteter microUSB- bzw. USB-C-Port. Vom Billigpreis ist man mittlerweile allerdings auch abgegangen. Je nach Ausstattung verlangen die Händler zwischen 220 und 250 Euro.

    foto: leagoo

    Leagoo S9

    Doch auch andere Hersteller, die zumindest in "Chinaphone-Communities" Bekanntheit erlangt haben, sind bereits in den Startlöchern. So hat Leagoo ein Smartphone namens "S9" im iPhone X-Look in den Startlöchern, das gemäß einer Einladung sogar am Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt werden könnte. Auf der offiziellen Homepage wird das Gerät sogar als erstes Android-Smartphone mit "Notch Display" beworben.

    Diese Behauptung stimmt aber nicht nur aufgrund des Goophone X nicht. Auch das Sharp Aquos S2 und das Essential Phone PH-1 weisen eine, wenn auch deutlich schmalere, Einkerbung auf. Zu den Spezifikationen lässt man die Interessenten auf Facebook herumraten, hat aber selbst noch keine Details preisgegeben. Auf Fotos des Gerätes ist aber zumindest zu erkennen, dass es einen Fingeradruckscanner auf der Rückseite und Doppelkamera mitbringen wird.

    foto: bluboo

    Bluboo X

    Mit dabei ist auch das semi-bekannte Unternehmen Bluboo. Das Bluboo X liefert eine bekannt aussehende Frontseite, allerdings ist das Kameramodul auf der Rückseite etwas anders gestaltet und mittig platziert. Auch kursieren bereits Angaben zu den Spezifikationen.

    Die Rede ist von einem 5,99-Zoll-AMOLED-Display mit FHD+-Auflösung (2.220 x 1.080 Pixel). Die rückseitige Doppelkamera soll zwei 21-MP-Sensoren von Sony mitbringen. Mit 5.500 mAh soll es zudem einen üppig bemessenen Akku geben. Die Rede ist auch von "Face ID", allerdings ist hier wiederum Gesichtserkennung via Frontkamera gemeint.

    Eher nicht bewahrheiten dürfte sich das Gerücht über einen unter dem Display sitzenden Fingerabdruckscanner. An der Implementation eines solchen soll Apple gescheitert sein, zudem befindet sich diese Technologie noch in den Kinderschuhen. Wann das Handy, zu dem es bislang nur Renderings gibt, erscheinen soll oder was es kosten soll, ist nicht bekannt. In Barcelona will Bluboo den Fokus jedenfalls auf ein anderes Gerät legen, nämlich ein Smartphone, dessen Hauptkamera sich nach vorne klappen lässt, um damit auch Selfies machen zu können.

    Doogee V

    Den Weg des Bluboo X beschreitet auch das "V" von Doogee. Eine dem iPhone X nachempfundene Vorderseite trifft auf eine veränderte Rückseite. Laut Leakern soll hier ein 6,2-Zoll-Display (AMOLED, 18:9-Format) verbaut sein. Zu zwei 21-MP-Kameras auf der Rückseite sollen sich zudem zwei 16-MP-Kameras an der Front – freilich im "Notch" platziert – gesellen. Eher ambitioniert ist auch hier die Verlautbarung, es solle einen Fingerabdruckscanner unter dem Display geben.

    Als Plattform soll der noch nicht offiziell vorgestellte Helio P40-Chip von Mediatek dienen, der über einen eigenen Prozessor für künstliche Intelligenz verfügen soll. Das Handy soll außerdem sechs GB RAM und 128 #GB Onboardspeicher bieten. Als erwartetes Erscheinungsdatum werden Ende April bzw. der Mai genannt, der Preis soll sich zwischen 300 und 350 Dollar bewegen.

    foto: umidigi

    Umidigi Z2 / One

    Umidigi, ebenfalls etabliert bei Importhändlern, hegt ähnliche Pläne mit dem Z2. Dieses kombiniert eine iPhone-eske Front mit einer an die HTC One-Reihe angelehnten Rückseite. Auch hier werden insgesamt vier Kameras (2+2) kolporitert und auch NFC – immer noch kein Fixstarter bei Chinaphones – wird kolportiert.

