US-Truppen greifen in Afghanistan Uiguren-Rebellen-Gruppe an

10. Februar 2018, 08:00
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Bei US-Luftattacken in Wakhan wurden Ausbildungslager der Taliban zerstört. Die Angriffe galten den Uiguren-Rebellen ETIM

Am vergangenen Wochenende flogen US-amerikanische B-52-Bomber Luftangriffe in Afghanistan, die wie so oft die radikal-islamistische Taliban zum Ziel hatten. Diesmal hatten die Flugzeuge auch ein weiteres Ziel: Ausbildungslager im Nordosten des Landes, wo auch Kämpfer des "East Turkestan Islamic Movement" (ETIM) trainieren. Die ETIM steht auf den Terrorlisten der USA, Großbritanniens und auch der Uno.

Ihre Mitglieder sind überwiegend türkischstämmige Uiguren, die eigentlich in der chinesischen Provinz Xinjiang für Unruhe sorgen. Die Uiguren verstehen sich als eigenens Volk und fordern zum Teil einen eigenen, von China unabhängigen Staat. Manche von ihnen greifen dabei zu gewaltsamen Mitteln, Anschläge in ganz China haben in den vergangenen Jahren mehrere hundert Opfer gefordert. Vermehrt ziehen sich die Rebellen über den schmalen Wakhan-Korridor nach Afghanistan zurück, wo sie Training in Taliban-Lagern erhalten.

Die US-Angriffe werfen ein Schlaglicht auf neue chinesisch-amerikanische Beziehungen und Chinas Problem im schmalen Wakhan-Korridor in der afghanischen Provinz Badakschan. Wakhan ist der schmale Landstrich zwischen Pakistan im Süden und Tadschikistan im Norden, der Chinas Unruhe-Region Xinjiang mit Afghanistan verbindet.

Der Wakhan-Korridor verbindet Afghanistan und China.

Bei den Angriffen am Wochenende wurden Taliban-Ausbildungslager zerstört, so die von den USA-geführte Nato-Mission in einer Aussendung. Sie machte keine Angaben über Verletzte oder Tote. "Die Taliban-Ausbildungslager dort anzugreifen bedeutet die ETIM-Kapazitäten zu mindern" kommentierte Air-Force-General James Hecker die Luftangriffe. "Die Zerstörung dieser Ausbildungszentren verhindert, dass Terroristen irgendwelche Anschläge in der Nähe der Grenze zu China oder Tadschikistan durchführen können."

Die US-Angriffe würden "Afghanistan dabei unterstützen, seinen Nachbarn sicherzustellen, dass sie kein Zufluchtsort für Terroristen seien."

USA buhlen um Chinas Wohlwollen

Die Angriffe dürften bei der chinesischen Regierung auf Wohlwollen stoßen. In China wisse man nichts von den Attacken, aber der Kampf gegen ETIM sei ein Kern-Anliegen im Kampf gegen den Terrorismus, so ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums prompt am Freitag. "Gegen Terrorismus vorzugehen ist die Verantwortung aller Länder dieser Welt."

Die US-Offensive kommt im Zuge einer Annäherung der Beziehungen zwischen China und den USA. Die Handelsbeziehungen wurden in den vergangenen Monaten vertieft, als etwa der chinesischen Staatschef Xi Jinping den US-Präsidenten Donald Trump in Peking empfing. Und im Bezug auf die Korea-Krise bauen die USA auf chinesische Unterstützung, seien das nun wirtschaftliche Sanktionen oder politische Strategien.

Verschiedene Auffassungen bezüglich Terroristen

Wer oder was nun Terroristen sind, darüber scheiden sich allerdings die Geister in den beiden Ländern, so US-Vize-Staatssekretär für die Asien und Pazifik-Region Randall Schriver am Dienstag. "Historisch haben wir einige Schwierigkeiten mit China gehabt – was sie als Terroristen definieren, vor allem innerhalb Chinas – und wie wir die Dinge sehen."

Während Peking die Anschläge der vergangenen Jahre separatistischen Organisationen wie ETIM zuschreibt, gibt es auch viele Stimmen, die meinen, die Unruhen gehen auf Chinas eigenes Konto: Die Uiguren würden sich bloß gegen ungerechtfertigte Unterdrückung durch den chinesischen Staat wehren. So stehen Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang immer wieder im Zentrum der Kritik verschiedenen westlicher Staaten.

Chinesische Militärbasis in Afghanistan

Doch in Zukunft könnte es öfter zu Kooperation gegen Terrorismus in Afghanistan zwischen China und den USA kommen. Denn in Afghanistan seien "beide Länder an Stabilität interessiert", so Schriver. China plant etwa, eine afghanische Militärbasis im Wakhan-Korridor finanziell zu unterstützen.

Offiziell will das Land zwar nur bestätigen in Afghanistan am "Aufbau von Kapazitäten" tätig zu sein. Im Dezember haben afghanische und chinesische Vertreter den Plan in Peking besprochen, bestätigte aber der afghanische Vize-Verteidigungsminister Mahommad Radmanesh."Wir werden die Militärbasis bauen, und China wird sie finanziell unterstützen, Ausrüstung zur Verfügung stellen und afghanische Soldaten trainieren."

Chinesische Soldaten seit Sommer in Wakhan

Laut verschiedenen Augenzeugen-Berichten werden chinesische Soldaten bereits seit dem Sommer im abgelegen Wakhan-Korridor gesehen. Das will zwar weder die afghanische noch die chinesische Seite bestätigen. Ein lokaler Ortsvorsteher sagte aber zur Nachrichtenagentur AFP, dass die chinesische Armee im Sommer gemeinsam mit der afghanischen Armee dort patrouilliert sei. "Wir wurden strikt eingeschworen, keine Fotos zu machen." (saw, 9.2.2018)

  • Der schmale Korridor Wakhan gilt als Rückzugsort für uigurische Rebellen aus Chinas Unruhe-Provinz Xinjiang.
    foto: apa/afp/gohar abbas

    Der schmale Korridor Wakhan gilt als Rückzugsort für uigurische Rebellen aus Chinas Unruhe-Provinz Xinjiang.

  • Im Norden Tadschikistan, im Süden Pakistan, verbindet das schmale Stück Land Afghanistan mit China.
    foto: apa/afp/gohar abbas

    Im Norden Tadschikistan, im Süden Pakistan, verbindet das schmale Stück Land Afghanistan mit China.

  • Ende Dezember trafen sich der chinesische Außenminister Wang Yi (Mitte), der afghanische Außenminister Salahuddin Rabbani (lnks) und der pakistanische Khawaja Muhammad Asif (rechts) in Peking, um Strategien gegen Terroristen im Wakhan-Korridor zu besprechen.
    foto: apa/afp/nicolas asfouri

    Ende Dezember trafen sich der chinesische Außenminister Wang Yi (Mitte), der afghanische Außenminister Salahuddin Rabbani (lnks) und der pakistanische Khawaja Muhammad Asif (rechts) in Peking, um Strategien gegen Terroristen im Wakhan-Korridor zu besprechen.

  • Im November war US-Präsident Trump beim chinesischen Staatschef im Peking, um Handelsbeziehungen zu vertiefen.
    foto: ap/andy wong

    Im November war US-Präsident Trump beim chinesischen Staatschef im Peking, um Handelsbeziehungen zu vertiefen.

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