    Ansonsten ist der Informationsstand noch dünn. Offizielle Angaben zu den Spezifikationen oder Releasedatum fehlen bislang. Allzu lange dürfte es aber nicht dauern, ist Umidigi doch dafür bekannt, in sehr kurzen Abständen neue Handymodelle auf den Markt zu bringen.

    Verwirrend wird es auch dank zirkulierenden Informationen über ein Umidigi "One", dessen Rückseite wiederum direkt wie ein iPhone-Nachbau aussieht (eine Abbildung der Front fehlt bislang). Laut Android Headlines soll es als "Global Phone" mit entsprechender Unterstützung für diverse LTE-Bänder konzipiert sein und könnte auch vom Hersteller oder einem Partner direkt an Kunden in westliche Märkte angeboten werden. An dieser Stelle sei allerdings explizit an die sehr unsichere Quellenlage erinnert.

    foto: oukitel

    Oukitel U18

    Bereits vorbestellbar ist hingegen das Oukitel U18, weswegen hier bereits alle Spezifikationen bekannt sind. Das Display weist die originelle Auflösung von 1.512 x 720 Pixel auf und kommt somit auf ein Seitenverhältnis von 21:9. Die Diagonale wird mit 5.,85 Zoll angegeben. Dem Mittelklasse-Prozessor (Medaitek MT6750T) werden vier GB RAM beigestellt und es gibt 64 GB Onboardspeicher.

    Die Frontseite hat man sich auch hier vom iPhone X "geborgt", die Rückseite ist die bekannte Variation mit dem zentral angebrachten Kameramodul (16 MP + 5 MP mit Sony-Sensoren) – und einem Fingerabdruckscanner. Ausgeschildert wird auch eine Frontkamera mit 13 MP. Der Akku ist mit 4.000 mAh bemessen und wird über einen USB-C-Port geladen, vorinstalliert ist das schon länger nicht mehr aktuelle Android 7.0. Für das Handy verlangt man 180 Dollar. Die Auslieferung soll bereits begonnen haben.

    foto: owwo

    Owwo X / Ila X

    Zu diesen Modellen kommen auch noch Klone von Herstellern hinzu, die auch in China nur mäßig bekannt sind. So hat etwa auch eine Firma namens Owwo ein Smartphone im iPhone X-Look in der Pipeline, schreibt Gizchina. Gemäß den Unterlagen, die bei der Regulierungsbehörde Tenaa aufgetaucht sind, bringt es ein Display mit 1.440 x 720 Pixel mit und verfügt über zwei Dualkameras und ein Kunststoffgehäuse mit Metallrahmen. Erscheinungsdatum und Preis sind nicht bekannt.

    Vor kurzem erschienen ist außerdem das Ila X. Diese Kopie, die auf der Vorderseite allerdings über einen Homebutton mit Fingerabdruckscanner verfügt, schummelt beim Bildschirm, dessen Panel bereits unterhalb der Einkerbung endet und mit konventionellem 16:9-Format in einem langgestreckten Gehäuse sitzt.

    ben's gadget reviews

    Darüber hinaus bringt es Spezifikationen der Einstiegsklasse mit. Und das nach Dualcam aussehende, rückseitige Kamera-Modul soll tatsächlich nur einen Fotosensor besitzen, wobei das Unternehmen auf der Homepage auch korrekt angibt, dass es nur eine 13-MP-Kamera gibt. Für den Preis von 130 Dollar scheint es jedenfalls ausreichende Leistung zu bieten, wenn man nach dem Test des Youtube-Kanals Ben’s Gadget Reviews geht.

    Vorsicht anzuraten

    Wer sich auf Marktplätzen wie Aliexpress umsieht, findet zudem auch noch das eine oder andere Whitelabel-Handy in der Optik des iPhone X. Dabei handelt es sich allerdings üblicherweise um Geräte mit sparsamen Spezifikationen, die oft auch nicht korrekt angegeben sind.

    Auch wenn ein Telefon, das auf den ersten Blick nicht von Apples Flaggschiff unterscheidbar ist, verlockend wirken kann, sollte insbesondere Kauf von Smartphones, die äußerlich ein 1:1-Nachbau sind, gut überlegt werden. Diesen droht bei Kontrollen eine behördliche Einstufung als Produktfälschung – mit potenziell ungemütlichen und teuren Konsequenzen. (gpi, 11.02.2018)

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